NewsPolitikBerlins Gesundheitssenatorin warnt vor krankmachendem Fluglärm
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Berlins Gesundheitssenatorin warnt vor krankmachendem Fluglärm

Montag, 11. September 2017

/vschlichting, stock.adobe.com

Berlin – Zwei Wochen vor dem Volksentscheid über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel hat Berlins Gesundheitssenatorin davor gewarnt, die krankmachenden Folgen von Fluglärm zu unterschätzen. Viele Berliner hätten entsprechende Symptome und Krankheiten und würden vielleicht nicht an einen unmittelbaren Zusammenhang mit Fluglärm denken, sagte die SPD-Politikerin Dilek Kolat.

Das Spektrum an durch Studien nachgewiesenen Belastungen reiche von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Erschöpfung bis hin zu Depression, so Kolat. Lärm verursache nicht nur bestimmte Krankheitsbilder, sondern könne auch bereits vorliegende Erkrankungen des Immunsystems verschlimmern. „Als Gesundheits­senatorin möchte ich mit dem Abstellen des Fluglärms in Tegel zur Gesundheits­förderung der Anwohner beitragen“, sagte sie.

Anzeige

Die Senatorin appellierte an die Berliner, sich bei der Abstimmung mit in der Verantwortung für die 300.000 Lärm-Betroffenen im Umfeld von Tegel zu sehen. Die Zahl der Anwohner rund um den BER in Schönefeld sei um ein Vielfaches kleiner, während es bei Tegel um dicht besiedelte, innerstädtische Gebiete gehe. Die Gesundheitsverwaltung hat Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zu Fluglärm zusammengetragen und auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Nach Angaben des Berliner Abgeordnetenhauses sind bundesweit nirgends mehr Menschen von Fluglärm betroffen als im Umfeld des Flughafens Tegel. Mehr als 20.000 Menschen müssten Lärm in einer Stärke ertragen, wie es sonst nur in Industriegebieten zulässig sei.

Das Bündnis „Berlin braucht Tegel“, hinter dem die FDP steht, argumentiert hingegen mit einem niedrigeren Flugaufkommen in Tegel bei einem Weiterbetrieb in Ergänzung zum BER und in Zukunft deutlich leiseren Jets. Zudem sollen Anwohner modernen Schallschutz erhalten.

Für problematisch hält Kolat die Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit von Kindern – es gehe nicht nur um Gedächtnisleistung und Sprachverarbeitung. „Sie müssten sich konzentrieren, aufmerksam sein, werden aber immer wieder herausgerissen.“ Wer denke, sich an Fluglärm gewöhnt zu haben, irre: „Der Körper reagiert auf die ständigen Störungen.“ Kolat betonte, zudem leide die Schlafqualität – mit Folgen wie Müdigkeit oder verminderter Belastungsfähigkeit.

Für das Nachtflugverbot in Tegel zwischen 23 und 6 Uhr gibt es Ausnahmen, zudem kann es bei besonderen Lagen aufgehoben werden – zum Beispiel, als kürzlich wegen der Entschärfung einer Weltkriegsbombe mehrere Flugzeuge umgeleitet werden mussten. Am 24. September können die Berliner bei einem rechtlich nicht bindenden Volksentscheid über die Zukunft von Tegel abstimmen. Nach geltender Rechtslage soll der alte Airport nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER schließen.

© dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Mai 2019
Köln – Kinder schlafen nach einer Untersuchung in von Fluglärm stärker belasteten Gebieten schlechter, fühlen sich deshalb am Morgen aber nicht müder als andere Kinder. „Wir haben den Eindruck
Kinder fühlen sich trotz Nacht-Fluglärms nicht müder
23. April 2019
Berlin – In lauten Städten kann das dauerhafte Musikhören mit Kopfhörern gesundheitsschädlich sein. „Zu Hause startet man meist noch mit einer gesunden Lautstärke, dreht dann auf der Straße aber auf,
Kopfhörer können zu Hörschäden beitragen
23. April 2019
Genf – Die Schweizer Rhonestadt Genf sorgt sich wegen des zunehmenden Verkehrslärms um das Wohlergehen der 200.000 Einwohner und will dem einen Riegel vorschieben. Dem Parlament des Kantons Genf
Genfer Parlament will gegen zu laute Autos vorgehen
5. April 2019
Köln – Zu viel Lärm schädigt nicht nur das Gehör, sondern ist auch ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies zeigen zwei Beiträge in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Heft
Lärm ist ein unterschätztes Gesundheitsrisiko
22. Februar 2019
Stuttgart – Experten fordern strengere Grenzwerte für Verkehrslärm. Bisher gelten tagsüber Werte ab 70 Dezibel und nachts ab 60 Dezibel als gesundheitsgefährdend. Diese Schwellenwerte seien deutlich
Experten fordern striktere Regeln gegen Lärm
18. Februar 2019
Genf/New York – Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat zusammen mit der International Telecommunication Union (ITU) eine neue Norm für sogenannte persönliche Audiogeräte wie MP3-Player beschlossen.
Schwerhörigkeits-Epidemie: WHO beschließt neue Norm für MP3-Player und andere Audiogeräte
31. Januar 2019
Havanna – Nach der mysteriösen Erkrankung eines weiteren Diplomaten hat Kanada sein Botschaftspersonal in Kuba stark reduziert. Wie das kanadische Außenministerium gestern mitteilte, wurden bei einem
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER