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Experten sehen Therapiedefizit bei Patienten mit Essstörungen

Donnerstag, 14. September 2017

Leipzig – Patienten mit Essstörungen erhalten nach Expertenmeinung zu wenig therapeutische Hilfe. Bei der Binge-Eating-Störung etwa, den Essanfällen, bestehe noch ein erhebliches Defizit in Deutschland, sagte Anja Hilbert vom Adipositas-Forschungszentrum der Universität Leipzig anlässlich eines internationalen Kongresses. Nur etwa 40 Prozent der betroffenen Erwachsenen erhielten eine ausreichenden Therapie.

„Patienten mit der Binge-Eating-Störung essen meist heimlich immense Mengen und nehmen dadurch stark zu“, sagte die Expertin. „Dabei ist die Kapazität zur Behandlung durchaus vorhanden“, sagte Hilbert. Es gebe eine Vielzahl gut ausgebildeter Therapeuten. Sie hätten jedoch zum Teil zu wenig Informationen über diese Krankheit.

Gene können eine Rolle spielen

Aufgabe der Wissenschaft sei es daher, neue Erkenntnisse schnell an die Praxis weiterzugeben, etwa  mit Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Auch das Internet biete nunmehr therapeutische Maßnahmen an. So gebe es Programme, die wissenschaftlich fundiert den Patienten online individuell Hilfe leisten könnten.

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Die Ursachen für Binge Eating sind ihren Angaben zufolge vielfältig. So gebe es psychische Gründe, bei Kindern etwa Probleme im Elterhaus. Aber auch zu hohe Leistungsansprüche könnten Auslöser sein. Neuere Studien hätten ergeben, das auch genetische Faktoren eine Rolle spielten.

Die Binge-Eating-Störung findet erst seit wenigen Jahren eine stärkere Beachtung, wie die Expertin sagt. Etwa drei bis fünf Prozent der Menschen in Deutschland seien betroffen. „Sie leiden erheblich unter der Störung, fühlen sich oft schuldig, hässlich und ziehen sich mehr und mehr aus dem Sozialleben zurück“, so Hilbert. Die Erkennung und Behandlung sei auch deshalb enorm wichtig, weil die Störung häufig der Grund für Adipositas sei. © dpa/aerzteblatt.de

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