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Politik

Mecklenburg-Vor­pommern will präventiven Kinderschutz verstärken

Mittwoch, 13. September 2017

/bramgino, stock.adobe.com

Schwerin – Mit leicht zugänglichen Beratungs- und Hilfsangeboten für Familien will Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) den Kinderschutz in Mecklenburg-Vorpommern weiter stärken. Das im Vorjahr beschlossene Landesprogramm führe erfolgreiche Maßnahmen wie die Kinderschutzhotline, das Erinnerungssystem für Früherkennungs­untersuchungen oder das Angebot von Familienhebammen fort. Zudem solle nun der präventive Kinderschutz stärker in den Fokus gerückt werden, kündigte Drese an.

Impulse und erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema erhoffe sie sich von der landesweiten Aktionswoche „Gemeinsam für das Wohl unserer Kinder“, die am Freitag beginnt. Den Auftakt bildet die Kinder- und Jugendschutzkonferenz in Schwerin, zu der laut Drese fast 400 Teilnehmer erwartet werden. Dabei handele es sich vorwiegend um Mitarbeiter der Jugendämter.

Es geht auch um funktionierende Informationsketten

Die Aktionswoche solle aber auch genutzt werden, um das Netz der ehrenamtlichen Helfer etwa in Sportvereinen oder Jugendeinrichtungen enger zu knüpfen. „Es geht um ein Höchstmaß an Prävention und um funktionierende Informationsketten, sollte es Anhaltspunkte dafür geben, dass das Wohl eines Kindes in Gefahr ist“, sagte Drese.

Zudem solle durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Hemmschwelle für betroffene Familien gesenkt werden, Hilfsangebote anzunehmen. Erste Kontakte würden auch durch die Familienhebammen hergestellt. „Kinder- und Jugendhilfe ist nicht nur eine Kriseninterventionsstelle. Sie ist in erster Linie auch Förderer und Unterstützer für junge Menschen und Familien“, betonte die Ministerin.

Der Landesgeschäftsführer des Kinderschutzbundes, Carsten Spieß, konstatierte eine erhebliche Verbesserung in der professionellen Kinderschutzarbeit. Die Behörden und auch der Gesetzgeber hätten die richtigen Lehren aus tragischen Fällen mit vernach­lässigten oder misshandelten Kinder gezogen. Mehr Unterstützung mahnte er aber für die ehrenamtlich tätigen Helfer an, etwa in Form gezielter Schulungen. Damit solle unter anderem sichergestellt werden, dass in Verdachtsfällen rasch und auch angemessen reagiert wird.

Laut Sozialministerium werden in Mecklenburg-Vorpommern pro Jahr etwa 1.000 Kinder vorsorglich und meist befristet aus ihrem Familienumfeld herausgenommen, weil es Hinweise auf Gefährdung des Kindeswohls gibt. Die Zahl der Verdachtsfälle liegt drei bis vier Mal höher.

Kinderschutz müsse allumfassend in allen gesellschaftlichen Bereichen sichergestellt werden, forderte Jacqueline Bernhardt von der Linksfraktion. Dazu gelte es, Eltern, im Ehrenamt Tätige, pädagogisches und Gesundheitspersonal regelmäßig zu schulen und immer wieder zu sensibilisieren. Zur Stärkung der Jugend- und Schulsozialarbeit müsse auch endlich eine Novellierung des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes erfolgen, betonte Bernhard.

© dpa/aerzteblatt.de

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