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Ausland

Kliniken müssen wegen Sicherheitslage in Afghanistan schließen

Mittwoch, 13. September 2017

Kabul/Masar-i-Scharif – Angesichts der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan haben seit Jahresbeginn landesweit 164 Kliniken schließen müssen. Für drei Millionen Menschen wurde dadurch der Zugang zu medizinischer Versorgung in dem Land erheblich erschwert, wie aus einem heute vorgestellten Bericht der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hervorgeht. 24 weitere Einrichtungen seien entweder attackiert oder zerstört worden.

„Wir haben vor Kurzem begonnen, mehr Daten über Angriffe auf Gesundheitszentren zu sammeln, und die Ergebnisse sind alarmierend“, sagte der WHO-Koordinator für Kliniken in Afghanistan, David Lai. Demnach nahmen zuletzt die Angriffe auf medizinische Zentren landesweit zu. Noch vor 2015 hätten sie sich meist auf Provinzen im Süden und Osten wie Kandahar oder Nangarhar beschränkt.

IKRK schließt Orthopädie-Zentrum

Erst gestern hatte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitgeteilt, sein Orthopädie-Zentrum in Masar i-Scharif in der nördlichen Provinz Balch nach einem tödlichen Anschlag schließen zu wollen. Ein Patient hatte dort eine spanische Mitarbeiterin des Roten Kreuzes aus zunächst unbekannten Gründen erschossen.

Die Polizei nahm bereits vorgestern nach dem Zwischenfall zwei 21 und 30 Jahre alte Verdächtige fest, die beide Patienten waren und körperlich behindert sind. Das Orthopädie-Zentrum war die einzige verbliebene Anlaufstelle des IKRK für Kriegsversehrte im Norden Afghanistans. Nach dem Mord an sechs Mitarbeitern im Februar in der nördlich gelegenen Stadt Dschausdschan hatte die Organisation die meisten ihrer Behandlungszentren im Land vorübergehend stillgelegt.

Die Schließung des Orthopädie-Zentrums in Masar-i-Scharif dürfte den Mangel an medizinischer Versorgung für die immer zahlreicheren Opfer des anhaltenden Kriegs verschärfen. In diesem und anderen Zentren im Land wurden künstliche Arme und Beine sowie andere Prothesen hergestellt.

In Afghanistan kämpfen die radikalislamischen Taliban gegen die Regierung und verüben seit Ende 2014 verstärkt Anschläge. Die Taliban hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle. © dpa/aerzteblatt.de

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