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Politik

Atemwegserkrankungen für mehr als jeden zehnten Sterbefall verantwortlich

Mittwoch, 13. September 2017

/psdesign1, stock.adobe.com

Berlin – Erkrankungen der Atemwege und der Lunge bleiben trotz therapeutischer Fortschritte eine wichtige Ursachen von Krankheitslast und Sterblichkeit in Deutschland. Das geht aus der neuen Ausgabe des Journal of Health Monitoring des Robert Koch-Institutes (RKI) hervor. In der Ausgabe hat das RKI die jeweils aktuellsten Zahlen zusammengetragen.

„Grippe und akute Atemwegsinfektionen, Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) sind sehr häufige Krankheiten mit hoher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung, COPD ist zudem eine der wichtigsten Todesursachen in Deutschland und weltweit“, kommentierte Lothar Wieler, Präsident des RKI, die Zahlen. 

Laut Report gingen in Deutschland 2015 12,3 Prozent der gesamten Sterbefälle auf respiratorische Erkrankungen zurück. Die direkt durch die Behandlung respiratorischer Erkrankungen verursachten Kosten belaufen sich auf rund 14,7 Milliarden Euro. Bei dieser Angabe stützt sich das RKI jedoch auf Zahlen aus dem Jahr 2008.

Erkrankungen des Atmungssystems stellten 2016 mit Muskel-Skelett- und Binde­gewebserkrankungen die häufigsten Behandlungsanlässe in ambulanten Arztpraxen dar und gehörten zudem zu den wichtigsten Ursachen von Arbeitsunfähigkeit. Neben akuten Atemwegsinfektionen tragen vor allem Lungenkrebs, COPD und Asthma bronchiale zur Morbidität und Sterblichkeit bei.

Akute Erkrankungen

Die Häufigkeit der akuten respiratorischen Erkrankungen schwankt naturgemäß sehr stark. Die Neuerkrankungsraten unterscheiden sich laut RKI deutlich nach Alter, Jahreszeit und Jahr. Je nach Woche und Jahreszeit suchten bis zu 2,6 Prozent der Bevölkerung wegen einer akuten Atemwegserkrankung eine hausärztliche oder kinderärztliche Praxis auf.

Dabei wurden ganzjährig große Unterschiede zwischen den Altersgruppen ermittelt, wohingegen geschlechtsspezifische Unterschiede kaum eine Rolle spielten. In der Altersgruppe der 0- bis 4-Jährigen wurden zwischen 1,5 Prozent und 9,4 Prozent der Kleinkinder pro Woche einem Kinderarzt vorgestellt. 

Auch die Mortalität unterliegt saisonalen und jährlichen Schwankungen. Sie wird laut RKI mit jährlich mehr als 17.000 Todesfällen über die amtliche Todesursachenstatistik aber nur unzureichend erfasst, da häufig ein vorbestehendes chronisches Grundleiden anstelle der akuten Infektion als zum Tode führende Ursache kodiert werde.

Lungenkrebs, COPD und Asthma

2013 erkrankten in Deutschland 18.810 Frauen und 34.693 Männer an Lungenkrebs. Das mittlere Erkrankungsalter lag etwa bei 69 Jahren. Daten der amtlichen Todesur­sachen­statistik von 1998 bis 2015 zeigten, dass die Sterberaten für Lungenkrebs und COPD bei Männern im Mittel um 1,8 beziehungsweise 1,1 Prozent pro Jahr sanken, während sie bei Frauen um 2,5 beziehungsweise 2,3 Prozent anstiegen.

Dennoch starben 2015 immer noch mehr Männer als Frauen an Lungenkrebs (29.378 versus 15.881) ebenso wie an COPD (17.300 versus 13.773). Die Sterberaten für Asthma bronchiale sind dem RKI zufolge im gleichen Zeitraum pro Jahr um durchschnittlich 8,3 Prozent bei Frauen und 11,2 Prozent bei Männern gesunken und dabei zuletzt auf 659 Todesfälle bei Frauen und 393 bei Männern zurückgegangen.

„Eine kontinuierliche Überwachung von Krankheitshäufigkeiten und Sterberaten ist eine unerlässliche Voraussetzung für den Gesundheitsschutz“, betonte Wieler bei Erscheinen der Publikation. Zum Beispiel seien im Augenblick keine Daten für die Neuerkrankungsraten bei COPD und Asthma in Deutschland verfügbar. „Ausbau und Verstetigung von koordinierten Surveillance-Aktivitäten zu respiratorischen Krank­heiten im Rahmen internationaler Aktionspläne zur Krankheitsprävention sind notwendig“, hieß es aus dem RKI. © hil/aerzteblatt.de

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