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Medizin

Bessere Diagnose und gezieltere Therapie von Bewegungsstörungen nach Schlaganfall

Dienstag, 12. September 2017

München – Nach einem Schlaganfall können viele Patienten einfache Alltagsgegen­stände und Werkzeuge nur eingeschränkt mit den Händen greifen oder halten. Grund dafür sind bekanntlich Schädigungen im Gehirn, die sich auf die feinmotorischen Fähigkeiten auswirken. Sehr häufig wird im Rahmen der Diagnostik der Jebsen-Taylor-Handfunktionstest durchgeführt, im Rahmen dessen etwa ein Satz auf ein Blatt Papier geschrieben werden muss.

„Der Jebsen-Test wie auch andere Tests zeigen allerdings nicht auf, welche einzelnen Faktoren dazu führen, dass sich Schlaganfallpatienten bei einfachen Handgriffen so schwer tun“, erläuterte Joachim Hermsdörfer vom Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft der Sport- und Gesundheitsfakultät an der Technischen Universität München (TUM).

Seine Arbeitsgruppe hat daher Tests entwickelt, um anhand der daraus identifizierten beeinflussenden Faktoren gezieltere therapeutische Ansätze abzuleiten. Ihre Ergeb­nisse haben Hermsdörfer und Erstautorin Kathrin Allgöwer im Magazin Clinical Neurophysiology veröffentlicht (2017; doi: 10.1016/j.clinph.2017.07.408).

Die TUM-Wissenschaftler testeten unter anderem das Hochheben von Gegenständen verschie­dener Gewichtsklassen und mit verschiedenen Oberflächen und die vorausschauende und reagierende Griffkontrolle. Laut der Münchner Untersuchung waren drei Faktoren maßgeblich, um die Feinmotorikstörung zu klassifizieren: die Kontrolle der Griffkraft, die motorische Koordination und das Tempo der Bewegung.

Mit statistischen Methoden konnte das Team schließlich belegen, dass diese drei Faktoren zu 69 Prozent die Alltagsdefizite des umfassenderen Jebsen-Tests voraus­sagen. „Dank unserer Ergebnisse können Patienten künftig nach einem Schlaganfall gezielter in den Bereichen therapiert werden, wo ihre Schwächen evident sind“, so Hermsdörfer.

Test der Griffkraft mit der Gripforce-Box /youtube, TUMuenchen1

Die Münchner verwendeten für die Tests selbstentwickelte Geräte, unter anderem eine Gripforce-Box, mit der die Griffkraft der Hand überprüft wird. Diese könnte künftig für Therapeuten so weiterentwickelt werden, dass sie zum Zweck der Diagnose des Status quo von Personen nach einem Schlaganfall eingesetzt wird, hieß es aus der Gruppe. © hil/aerzteblatt.de

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