Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Stiftung Kindergesundheit warnt vor hohem Zuckerkonsum

Dienstag, 12. September 2017

/stockphoto-graf, stock.adobe.com

München – Scharfe Kritik an Initiativen der Lebensmittelindustrie, noch mehr Süßigkeiten für Kinder zu verkaufen, übt die Stiftung Kindergesundheit. Allein die deutschen Hersteller von Süßwaren investierten innerhalb eines Jahres mehr als 898 Millionen Euro in ihre mediale Kommunikation. Das seien 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Der größte Teil floss in die Fernsehwerbung, informiert die Stiftung.

Die Industrie bestreite dabei die schädlichen Folgen des überhöhten Zuckerkonsums. „Die Zuckerverbände vertreten wie eh und je unverdrossen die Meinung, dass zwischen Zucker und Übergewicht und Karies kein direkter Zusammenhang besteht und treiben den Zuckerverbrauch durch Werbung weiter in die Höhe“, kritisiert die Stiftung.

Viel Geld für Kindermarketing

Auch das an Kinder gerichtete Marketing im Internet nehme zu: So beinhalteten über 60 Prozent der Lebensmittelwebseiten mindestens ein Element, das sich eindeutig dem Kindermarketing zuordnen lasse. Kinder sind jedes Jahr allein im Internet zwischen 2.700 und 7.800 Marketingmaßnahmen der Lebensmittelindustrie ausgesetzt.

Pro Tag kämen Kinder zwischen acht und 22 Mal mit Online-Werbeaktivitäten von Lebensmittelherstellern in Kontakt. Besonders oft gehe es dabei um Lebensmittel, die sehr süß, salzig oder fetthaltig seien und Übergewicht begünstigten, verweist die Stiftung Kindergesundheit auf Ergebnisse des vom AOK-Bundesverband initiierten „Zuckerreduktionsgipfels“ in Berlin.

„Mit der hohen Zuckerzufuhr in Deutschland haben wir bei Kindern wie Erwachsenen ein Riesenproblem“, erläuterte Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der von Haunerschen Kinderklinik der LMU München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Jeder Deutsche, vom Baby bis zum Greis habe im vergangenen Jahr 32,71 Kilogramm Süßwaren verbraucht, 1,2 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Die Menge entspreche etwa 22 Teelöffeln pro Tag. Laut der Welt­gesund­heits­organi­sation sollte die Tagesmenge bei Erwachsenen zwölf, bei Kindern sechs Teelöffel nicht übersteigen.

Besondere Vorsicht gilt laut Stiftung bei mit Zucker gesüßten Getränken und süßen Fruchtsäften. Der Verbrauch betrug in Deutschland 2016 nach Industrieangaben 116,3 Liter. Den größten Posten machten Limonaden mit 78,2 Liter pro Kopf im Jahr aus. Aber auch Fruchtsäfte seien problematisch. „Säuglinge und Kleinkinder sollten Fruchtsaft so zurückhaltend trinken wie Erwachsene Champagner. Saft ist kein alltägliches Lebens­mittel, sondern vielmehr etwas, das zu besonderen Anlässen genossen werden darf“, so der Münchner Kinder- und Jugendarzt.

© hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19.11.17
Ernährung von Kindern spiegelt sich in Aktivität ihrer Gene
München – Die Art, wie ein Kind ernährt wird, spiegelt sich in der Aktivität mancher seiner Gene. Das berichten Wissenschaftler um Berthold Koletzko vom Dr. von Haunerschen Kinderspital, das zum......
16.11.17
Studie: Darmbakterien könnten vor einer Hypertonie schützen
Cambridge – Ein hoher Salzverzehr führt offenbar zu einer Störung der Darmflora. Die Folge ist aktuellen Untersuchungen in Nature (2017; doi: 10.1038/nature24628) zufolge eine Zunahme von......
15.11.17
Walnüsse können das Cholesterin senken
München – Walnüsse haben einen positiven Effekt auf den Fettstoffwechsel. Das berichten Wissenschaftler der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der Universität München um Klaus......
15.11.17
Adipositas fördert Wachstum von Feten
Bethesda – Eine Adipositas von Schwangeren geht mit einem vermehrten Wachstum des Feten einher, das in einer Kohortenstudie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.3785) ab der 21.......
15.11.17
Europäische S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ aktualisiert
Berlin – Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Fachgesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) hat die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Neurologie“ aktualisiert. Darauf hat......
14.11.17
Immer mehr Diabetiker in Deutschland – Weltdiabetestag zu Frauen und Diabetes
Berlin – In der Nachkriegszeit war weniger als 1 Prozent der Bevölkerung an Diabetes erkrankt. Heute könnten es 10 Prozent sein, wie eine Übersicht im Journal of Health Monitoring (2017; doi:......
13.11.17
Ernährungsexperten fordern höhere Mehrwertsteuer für zuckrige Produkte und Softdrinks
Berlin – Im Kampf gegen die steigende Zahl von Übergewichtigen in Deutschland haben Ernährungsexperten eine deutliche Mehrwertsteuererhöhung für besonders zuckrige Produkte und Softdrinks gefordert.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige