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Politik

Bedürfnisse älterer Menschen müssen im DRG-System abgebildet werden

Donnerstag, 14. September 2017

Hannover – Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) will sich dafür einsetzen, dass künftig die Bedürfnisse älterer und multimorbider Patienten besser im DRG-System berücksichtigt werden. Das erklärte der DEKV-Vorsitzende Christoph Radbruch gestern auf der Jahrestagung des Verbandes in Hannover, auf der mehr als 200 Geschäftsführer und Mitarbeiter evangelischer Krankenhäuser zusammenkamen.

Radbruch betonte, dass evangelische Krankenhäuser bei der Patientenversorgung ein besonderes Qualitätsverständnis auszeichne. „Sie sehen nicht nur Zahlen, sondern nehmen den Patienten als Menschen wahr und betrachten auch seine Lebensqualität vor und nach der Behandlung.“ Insbesondere bei älteren und multimorbiden Patienten sei diese Herangehensweise wichtig.

Bedarf an pflegeorientierter Medizin wird steigen

„Durch die deutliche Zunahme älterer Patienten in Krankenhäusern wird der Bedarf an einer stärker zuwendungs- und pflegeorientierten Medizin weiter steigen“, sagte auch Niedersachsens Ge­sund­heits­mi­nis­terin Cornelia Rundt (SPD) auf der Tagung. „Wir alle wissen, dass diese Form der Medizin nicht immer vereinbar ist mit der zunehmenden Öko­nomi­sierung der Versorgung.“

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Den großen Vorteil kirchlicher Krankenhäuser sah sie in der Tatsache, dass dort keine Renditeerwartungen privater Konzerne erfüllt werden müssten. „Auch kirchliche Krankenhäuser müssen im Kostenwettbewerb bestehen, aber die zuwendungs­orientierte Medizin hat hier einen ganz anderen Stellenwert und ist fest im Leitbild verankert. Kirchliche Krankenhäuser mit ihrer christlichen Werteorientierung stellen den Menschen ins Zentrum ihrer Arbeit. Davon profitieren sowohl die Patienten als auch die Mitarbeiter“, meinte Rundt.

Krankenhausträger werden ungleich behandelt

Der DEKV-Vorsitzende Radbruch kritisierte, dass die Krankenhausträger in Deutschland ungleich behandelt würden. „Im Gegensatz zu kommunalen Kliniken werden konfessio­nelle Häuser, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, nicht mit öffentlichen Mitteln aufgefangen“, sagte er. „Damit haben kommunale Häuser einen nicht leistungs­bezoge­nen Wettbewerbsvorteil, der die Kräfteverhältnisse in der Krankenhauslandschaft verzerrt.“

Damit spielte Radbruch auf das Urteil des Bundesgerichtshofs an, demzufolge kommu­nale Krankenhäuser eine Sonderstellung innerhalb der stationären Krankenversorgung einnähmen und es insofern rechtens sei, wenn die Kommunen Verluste ihrer Kranken­häuser aus öffentlichen Mitteln ausglichen.

Der neue Schatzmeister des DEKV, Holger Stiller, rief die Politik auf, für eine ausrei­chende Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser in Deutschland zu sorgen. Hier müssten Bund und Länder stärker zusammenarbeiten, um eine gemeinsame und langfristige Lösung zu finden. „Die Investitionsfinanzierung muss endlich auf ein sicheres Fundament gestellt werden, damit die Kliniken in der Lage sind, ihre Patien­ten bestmöglich zu versorgen“, forderte Stiller.

Melanie Kanzler als neue Verbandsdirektorin eingeführt

Auf der Jahrestagung haben die Mitglieder des DEKV in diesem Jahr ihren Vorstand neu gewählt. Dabei wurden sowohl Christoph Radbruch als Vorsitzender als auch Andrea Trenner, Ordensoberin des Johanniterordens in Berlin, als stellvertretende Vorsitzende in ihren Ämtern bestätigt. Im Amt der Verbandsdirektorin folgte die Politologin Melanie Kanzler dem bisherigen Verbandsdirektor Norbert Groß. © fos/aerzteblatt.de

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