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Vermischtes

Apothekerverband für Konsequenzen aus Krebsmittelskandal

Dienstag, 12. September 2017

Düsseldorf – Als Konsequenz aus dem Bottroper Skandal um gefälschte Krebsme­dikamente fordern die Apothekerverbände ein neues Vergütungsmodell für die hoch spezialisierten Apotheken. Künftig dürfe nur noch die Herstellung der Mittel vergütet werden, forderte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Friedemann Schmidt, heute in Düsseldorf. Geld sollten die Schwerpunktapotheken für Krebspatienten „nur noch für tatsächlich erbrachte Leistung“ erhalten und nicht mehr für die Wirkstoffe. Bei der Honorierung der Produktion würden bisher „falsche Anreize gesetzt“.

Ein wegen Betrugs angeklagter Bottroper Apotheker soll in mehr als 60.000 Fällen Krebsmedikamente massiv verdünnt und die Krankenkassen dabei um 56 Millionen Euro geprellt haben. Mehr als 1.000 Krebspatienten sollen betroffen sein. Konkret soll der in Untersuchungshaft sitzende Apotheker etwa bei Chemotherapien so wenig Wirkstoff verwendet haben, dass die Medikamente kaum oder keine Wirkung hatten.

Jede Maßnahme gerechtfertigt

In den spezialisierten Apotheken müsse es „gezielte Kontrollen“ und verstärkte Überwachung durch die Länderaufsichten geben, sagte Schmidt. „Aber auch das dahinterliegende Vergütungsmodell muss insgesamt geändert werden.“ In dem Bottroper Skandal seien „nicht nur alle Gesetze, sondern auch alle berufsethischen Grundsätze verletzt und in den Dreck geworfen worden“.

Der angeklagte Apotheker habe „offenbar ganz bewusst die Schädigung von Patienten nicht nur einkalkuliert, sondern zum Prinzip der Methodik gemacht“, sagte Schmidt. „Wenn das so stimmt, ist eigentlich jede Maßnahme gerechtfertigt, die solche Dinge in Zukunft ausschließt.“ Der Bottroper Fall sei seiner Ansicht nach aber ein „extrem krasser Einzelfall“.

Nach Informationen des Recherchezentrums Correctiv wurde der beschuldigte Apotheker bereits Ende 2013 angezeigt, die Ermittlungen seien aber kurz darauf von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. In Deutschland gibt es rund 300 Schwerpunktapotheken für Krebspatienten. Gerade bei Krebsmedikamenten müsse Rezeptur immer individuell auf den aktuellen Zustand des Patienten abgestimmt werden, sagte Schmidt.

Nordrhein-Westfalen hat mittlerweile auf den Skandal reagiert und die Verschärfung der Prüfungen angeordnet. © dpa/aerzteblatt.de

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