NewsMedizinWie Leberkrebs entsteht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie Leberkrebs entsteht

Mittwoch, 13. September 2017

stock.adobe.com

Heidelberg/Zürich – Die hohe Regenerationsfähigkeit der Leber erhöht bei chronischen Entzündungen die Gefahr einer Krebsentstehung. Dabei spielt nach neuen Studien­experimenten in Cancer Cell (2017; doi: 10.1016/j.ccell.2017.08.010) ein „Reparatur­enzym“ eine zweischneidige Rolle.

Das hepatozelluläre Karzinom tritt typischerweise nach einer langjährigen chronischen Erkrankung der Leber auf. Früher war es in Deutschland relativ selten. Leberkrebs war vor allem ein Problem in Ländern mit einer hohen Prävalenz von Hepatitis B und C häufig. Weltweit ist es sogar die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Bedingt durch chronischen Alkoholkonsum und Adipositas sind zuletzt aber auch in Deutschland die Erkrankungszahlen angestiegen. 

Auffällig ist, dass nicht bestimmte Noxen für den Leberkrebs verantwortlich sind, entscheidend sind die Dauer und die Intensität der chronischen Leberentzündung. Den Grund hierfür hat jetzt ein Team um Prof. Achim vom Universitätsspital Zürich und Prof. Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gefunden.

Anzeige

Den Forschern fiel auf, dass Patienten, die an Leberkrebs erkrankt waren, in den Jahren zuvor einen deutlichen Anstieg der Leberwerte ALT und AST hatten. Es handelt sich um Enzyme, die beim Untergang von Leberzellen ins Blut geschwemmt werden. ALT und AST sind deshalb Marker für einen Zelluntergang. Die Leber ist bekannt dafür, dass sie geschädigte Zellen eliminiert und durch gesunde ersetzt. 

Die Elimination erfolgt durch Apoptose. Es handelt sich um einen Selbstzerstörungs­mechanismus. Er wird auch aktiviert, wenn Zellen ein auffälliges Verhalten zeigen und sich den Regeln des Gewebeverbandes nicht mehr unterordnen. Dadurch sollten eigentlich Krebserkrankung vermieden werden.

Die Regeneration erfolgt durch Zellteilung gesunder Zellen. Jede Zellteilung birgt jedoch Gefahren. Bei der notwendigen Verdopplung der DNA kommt es zu Kopierfehlern, die schnell zum Ausgangspunkt für eine Krebserkrankung werden können. 

Bei chronischen Lebererkrankungen, bei denen etwa aufgrund einer Virusinfektion ständig Zellen erneuert werden, kann der Selbstschutzmechanismus überfordert sein. Die Forscher konnten dies bei verschiedenen Mausmodellen zeigen.

Sie fanden auch heraus, dass das Enzym Caspase 8 in der Pathogenese von Leberkrebs eine zweischneidige Rolle spielt. Einerseits ist es ein wichtiger Regulator für die Apoptose, die den Organismus vor Krebs schützt, indem sie verdächtige Zellen vernichtet. Ohne Caspase 8 kommt es nicht zur Apoptose, was ein erhöhtes Krebsrisiko zur Folge hat. Andererseits scheint Caspase 8 daran beteiligt zu sein, Schäden an der DNA zu erkennen und deren Reparatur einzuleiten. Ein Mangel ist an dieser Stelle ein gutes Zeichen, da es die Neigung zur Krebsentwicklung vermindert.

Die Autoren vergleichen die Situation mit dem Kolorektalkarzinom, wo ein Defekt der DNA-Mismatch-Reparatur zu Kopierfehlern und damit zum Krebswachstum führt. Andererseits führt dies zu hypermutierten Tumoren, die aufgrund der Instabilität der Zellen eine bessere Prognose haben als Tumore ohne Defekt der DNA-Mismatch-Reparatur. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

28. Mai 2018
Bethesda/Maryland – Ein internationales Forscherteam hat eine überraschende Verbindung zwischen Darmbakterien und dem Krebswachstum in der Leber entdeckt. Nach den in Science (2018; 360: eaan5931)
Studie: Darmbakterien beeinflussen Tumorabwehr in der Leber
22. Dezember 2017
Hamburg – Erste Geräte sind in Klinken bereits im Einsatz, die sich in die Kategorie künstliche Intelligenz (KI) einordnen lassen. Dazu zählt ein KI-System, das die Radiotherapie von Lebertumoren
„Unter vielen ärztlichen Kollegen gibt es skeptische Stimmen und fehlendes Vertrauen“
26. Oktober 2017
Singapur – Aristolochiasäuren in chinesischen Heilkräutern, die trotz Verbots in vielen Ländern im Internet gehandelt werden, sind möglicherweise in Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern eine
Aristolochiasäuren in Naturheilmitteln häufige Ursache von Leberkrebs in Asien
4. August 2017
Köln – Die Lebertransplantation ist der Goldstandard für die Therapie des frühen hepatozellulären Karzinoms. Aufgrund des Spendermangels kann diese Option jedoch nur eingeschränkt angeboten werden.
Leberzellkarzinom: Resektion vor Transplantation einsetzen
2. Mai 2017
Silver Spring – Die US-Arzneibehörde FDA hat den Kinase-Inhibitor Regorafenib zur Zweitlinien-Behandlung des hepatozellulären Karzinoms (HCC) zugelassen. Es ist der erste neue Wirkstoff zur Behandlung
USA: Regorafenib bei Leberkrebs zugelassen
27. März 2017
Regensburg – Die Irreversible Elektroporation (IRE) eröffnet konservativ nicht mehr therapierbaren Leberkrebspatienten eine neue Option. Das Institut für Röntgendiagnostik des Universitätsklinikums
Irreversible Elektroporation: Option für nicht mehr therapierbare Leberkrebspatienten
24. Januar 2017
Boston – US-Forscher haben einen Test entwickelt, der im Blut zirkulierende Krebszellen anhand der in ihnen enthaltenen RNA erkennt. Ein erstes Einsatzgebiet könnte laut einer Studie in den
VG Wort
NEWSLETTER