Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Wissenschaftler nutzen Röntgenlaser für Infektionsforschung

Dienstag, 12. September 2017

Lübeck – Die Forschergruppe um Lars Redecke vom Institut für Biochemie der Universität zu Lübeck und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg zählt zu den ersten Nutzern des Europäischen „Freie-Elektronen-Laser für Röntgen­licht“ (XFEL).

Das Gerät, das als stärkster Röntgenlaser weltweit gilt und an dessen Entwicklung Forscher aus elf Ländern mitgearbeitet haben, wurde Anfang September in Hamburg und dem schleswig-holsteinischen Schenefeld für die wissenschaftlichen Experimente in Betrieb genommen.

Die Lübecker Wissenschaftler untersuchen die dreidimensionale Struktur von Protei­nen, um Stoffwechselvorgänge besser zu verstehen. Ziel ist, Hemmstoffe entwickeln, die die Funktion eines Proteins blockieren. „Dies ist bei vielen Erkrankungen bezie­hungs­weise auch bei Infektionen notwendig, wenn Proteine fehlerhaft arbeiten oder zum Eindringling gehören“, hieß es aus der Gruppe.

Die Wissenschaftler nutzen für ihre Arbeit eine indirekte Methode der Röntgen­beugung. Die Proteine werden zunächst kristallisiert und dann mit hochenergetischer Röntgenstrahlung bestrahlt. Die Strah­lung wird durch die Atome des Proteins abgelenkt („gebeugt“) und kann als spezifi­sches Muster auf einem Detektor sichtbar gemacht werden.

Die neuen Röntgenlaser, wie es sie seit 2009 in Stanford/USA und nun am DESY gibt, können Röntgenstrahlung erzeugen, die etwa eine Milliarde Mal intensiver ist als die bisherige Strahlung. Ein besonderer Effekt ist laut der Gruppe, dass die gepulste Laser­strahlung es ermöglicht, nicht nur Einzelbilder, sondern ganze Bildfolgen dynamischer Prozesse aufzunehmen.

„Da der neue Europäische Röntgenlaser eine noch höhere Intensität und Qualität der Strahlung als der Laser in den USA liefert, entstehen völlig neue technische Möglichkeiten, um die Prozesse in unserem Körper besser zu verste­hen“, so Redecke.

Der „European XFEL“ ist eine 3,4 Kilometer lange Anlage, mit der energiereiches Laser­licht mit Wellenlängen von 0,05 bis 5 Nanometern erzeugt werden kann. Die von 2009 bis 2016 gebauten Tunnel reichen vom DESY-Gelände in Hamburg bis ins schleswig-holsteinische Schenefeld, wo der Forschungscampus mit einer unterirdischen Experi­mentierhalle entstanden ist.

Die Baukosten einschließlich der Inbetriebnahme betra­gen laut der projekteigenen Internetseite 1,22 Milliarden Euro. Insgesamt sind elf Länder am European XFEL beteiligt. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

08.11.17
Neues Zentrum für radiologisch-inter­ventionelle Onkologie in Regensburg
Regensburg – Ein neues Zentrum für radiologisch-interventionelle Onkologie (RIO) bündelt ab sofort die onkologisch-radiologischen Kompetenzen am Universitätsklinikum Regensburg (UKR). Im Fokus stehen......
09.06.17
PET/CT bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren Kassenleistung
Berlin – Niedergelassene Nuklearmediziner und Radiologen, die bestimmte Anforderungen erfüllen, können Patienten mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren ab sofort mittels......
29.05.17
Radiologen erwarten von neuem Verfahren bessere Einblicke in die Lunge
Berlin – Auf eine neue Technologie namens „Phasenkontrast-Bildgebung“ weist die Deutsche Röntgengesellschaft hin. „Ein erstes Einsatzszenario könnte die Darstellung der Lunge bei Patienten mit......
24.05.17
Gadolinium: FDA findet keine Hirnschäden durch MRT-Kontrastmittel
Silver Spring – Im Gegensatz zur europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die im März empfohlen hat, bestimmte Gadolinium-haltige Kontrastmittel für die Magnetresonanztomographie (MRT) vom Markt zu......
05.05.17
Rostocks Universitätsmedizin produziert Radionuklide selbst
Rostock – Die Universitätsmedizin Rostock hat einen Teilchenbeschleuniger (Zyklotron) in Betrieb genommen. Er versorgt das PET/CT-Zentrum der Rostocker Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin mit......
27.04.17
Urolithiasis: Diagnostik zu oft mit Computertomographen statt Ultraschall
Berlin – Zum Nachweis in der Akutsituation sowie in der allgemeinen Diagnostik und Nachsorge von Nierensteinen empfiehlt die Leitlinie zur „Diagnostik, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis“ den......
26.04.17
Strahlungsarme Röntgengeräte für junge Patienten in Rostock
Rostock – Die Universitätsmedizin Rostock hat ihre Röntgenausstattung modernisiert. Die neuen Geräte kommen mit bis zu einem Drittel der bisherigen Strahlendosis aus und übertragen die gewonnenen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige