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Medizin

Menopause: Sterberisiko nach Women's Health Initiative langfristig nicht erhöht

Mittwoch, 13. September 2017

Sven Bhren - stock.adobe.com

Boston – Der Anstieg von Brustkrebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der 2002 und 2004 den vorzeitigen Abbruch der beiden randomisierten Studien der Women's Health Initiative (WHI) zur Östrogen-Substitution in der Postmenopause veranlasste, hat langfristig nicht das Sterberisiko der Teilnehmerinnen erhöht. Dies kam in einer aktuellen Auswertung der Nachbeobachtungsstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 927-938) heraus.

Die Ergebnisse der WHI hatten Anfang des Jahrtausends zum Ende der „Hormon­ersatztherapie“ geführt. Zuvor war Frauen nach den Wechseljahren versprochen worden, dass die dauerhafte Einnahme von Östrogenen sie im Alter vor einer Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen könne. In der WHI kam konjugiertes Pferdeöstrogen CEE) zum Einsatz. Die Kombination mit einem Gestagen (MPA) sollte Erkrankungen am Endometriumkarzinom  verhindern. Eine alleinige Östrogen-Behandlung („CEE alone“) wurde nur hysterektomierten Frauen angeboten.

Die Erwartungen erfüllten sich bekanntlich nicht. Die „CEE plus MPA“-Studie musste 2002 nach 5,6 Jahren vorzeitig gestoppt werden, weil es zu einem Anstieg von Brustkrebserkrankungen, Thromboembolien, Herzinfarkten und Schlaganfällen gekommen war. Zwei Jahre später wurde nach 7,2 Jahren Laufzeit auch die „CEE alone“-Studie gestoppt. Dort war es zwar zu keinem Anstieg von Brustkrebs und Herzinfarkten gekommen, die Zahl der Schlaganfälle war jedoch erhöht. 

Die Nachteile in beiden Studien überwogen einem Nutzen, der sich aus einer geringeren Rate von osteoporotischen Knochenbrüchen ergeben könnte. In der Folge revidierten die Fachgesellschaften ihre Empfehlungen. Von einer zeitlich unbegrenzten „Hormonersatztherapie“ in der Menopause, die in den 1960er Jahren euphorisch als „Jungbrunnen“ beworben wurde, weil sie Frauen ihre „Weiblichkeit“ bis ins hohe Alter erhalte, indem sie die Folgen der Menopause behebt, wird heute abgeraten. 

Die 27.347 Teilnehmerinnen der WHI werden seit dem Abbruch der beiden rando­misierten Studien in einer Anschlussstudie weiter beobachtet, um die langfristigen Folgen der Hormontherapie über 5,6 beziehungsweise 7,2 Jahre zu beurteilen. 

JoAnn Manson vom Brigham and Women's Hospital in Boston und Mitarbeiter haben jetzt die Auswirkungen auf das Sterberisiko untersucht. Seit dem Beginn der Studie vor 18 Jahren sind 7.489 Frauen gestorben: 1.088 Todesfälle ereigneten sich bereits in der Interventionsphase und 6.401 Todesfälle danach. Die Gesamtmortalität betrug unter der Hormonersatztherapie 27,1 Prozent gegenüber 27,6 Prozent in der Placebogruppe. Manson ermittelte eine Hazard Ratio von 0,99 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,94 bis 1,03.

Damit hatte die vorübergehende Einnahme der Hormonpräparate keine positiven, aber auch keine negativen Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Dies gilt sowohl für die kardiovaskuläre Sterblichkeit (Hazard Ratio 1,00; 0,92-1,08) als auch für Todesfälle an Krebserkrankungen (Hazard 1,03; 0,95-1,12).

Unter der Oberfläche der Gesamtsterblichkeit gab es jedoch interessante Unterschiede: So war die Hormontherapie „CEE plus MPA“ mit einen tendenziellen Anstieg der Todesfälle am Brustkrebs verbunden (Hazard Ratio 1,44; 0,97-2,15), die alleinige Östrogengabe scheint das Risiko zu vermindern (Hazard Ratio 0,55; 0,33-0,92).

Hormontherapie zur langfristigen Krankheitsprävention nicht geeignet

Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die heutige Auffassung, nach der eine Hormontherapie zur langfristigen Krankheitsprävention nicht geeignet ist. Etwas anderes ist die Frage, ob eine vorübergehende Behandlung von klimakterischen Beschwerden sicher ist. 

Hierzu liefert die WHI keine sicheren Informationen, da die Indikation eine andere war, nämlich die Prävention von Osteoporose und Herzinfarkt und nicht die Behandlung von Symptomen. Außerdem lag das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmerinnen bei 63 Jahren, also jenseits der Grenze, in der eine Behandlung klimakterischer Beschwer­den nachgefragt wird. 

Auch die Analysen, die Manson zur Altersgruppe der 50- und 59-Jährigen (etwa ein Drittel der Gesamtgruppe) durchgeführt hat, sollten nach Ansicht der Autorin mit Vorbehalt interpretiert werden: Die jüngeren Frauen hatten während der Interven­tionsphase ein um 29 Prozent vermindertes Sterberisiko (Hazard Ratio 0,69; 0,51-0,94), das sich jedoch in der Folgezeit abschwächte. Nach 18 Jahren war auch für die jüngeren Frauen kein Vorteil mehr erkennbar (Hazard Ratio 0,87; 0,76-1,00). 

Zurückhaltung gegenüber der Hormontherapie abgeschwächt

Manson wertet die Ergebnisse insgesamt als positives Zeichen für Frauen, die in jüngeren Jahren vorübergehend eine Hormonbehandlung klimatischer Beschwerden durchführen möchten. Auch die Fachgesellschaften haben in letzter Zeit ihre Zurückhaltung gegenüber der Hormontherapie abgeschwächt. Die North American Menopause Society bezeichnet die Hormontherapie kürzlich in einer Stellungnahme als die effektivste Behandlung klimakterischer Beschwerden, die im Einzelfall auch über längere Zeit durchgeführt werden sollte. Die Prävention der Osteoporose wird wieder als mögliche Indikation genannt.

Auch für Endokrinologen in Deutschland ist die Hormonbehandlung zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden wieder zu einer Option geworden. Cornelia Jaursch-Hancke, DKD Helios Klinik Wiesbaden, sprach sich auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie für eine Hormontherapie klimak­terischer Beschwerden aus. Die Behandlung sollte jedoch zeitlich begrenzt werden und zum Ende nicht abrupt abgesetzt werden. Eine Hormonersatztherapie nach dem „Gieskannenprinzip“ kommt für die Endokrinologin jedoch nicht infrage. © rme/aerzteblatt.de

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Brech
am Montag, 18. September 2017, 20:53

Hormonersaztherapie

Wenn ich das recht verstanden habe, ist es nach es nach Beendigung der Therapie zu keinem Anstieg von Brustkrebs und Herzinfarkten gekommen, die Zahl der Schlaganfälle war jedoch erhöht. Dann war die Beendigung der Therapie doch vollkommen in Ordnung, oder?
Gabriel1947
am Freitag, 15. September 2017, 09:24

Hormonersatztherapie.

Wie mit vielen Therapieansätzen. Erst hui, dann pfui......bis die nächste Studie mit mehr oder weniger schlechtem oder gutem Design veröffentlicht wird. Deshalb soll man besser nicht zu schnell auf den Zug aufspringen.

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