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Politik

HIV-Medikament für Prä-Expositions­prophylaxe wird erschwinglicher

Mittwoch, 13. September 2017

/dpa

Berlin – Die HIV-Vorbeugung mit einem Medikament soll für Menschen mit hohem Infektionsrisiko leichter zugänglich werden. In einem Pilotprojekt ist eine Kosten­senkung von bislang mehreren Hundert Euro auf 50 Euro monatlich vorgesehen, wie mehrere Organisationen berichten. Die Deutsche Aidsgesellschaft fordert unterdessen, dass die Kassen das Screening auf HIV übernehmen.

Die Kosten für die im vergangenen Jahr in der EU zugelassene Prä-Expositionspro­phylaxe, kurz PrEP, werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Der GKV-Spitzenverband hatte dem Deutschen Ärzteblatt bereits im Dezember 2016 erklärt, dass man als Prävention keine Rechtsgrundlage für eine Kostenübernahme durch die GKV sehe. „Um das Infektionsrisiko zu senken, sind an­de­re Schutzmaßnahmen, insbeson­dere die Verwendung von Kondomen, verfügbar, die der Eigenverantwortung für eine gesundheitsbewusste Lebensführung zuzurechnen sind“, betonte damals ein Sprecher.

Großer Fortschritt

Die Kassen wiesen darauf hin, dass der Gesetzgeber Arzneimittel, bei deren Anwen­dung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht – wie etwa der Behand­lung erek­tiler Dysfunktionen oder der Steigerung der sexuellen Potenz – von der Versor­gung ausgeschlossen habe.

Die Zielgruppe für das Medikament gilt als klein – vorrangig geht es um Männer, die Sex mit häufig wechselnden Partnern haben, auch unter Drogeneinfluss und ohne Kondom. 2016 gab es in Deutschland etwa 3.400 HIV-Neudiagnosen. Bislang besorgten Interessierte sich das Mittel aus dem Ausland oder über das Internet. Allerdings gilt eine umfassende Begleitung und Beratung von Ärzten bei der HIV-Prävention als maßgeblich.

Ärzte regen Monitoring an

Die Deutsche Aids Gesellschaft lobte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes die Initiative, betonte aber die Bedeutung regelmäßige Monitoringuntersuchungen. „PrEP ist ein Gesamtkonzept, die Pillen allein reichen nicht aus“, sagte die Sekretärin für Öffentlichkeitsarbeit der medizinischen Fachgesellschaft, Annette Haberl. Zu dem Monitoring gehörten regelmäßige HIV-Tests und Untersuchungen auf andere sexuelle übertragbare Erkrankungen wie Hepatitis C, Lues, Gonorrhoe und Clamydieninfek­tionen. Diese Tests sollten mindestens alle drei Monate stattfinden. Bislang ist das Monitoring eine Privatleistung. Die Deutsche Aids Gesellschaft rät, diese regelmäßigen Untersuchungen zur Kassenleistung zu machen.

„PrEP sollte als ein ergänzendes Präventions-Angebot für bestimmte Menschen mit hohem Risiko für eine HIV-Infektion in Deutschland verfügbar sein, dafür wird nun erfreulicherweise ein legaler Bezugsweg eröffnet“, sagte auch Christoph Stephan von der „Sektion HIV-Medizin" der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Den Menschen, die PrEP einnehmen, müsse der Zugang zu medizinischen Untersuchungen und Schulung angeboten werden, um der weiteren Ausbreitung von unter anderem Syphilis, Chlamydieninfektionen und Hepatitis Einhalt zu gebieten. PrEP dürfe außerdem nicht regelmäßige HIV-Tests ersetzen, die für alle Menschen mit Risiko niedrigschwellig zugängig sein sollten, so Stephan.

Zu dem günstigeren Preis wollen an dem Projekt beteiligte Apotheken in Großstädten wie Berlin, Köln und München ein seit einigen Wochen in Deutschland erhältliches Generikum des Medikaments Truvada abgeben, wie ein Kölner Apotheker laut Deutscher Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (Dagnä) kürzlich auf einer Versammlung in Köln ankündigte.

Möglich wird das, weil der Hersteller Hexal das Medikament „als besonderes Engagement“ zu einem günstigen Preis an eine Kölner Firma abgibt, die es nur individuell und nach Verordnung verpacke, wie eine Hexal-Sprecherin erklärte. „Die beteiligten Apotheken verpflichten sich, innerhalb des Projektes definierte Aufklärungs- und Beratungstätigkeiten gegenüber Anwendern zu übernehmen.“ Mit der Zulassung von Truvada 2016 gehen Vorschriften zur Aufklärung über die Einnahme der PrEP einher.

„Unsere Zahlen zeigen, dass die PrEP nicht nur sinnvoll, sondern sogar kostensparend ist“, sagte Dagnä-Vorstand Knud Schewe. Demnach könnten bis 2030 etwa 9.000 HIV-Infektionen verhindert werden. Im Vergleich zu den Kosten einer lebenslangen HIV-Therapie sei die PrEP sogar zu den aktuellen Preisen kosteneffizient.

Durchbruch, aber immer noch nicht überall verfügbar

Die Deutsche Aids-Hilfe wertet das Projekt zwar als „Durchbruch“, schränkt aber ein, dass die PrEP auch damit nicht überall verfügbar werde und selbst die 50 Euro nicht für alle bezahlbar seien. „Wir brauchen einen flächendeckenden, über die Krankenkassen finanzierten Zugang zur HIV-Prophylaxe“, forderte Vorstand Ulf Hentschke-Kristal.

Für die Therapie bereits HIV-Infizierter ist das Medikament schon seit Jahren zugelassen – neu ist die präventive Anwendung. Es enthält Wirkstoffe, die die Virusvermehrung in den Zellen hemmen. Das Mittel hat auch Nebenwirkungen, wie Magen-Darm-Probleme, Übelkeit und Müdigkeit. Bei langer Einnahmedauer kann sich die Nierenfunktion verschlechtern und die Knochendichte verringern. © dpa/hil/aerzteblatt.de

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