Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KBV und Marburger Bund legen Reformkonzept für Notfallversorgung vor

Montag, 18. September 2017

/dpa

Berlin – Ein Konzept für eine besser abgestimmte Notfallversorgung zwischen Kran­kenhäusern und niedergelassenen Ärzten haben heute in Berlin Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Marburger Bund (MB) vorgelegt. Künftig soll es demnach für Notfallpatienten nur noch eine zentrale Anlaufstelle in den Kranken­häusern geben.

Dort nimmt medizinisches Fachpersonal eine medizinische Ersteinschätzung vor, die bundesweit einheitlich und standardisiert ablaufen soll. Von dort werden die Patienten entweder in die Krankenhausambulanz, an den kassenärztlichen Bereitschafts­dienst oder in die reguläre Sprechstunde beim niedergelassenen Arzt verwiesen. Ziel ist, dass die Patienten dort behandelt werden, wo es der Schwere ihrer Erkrankung und der Dringlichkeit einer Behandlung entspricht.

Telefonnummern vernetzen

Um das zu erreichen, sollen auch die Notrufnummern des Rettungsdienstes 112 und die des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 stärker vernetzt werden. Nach dem Willen von KBV und MB soll die 116117 künftig rund um die Uhr erreichbar sein und nicht, wie derzeit, nur zu den sprechstundenfreien Zeiten. Unter dieser Nummer sollen Anrufer zusätzlich die Möglichkeit erhalten, sich von speziell fortgebildeten Ärzten medizinisch beraten zu lassen.

Die Ärzteorganisationen wollen, dass in Zukunft die medizinische Notwendigkeit über die angemessene Versorgungsebene entscheidet. Wirtschaftliche Interessen müssten dabei ebenso in den Hintergrund treten wie die Wünsche der Patienten, heißt es in dem Konzeptpapier. Seit Jahren steige in Deutschland die Zahl der Patienten, die sich zur Behandlung direkt in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser begeben. Dabei seien viele Patienten keine echten Notfälle. Ihnen könne ebenso gut ein nieder­gelassener Arzt helfen. Die medizinische Entscheidungshoheit über die jeweils angemessene Notfallversorgung müsse wieder in die Verantwortung der Ärzteschaft zurückgeführt werden, heißt es.

Ärzte in den Notaufnahmen müssen entlastet werden

„Wir wollen das Thema ärztlich entscheiden. Schließlich kümmern sich die Nieder­gelasse­nen gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern um die Patienten“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen. Und Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des MB, sagte: „Wir wollen die Ärzte in den Notaufnahmen der Krankenhäuser entlasten, damit sie sich wieder um die Patienten kümmern können, die auf die Hilfe des Krankenhauses tatsächlich angewiesen sind. Gleichzeitig wollen wir für die Patienten, die ambulant bleiben können, durch eine klarere Strukturierung die Versorgung verbessern.“

Beide Organisationen betonten jedoch, dass bei der Einrichtung zentraler Anlaufstellen regionale Besonderheiten berücksichtigt werden müssten. So müsse es beispielsweise möglich sein, den ambulanten Notdienst auch tagsüber zu betreiben, wenn ein regionaler Bedarf bestehe.

Damit die Notfallbehandlung besser koordiniert werden kann, müssen nach Ansicht von KBV und MB auch die IT-Strukturen von Krankenhäusern und Arztpraxen besser vernetzt werden. Der Interoperabilität und dem Datentransfer von Befunden und Behandlungsabläufen komme eine entscheidende Rolle zu. Außerdem sollten die den zentralen Anlaufstellen nachgeschalteten KV-Bereitschaftspraxen regelhaft Labors und Röntgendiagnostik der Krankenhäuser nutzen können.

Die Patienten besser aufklären

Die Ärzteorganisationen sprechen sich zudem dafür aus, die Bevölkerung besser darüber aufzuklären, wann ein medizinischer Notfall vorliegt und wohin man sich als Patienten am besten wendet. Dabei könne zum Beispiel eine App helfen. Zusätzlich sollten über Aufklärungskampagnen die Notfallstrukturen bekannter gemacht werden. Damit das Notfallkonzept von KBV und MB umgesetzt werden könne, müsste der Gesetzgeber rechtliche Änderungen vornehmen. Außerdem müssten die neuen Strukturen angemessen finanziert werden, heißt es in dem Papier.

Das Konzept von KBV und MB kommt dem Vorschlag für eine Reform der Notfall­versorgung des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen nahe. Der Sachverständigenrat hatte am 7. September aus einem laufenden Gutachtenverfahren berichtet. Auch dort sind eine einheitliche Rufnummer für Rettungs- und Bereitschaftsdienst sowie zentrale Anlaufstellen für die Patienten vorgesehen, an denen die Triage vorgenommen werden soll. Finanziert werden sollen die Notfallleistungen nach dem Willen des Rates ohne Mengenbegrenzung aus einem separaten Finanztopf. © HK/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

klausenwächter
am Montag, 25. September 2017, 07:31

Triage im Krankenhaus.

