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Ärzteschaft

MEZIS: Keine CME-Punkte für pharmagesponserte Fortbildungen

Freitag, 15. September 2017

Berlin – Ärztinnen und Ärzte sollen künftig keine Fortbildungspunkte mehr erhalten, wenn sie Fortbildungsveranstaltungen besuchen, die von der Pharmaindustrie gesponsert sind. Dafür will sich MEZIS, die Initiative „Mein Essen zahl‘ ich selbst“ unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, einsetzen. Das erklärte deren Geschäftsführerin Christiane Fischer heute am Rande eines internationalen No-Free-Lunch-Treffens in Berlin. 

MEZIS hatte Experten aus Australien, Brasilien, Chile, Deutschland, Frankreich, Indien, Italien, Kenia, den Niederlanden und Südafrika geladen, um an drei Tagen darüber zu diskutieren, wie Interessenskonflikte von Ärzten der Gesundheit der Patienten schaden, und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

„Interessenkonflikte sind ein globales Problem“, sagte Fischer zum Auftakt des Treffens. Wenn Ärzte sich in die Abhängigkeit von Pharmaunternehmen begäben, verändere das ihr Verschreibungsverhalten und schade letztlich den Patienten. Diese erhielten dann nicht mehr das Medikament, das sie benötigten, sondern dasjenige, das den kommerziellen Interessen der Unternehmen diene. Um den Einfluss der Pharma­industrie auf das Verschreibungsverhalten der Ärzte zurückzudrängen, müsse deshalb dafür gesorgt werden, dass Fortbildungsveranstaltungen, aber auch Behandlungs­leitlinien frei von Pharmaeinflüssen seien.

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Ärzte sind im Umgang mit Interessenkonflikten sensibler geworden

Fischer wertete es als Erfolg, dass Ärzte im Umgang mit Interessenkonflikten sensibler geworden seien und diese zu Beginn von Veranstaltungen oder am Ende von wissen­schaftlichen Artikeln deklariert würden. „Wir brauchen aber nicht nur eine Offenlegung von Interessenkonflikten. Besser wäre es, sie von vornherein zu vermeiden“, erklärte die MEZIS-Geschäftsführerin.

Der Allgemeinarzt Peter Mansfield von Healthy Skepticism aus Australien forderte in diesem Zusammenhang mehr öffentliche Forschungs­förde­rung. Aggressive Marketingmethoden der Pharmaindustrie machte ein Arzt aus Kenia dafür verantwortlich, dass in seinem Land Patienten überproportional viele teure Originalpräparate statt preiswerte Generika erhielten. Das Geld fehle dann an anderer Stelle, kritisierte er. Dazu komme die weit verbreitete Korruption, für die niemand zur Verantwortung gezogen werde.

Im Kampf gegen Bestechung und Bestechlichkeit in Deutschland lobte MEZIS-Geschäftsführerin Fischer das Antikorruptionsgesetz, das seit Juni 2016 in Kraft ist. Allerdings greife das Gesetz dort zu kurz, wo es um Vorteile wie völlig überhöhte Vortragshonorare gehe. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagte Fischer. © HK/aerzteblatt.de

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