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Medizin

Asthma-Antikörper Mepolizumab bei eosinophiler COPD wirksam

Mittwoch, 13. September 2017

Pittsburgh – Das Antikörperpräparat Mepolizumab, das über eine Neutralisierung von Interleukin-5 die Zahl der eosinophilen Granulozyten senkt, hat in zwei randomisierten Studien als zusätzliche Therapie die Zahl der Exazerbationen von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) mit eosinophilem Phänotyp gesenkt. Dies zeigen die jetzt auf dem European Respiratory Society International Congress in Mailand vorgestellten und im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1708208) publizierten Ergebnisse.

Etwa 40 Prozent aller Patienten mit COPD haben eine Eosinophilie. Die genauen Gründe sind nicht bekannt – die COPD ist an und für sich keine allergische Erkrankung – doch frühere Studien haben gezeigt, dass die Eosinophilie mit einer erhöhten Rate von Exazerbationen verbunden ist. 

Es lag deshalb nahe, den im letzten Jahr zur Behandlung des refraktären eosinophilen Asthmas zugelassenen „Anti-Allergie“-Antikörper Mepolizumab auch bei der eosino­philen COPD zu untersuchen. Der Hersteller hat hierzu zwei randomisierte klinische Studien durchführen lassen, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

In den beiden Studien wurden Patienten, die trotz der üblichen Triple-Therapie der COPD aus inhalativen Steroiden, Beta-2-Sympathomimetika und Muskarinrezeptor-Antagonisten (beide mit langer Wirkdauer) weiter unter Exazerbationen litten, zusätzlich mit Mepolizumab oder Placebo behandelt.

An der METREX-Studie nahmen 837 COPD-Patienten aus 16 Ländern (keine deutsche Beteiligung) teil. Ein eosinophiler Phänotyp (mehr als 150 Zellen pro Mikroliter) war hier keine zwingende Voraussetzung für die Teilnahme. Die Dosis in der Mepolizumab-Gruppe betrug bei allen Patienten 100mg, die alle vier Wochen subkutan verabreicht wurden. An der METREO-Studie nahmen 675 Patienten aus 15 Ländern (mit deutscher Beteiligung) teil. In dieser Studie hatten alle Patienten einen eosinophilen Phänotyp. Die Studie verglich zwei Dosierungen (100 mg und 300 mg alle vier Wochen) mit Placebo.

Wie ein Team um Frank Sciurba von der University of Pittsburgh School of Medicine berichtet, war die Wirkung weniger von der Dosis als von dem Ausmaß der Eosinophilie abhängig. Die Dosis von 300 mg war in der METREO-Studie einer Dosis von 100 mg nicht überlegen. Die niedrige Dosis scheint deshalb ausreichend zu sein.

Bei Patienten ohne eosinophilen Phänotyp wurde erwartungsgemäß keine Wirkung erzielt. Für Patienten mit einer milden Eosinophilie (150 bis 300 Zellen pro Mikroliter) ermittelten die Forscher eine Rate Ratio von 0,92 für den primären Endpunkt, die Häufigkeit von Exazerbationen. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,76 bis 1,11. Die Wirkung ist damit in dieser Gruppe nicht belegt.

Bei Patienten mit mäßiger Eosinophilie (300 bis 500 Zellen pro Mikroliter) wurde die Häufigkeit mittelschwerer bis schwerer Exazerbationen um 25 Prozent gesenkt. Die Rate Ratio von 0,75 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,55 bis 1,00 knapp signifikant. Bei Patienten mit ausgeprägter Eosinophilie (500 oder mehr Zellen pro Mikroliter) war die Rate Ratio mit 0,71 (0,48-1,09) zwar nicht signifikant, was aber an der geringen Zahl der Patienten in dieser Gruppe gelegen haben könnte. Die etwas stärkere Wirkung passt zu einer Dosis-Wirkungs-Kurve. Mepolizumab scheint am ehesten bei Patienten mit hohen Eosinophilie-Werten sinnvoll zu sein (auch wenn die Editorialistin Christine McDonald von der Universität Melbourne an der Eignung des Biomarkers Eosinophilie zweifelt).

Andere Faktoren könnten eine Rolle spielen. Einer könnte die Dauer der Erkrankung sein, denn bei Patienten mit einer fehlenden aktuellen Eosinophilie aber mit erhöhten Werten in der Anamnese wurde ebenfalls eine Wirkung gefunden. Die Rate Ratio war in dieser Gruppe mit 0,64 sogar am ausgeprägtesten, auch wenn hier mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,40 bis 1,03 das Signifikanzniveau verfehlt wurde. 

Viele Fragen zur „personalisierten“ Therapie mit Mepolizumab scheinen noch offen zu sein. Es bleibt abzuwarten, wie die Zulassungsbehörden auf den Antrag einer Indikationserweiterung reagieren werden. Für einen großzügigen Einsatz spräche die gute Verträglichkeit von Mepolizumab: Die Häufigkeit von Nebenwirkungen war in beiden Studien nicht höher als in den Placebogruppen. Offen bleibt die Entscheidung der Kostenträger, die einen eindeutigen Nutzennachweis für die nicht gerade kostengünstige Therapie fordern dürften. © rme/aerzteblatt.de

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