Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Verhältnisprävention an Schulen und Kitas: BMG will „Projektitis“ beenden

Freitag, 15. September 2017

Viele Schulen und Kitas starten Qualitätsoffensiven für besseres Essen – hier sitzen Kinder einer Kindertageseinrichtung in Leipzig beim Mittagessen (2013). /dpa
Viele Schulen und Kitas starten Qualitätsoffensiven für besseres Essen – hier sitzen Kinder einer Kindertageseinrichtung in Leipzig beim Mittagessen (2013). /dpa

Berlin – Deutschlandweit initiieren Universitäten, Turnverbände, Wandervereine, Krankenkassen, Organisationen und viele mehr Projekte zur Verhältnisprävention an Schulen und Kitas. Das Ziel lautet: Übergewicht verhindern. Im Rahmen eines Ideen­wettbewerbs hat die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) jetzt 37 Praxisbeispiele aus 58 Bewerbungen ausgewählt, die besonders vielversprechend erscheinen.

Die ausgewählten Projekte erfüllen die Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Familien, Kindertagesstätten, Schulen, Wohnquartieren, Kommunen oder Freizeiteinrichtungen. In einer Praxisdatenbank können sich Interessierte passende Initiativen zum Schwerpunkt Ernährung, Bewegung oder Stress heraussuchen.

Ob die Projekte Übergewicht tatsächlich verhindern können, wurde zumindest im Rahmen von Studien noch nicht ausgewertet. „Die Evidenzlage ist sehr dünn. Ob Projekte zur Verhältnisprävention langfristig etwas bringen, können wir nicht sicher sagen – auch wenn einige zuversichtlich stimmen“, äußerte sich Jens Bucksch von der Pädagogischen Hochschule betont zurückhaltend bei der Abschlussveranstaltung des Ideenwettbewerbs diese Woche in Berlin. Meist kämen Studie zu dieser Thematik nicht aus Deutschland. Das müsse sich ändern, wenn man Projekte als festen Bestandteil in Schulen und Kitas integrieren wolle.

Zwei Beispiele für Projeke, die kontrollierte Studien durch­führen sind Trink!Wasser, die seit 2010 eine kostenlose Trinkwasserversorgung in Schulen und Kindertageseinrichtungen in der Stadt Osnabrück und im Landkreis anbietet, und Jolinchen Kids, die eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und seelisches Wohlbefinden im Setting Kita fördert. Trink!Wasser führt eine kontrollierte Evaluation mit mindestens 176 Kin­dern pro Gruppe durch. Dabei wird untersucht, ob sich das Trinkverhalten der Kinder langfristig verändert und in der Interventionsgruppe weniger Übergewicht und Karies auftritt. Ergebnisse werden für Ende 2019 erwartet. Bei Jolinchen Kids führt das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemio­logie im Auftrag der AOK seit Anfang 2016 einen bundesweiten Cluster-Controlled Trail in rund 30 Inter­ventionskitas und 30 vergleichbaren Wartekontrollkitas durch. Zu mehreren Messzeitpunkten werden Gesundheitsparameter wie etwa Gewicht, motorische Fähigkeiten, Ernährungs- und Bewegungsverhalten und seelisches Wohlbefinden der Kinder erfasst. Die Ergebnisse der Evaluation erwartet die AOK etwa im zweiten Quartal 2018.

Bei der Abschlussveranstaltung des Ideenwettbewerbs zeigte sich deutlich, dass in einem nächsten Schritt auch die Politik gefragt ist, mehr Verantwortung zu über­nehmen. Maria Becker, Leiterin der Unterabteilug Prävention im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) will wegkommen von der „Projektitis“, die sie auf die instabile Finanzierung zurückführt: „Die Bandbreite der Projekte finde ich toll. Jetzt gilt es, aus den vielen Ideen die Teile zu identifizieren, die wir je nach Bedarf ähnlich einem Bau­kasten zusammensetzen können.“ Zusammen mit der GVG will Becker basierend auf der Praxisdatenbank ein solches Baukastensystem entwickeln. © gie/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

06.12.17
Projekt untersucht seelische Gesundheit von Beschäftigen in Krankenhäusern
Ulm – Einer neuer Forschungsverbund „Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz Krankenhaus“ (SEEGEN) will untersuchen, wie sich die seelische Gesundheit von Beschäftigen in Krankenhäusern präventiv stärken......
29.11.17
Kassen verfehlen Präventionsvorgaben
Berlin – Fast 500 Millionen Euro haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr für Gesund­heits­förder­ung und Prävention ausgegeben. Das geht aus dem neuen Präventionsbericht 2017 hervor. Pro Versichertem......
23.11.17
EU-Kommission fordert mehr Investitionen in Gesundheits­prävention
Brüssel – Die EU-Kommission fordert mehr Investitionen in die Prävention von Krankheiten. „Dass wir nur drei Prozent unserer Gesundheitsbudgets für Prävention ausgeben, im Vergleich zu 80 Prozent für......
17.11.17
Erstklässler fitter als gedacht
München – Übergewicht bei Kindern wird oft auf zu wenig Bewegung zurückgeführt. Zumindest im Raum Baden-Baden konnten Forscher der Technischen Universität München (TUM) Erstklässlern jedoch in den......
17.11.17
Fachgesellschaft fordert Leberscreening beim Check-up 35
Berlin – Die Bestimmung der Leberwerte in den sogenannten Check-up 35 aufzunehmen, fordert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). „Die Leber......
17.11.17
Männer vernachlässigen ihre Gesundheit
Berlin – In Sachen Männergesundheit gibt es noch viel zu tun: Die Jugendvorsorgeuntersuchung J1 nimmt nur knapp die Hälfte der 12- bis 14-jährigen Jungen und Mädchen wahr, die J2 wird nicht einmal von......
17.11.17
Prävention am Arbeitsplatz: Arbeitnehmer wollen mehr laufen statt sitzen
Köln/Würzburg – In vielen Jobs verbringen Arbeitnehmer die meiste Zeit im Sitzen. Die Zeit am Schreibtisch würden sie dabei am liebsten um etwa ein Drittel (1,4 Stunden) reduzieren. Fast 50 Minuten......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige