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Medizin

AMD: Lampalizumab kann geographische Atrophie in Studie nicht aufhalten

Dienstag, 12. September 2017

/auremar, stock.adobe.com

Basel – Der Antikörper Lampalizumab, der über die Hemmung des Komplement­systems die Ausdehnung einer geographischen Atrophie bremsen soll, hat in einer der beiden maßgeblichen Studien die Erwartungen nicht erfüllt. Der Hersteller hat die weitere Behandlung von Patienten in der Studie vorerst ausgesetzt.

Lampalizumab gehört zu den vielversprechenden Therapieansätzen bei der trockenen Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD), für die es im Gegensatz zur feuchten AMD derzeit keine Behandlungsoptionen gibt. Die Einnahme von Vitamin E, Vitamin C, Zink und Betakarotin beziehungsweise Lutein/Zeaxanthin, die in den AREDS-Studien in den Frühstadien eine gewisse Wirkung erzielt hat, kommt in der Regel zu spät, wenn die „geographische Atrophie“ eingesetzt hat, die nach einem charakteristischen Aussehen der Makula in der Funduskopie benannt ist. 

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Diese trockene AMD verläuft deutlich langsamer als die feuchte AMD. Das Ergebnis ist allerdings das gleiche: Der Verlust der Sehkraft im Bereich des schärfsten Sehens, der das Detailsehen verhindert und das Lesen verunmöglicht, kommt am Ende einer Erblindung gleich.

Ursache und Pathogenese der Erkrankung sind unklar. Eine Beteiligung des Komple­ment­systems, genauer seines „alternativen Wegs“, wird jedoch seit Längerem vermu­tet. Das Komple­ment­system ist Teil der angeborenen Immunabwehr. Wie es in die Entwicklung der geographischen Atrophie eingreift, ist nicht bekannt. Genomweite Assoziationsstudien haben jedoch gezeigt, dass Varianten in den Komplement-Genen, vor allem im Gen für den Komplementfaktor D, einen Teil des erblichen Risikos bestimmen, das auf 40 bis 75 Prozent geschätzt wird. Der Komplementfaktor D ist zudem bei vielen Patienten überaktiv.

Lampalizumab bindet den Komplementfaktor D und neutralisiert damit seine Wirkung. Erste klinische Studien hatten gezeigt, dass die Injektion von Lampalizumab in den Glaskörper möglicherweise das Fortschreiten der geographischen Atrophie aufhalten kann. Der Hersteller hat daraufhin zwei Phase-3-Studien begonnen, die den Nutzen endgültig beweisen und die Voraussetzungen für die Zulassung schaffen sollen. 

In der CHROMA-Studie sollen an 145 Zentren insgesamt 905 AMD-Patienten mit Lampalizumab oder Placebo-Injektionen behandelt werden. Die SPECTRI-Studie war für 936 Patienten an 153 Zentren geplant.

Die Ergebnisse der SPECTRI-Studie wurden jetzt ausgewertet. Wie der Hersteller mitteilt, war nach einer Behandlung von 48 Wochen kein Unterschied in der Aus­dehnung der geographischen Atrophie im Vergleich zur Scheinbehandlung erkennbar. Die Ergebnisse der CHROMA-Studie sollen im November ausgewertet werden. Sollte auch in dieser Studie kein Vorteil erkennbar sein, dürfte der Hersteller die Entwicklung des Wirkstoffes vermutlich einstellen. Einzelheiten zu den Ergebnissen wurden nicht mitgeteilt. Eine Publikation steht noch aus. © rme/aerzteblatt.de

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