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Patientensicherheit: Neuer Ratgeber hilft Patienten, Fehler anzusprechen

Donnerstag, 14. September 2017

Krisenkommunikation kann man lernen, auch als Patient. /Minerva Studio, stock.adobe.com

Berlin – Nachdem das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) Empfehlungen für Ärzte zu Gesprächen mit Patienten und Angehörigen in einer Broschüre veröffentlicht hat, erscheint heute ein Ratgeber für Patienten. Mit der neuen Broschüre „Reden ist der beste Weg“ will das APS Patienten ermutigen, öfter nachzuhaken und Fehler bei Verdacht gegenüber dem Arzt anzusprechen.

Nach Meinung des APS sollten die Patienten der Taktgeber für mehr Patienten­sicherheit sein. „Patienten dürfen nicht alles hinnehmen. Sie sollten medizinisches Personal hinterfragen und bei Verständnisproblemen nachfragen“, sagte Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des APS bei der heutigen Pressekonferenz in Berlin. In der Broschüre erfahren Patienten und Angehörige, welche Rechte sie haben, finden Gesprächsanregungen bei Zwischenfällen und Behandlungsfehlern und Adressen zur Beratung.

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In erster Linie verursache mangelhafte Kommunikation im Gesundheitswesen Behand­lungsfehler. Bisher gibt es nur Schätzungen zu den Fallzahlen: Eine globale Studie der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) berichtete 2013 im BMJ Quality and Safety, dass sich im Gesundheitswesen weltweit etwa 43 Millionen Schadensfälle pro Jahr ereignen mit etwa 121 Milliarden Euro vermeidbaren Kosten. Etwa zwei Drittel aller uner­wünsch­ten Ereignisse basieren auf menschlichen Fehlern, die vermeidbar wären. „Davon sind zwischen 25 und 80 Prozent auf schlechte Kommunikation zurückzu­führen“, erläutert Annegret F. Hannawa von der Universität Lugano statistische Hochrechnungen aus dem Jahr 2010.

BMG und G-BA übernehmen Verantwortung

Aus Sicht von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe wurden wichtige Schritte für eine bessere Patientensicherheit bereits unternommen. Dazu zählen das Hygiene­förderprogramm für Krankenhäuser, der Anspruch auf eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung und die Einführung eines Medikationsplans.

„Darüber hinaus brauchen wir eine bessere Verständigung aller an der Patienten­versorgung Beteiligten, den Patienten und ihren Angehörigen“, teilte Gröhe mit, der auch Schirmherr des APS ist. Um das Gesundheitswissen in der Bevölkerung weiter zu verbessern, hat das Bundes­ministerium für Gesundheit das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit damit beauftragt, bis 2018 ein Konzept für ein Nationales Gesundheitsportal zu erarbeiten. Das Portal soll vertrauenswürdige, wissenschaftlich belegte und unabhängige Gesund­heitsinformationen zusammenführen.

Auch der Gemeinsame Bundes­aus­schuss sieht sich in der Verantwortung und nennt Beispiele, wie er zu einer Verbesserung beitragen kann: Beispiele seien einrichtungs­übergreifenden Fehlermeldesysteme in Krankenhäusern, Entscheidungshilfen für Patienten und Versicherte oder Informationen über die Ausstattung und die Leistungen eines Krankenhauses, teilten der unparteiische Vorsitzende des G-BA Josef Hecken und Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des G-BA und Mitglied im Kuratorium des APS, mit. Gerade für die Qualitätsberichte der Krankenhäuser gelte, dass diese Informationen nicht nur für Experten, sondern auch für Patienten und Angehörige verständlich und nutzbar sein müssen. „Diese Aufgabe steht auf unserer Agenda weit oben.“

Patientensicherheit ist nur in zwei Gesundheitberufen Bestandteil der Ausbildung

Kein Bestandteil

  • Altenpfleger/in    
  • Apotheker/in (Pharmazie)  
  • Arzt/Ärztin (Humanmedizin)    
  • Gesundheits- und Krankenpfleger/in
  • Hebamme/Entbindungspfleger    
  • Medizinische/r Fachangestellte/r  
  • Notfallsanitäter/in    
  • Physiotherapeutin    
  • Zahnarzt/Zahnärztin (Zahnmedizin) 

Bestandteil

  • Anästhesietechnische/r Assistent/in
  • Operationstechnische/r Assistent/in

Quelle: Rechereche Ergebnisse APS: „Patientensicherheit und verwandte Themen in den Ausbildungs- und Approbationsordnungen der Gesundheitsberufe“, August 2016

Ausbildung verbessern

Nachholbedarf sieht das APS zudem in der Ausbildung von Gesundheitsberufen. „Erst letztes Jahr haben wir 13 Medizin­fachberufe untersucht. Patientensicher­heit war nur bei zwei dieser Berufe Thema der Ausbildungs- oder Approba­tionsordnungen: den Operationstech­ni­schen Assistenten und den Anästhesie­technischen Assistenten“, berichtete François-Kettner (siehe Kasten). Das Aktionsbündnis hat daher einen Lern­ziele­katalog aufgestellt. Gröhe erklärte, dass das Bundesgesundheits­ministerium hier bereits tätig geworden ist: Im Rahmen des Nationalen Krebs­plans wurde ein Musterlehrplan „Kommu­nikation in der Medizin“ gefördert, der Studierende über den gesamten Verlauf des Medizinstudiums vermittelt, Wissen zur Diagnose und Therapie verständlich zu erklären. Ein entsprechender Musterlehrplan für die Pflege sei derzeit in Arbeit.

Mit dieser Mahnung ruft das Aktions­bündnis Patientensicherheit zum dritten Internationalen Tag der Patientensicherheit am 17. September 2017 auf. Der Aktionstag findet unter dem Motto: „Wenn Schweigen gefährlich ist – Kommunikation im Gesundheitswesen“ statt. Bundesgesund­heits­minister Gröhe machte sich bereits im März 2017 beim „Global Ministerial Summit on Patient Safety“ dafür stark, den 17. September in die Liste der internationalen Aktions­tage der Vereinten Nationen (UN) und der WHO aufzunehmen und hat bereits zahl­reiche Länder für die Unterstützung dieses Vorschlages gewonnen.

© gie/aerzteblatt.de

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