Hier liegtdie Kompetenz undhier kann gesteuert werden. Der Rückzug der Hausärzteaus der Notfallversorgung - "Nur 3% der Patienten sprechen im Notfall ihen Hausarzt an" - hat einenfreien Raum geschaffen. Bislang flippern die Hilfe suchenden zwischen den Banden von KV und Krankenhäusern hin und her.

Ein Honorar für den Notfall, das sich danndie Versorger teilen müssen schafft Ordnung. Die KV kriminalisierteden second look für beobachtungspflichtige Fälle. Sie hat ihre Kompetenz füreine Neuodnung des Notdiestes verspielt. Sie zeigte sichauch an Insiderinformationen zur Entwicklung des Notfallgeschehens nach ihere Reform 2011 desinteressiert. Sie scheidet als Verhandlunhsoartner aus. Krankenhäser können direkt an Kassenärze anstelle des überflüssigen KV-Organs einen Versorgungslohn für Kassenärzteausschütten.

Die Triage im Krankenhaus funktioniert im Ausland. Dortwurden national und lokal angepaßte Filter entwickelt. Der GB-A benötigt die Expertuse von Unabhängigen mit Auslandserfahrung.
klausenwächter
am Montag, 25. September 2017, 07:31

Triage im Krankenhaus.

Hier liegtdie Kompetenz undhier kann gesteuert werden. Der Rückzug der Hausärzteaus der Notfallversorgung - "Nur 3% der Patienten sprechen im Notfall ihen Hausarzt an" - hat einenfreien Raum geschaffen. Bislang flippern die Hilfe suchenden zwischen den Banden von KV und Krankenhäusern hin und her.

Ein Honorar für den Notfall, das sich danndie Versorger teilen müssen schafft Ordnung. Die KV kriminalisierteden second look für beobachtungspflichtige Fälle. Sie hat ihre Kompetenz füreine Neuodnung des Notdiestes verspielt. Sie zeigte sichauch an Insiderinformationen zur Entwicklung des Notfallgeschehens nach ihere Reform 2011 desinteressiert. Sie scheidet als Verhandlunhsoartner aus. Krankenhäser können direkt an Kassenärze anstelle des überflüssigen KV-Organs einen Versorgungslohn für Kassenärzteausschütten.

Die Triage im Krankenhaus funktioniert im Ausland. Dortwurden national und lokal angepaßte Filter entwickelt. Der GB-A benötigt die Expertuse von Unabhängigen mit Auslandserfahrung.

Nachrichten zum Thema

16.01.18
KBV verbessert Suche für ärztlichen Bereitschaftsdienst
Berlin – Die Internetseite der bundesweiten Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Bundesarztsuche-App sind überarbeitet worden. Neu ist vor allem eine Suche nach Standorten und......
15.01.18
Eine Million Menschen suchen fälschlicherweise Notaufnahmen in NRW auf
Düsseldorf – Immer mehr Patienten in Nordrhein-Westfalen (NRW) melden sich offenbar mit geringen Beschwerden in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser. Rund eine Million Menschen seien es 2016 in NRW......
03.01.18
Zentrale Notdienstnummer in Thüringen immer bekannter
Erfurt – Mehr als 153.000 Anrufe sind in Thüringen im vergangenen Jahr bei der zentralen Notdienstnummer 116117 eingegangen. Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen gestern mitteilte, waren......
27.12.17
Niedersachsen will Notaufnahmen entlasten
Hannover – Niedersachsens neue Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) will die Notaufnahmen der Kliniken im Land entlasten. Dafür soll ein Modell, das derzeit unter anderem in der Region Hannover......
12.12.17
Bereitschaftsdienst läuft in Bayern gut an
München – Der neue Bereitschaftsdienst für Ärzte in Bayern läuft nach Einschätzung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gut an. Ende 2018 werde das Netz von Bereitschaftspraxen im Freistaat......
08.12.17
Hofmeister wirbt für Schulterschluss unter Ärzten bei Notfallversorgung
Berlin – Für den ärztlichen Schulterschluss bei der Diskussion um die Notfallversorgung hat heute der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan......
07.12.17
Laumann drückt bei Krankenhausplanung in NRW aufs Tempo
Düsseldorf/Neuss – In Nordrhein-Westfalen müssen sich die Krankenhäuser auf Veränderungen einstellen. Ein Gutachten zur bestehenden Versorgungsstruktur soll die Basis für einen weiteren......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige