Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Apoptosehemmung könnte Transplantations­erfolg von Blutstammzellen verbessern

Montag, 18. September 2017

/fotoliaxrender, stock.adobe.com

Freiburg/New York – Eine Möglichkeit, den Transplantationserfolg von Blutstamm­zellen durch eine Hemmung des programmierten Zelltods zu verbessern, haben Forscher des Universitätsklinikums Freiburg jetzt im Journal of Experimental Medicine beschrieben (2017; doi: 10.1084/jem.20161721).

Aus hämatopoetischen Stammzellen kann eine Vielzahl von Blutzellen entstehen. Darum eignen sie sich zur Behandlung unterschiedlichster Krankheiten, wie therapie­resistenten Leukämien, Immundefekten oder Sichelzellanämie. Dafür können gesunde Stammzellen von einem passenden Spender auf den Patienten übertragen werden. Etablieren sich die Zellen erfolgreich im Knochenmark, beginnen sie nach wenigen Tagen mit der Produktion gesunder Blutzellen.

Übertragung anstrengend

Allerdings ist die Übertragung für die Stammzellen sehr anstrengend und viele von ihnen sterben, bevor sie im Knochenmark anwachsen können. Das hat bislang die Bildung gesunder Blutzellen stark verzögert oder sogar verhindert, was insbesondere dann zum Problem wird, wenn nur wenige Spenderzellen gewonnen werden können. Nabelschnurblut etwa enthält laut den Freiburger Forschern zu wenige Blutstamm­zellen, um für die Transplantation erwachsener Patienten verwendet zu werden.

Im Mausmodell blockierten die Forscher um Miriam Erlacher jetzt vor der Übertragung von Maus-Stammzellen deren Fähigkeit, kontrolliert abzusterben. Dadurch nisteten sich mehr Zellen im Knochenmark ein und es kam zu einer effizienteren Blutbildung. Da die Blockade zeitlich befristet war, stieg die Gefahr einer krankhaften Zell­vermehrung nicht an.

Die Transplantations-assoziierte Apoptose wird durch die zwei Proteine BIM und BMF gesteuert. Eine dauerhafte Blockade dieser Proteine erhöht zwar die Chance einer erfolgreichen Transplantation, allerdings steigert eine solche erzwungene Unsterblich­keit der Zellen das Risiko für Autoimmunerkrankungen und Krebserkrankungen.

In diesem Projekt isolierte das Team um Erlacher Blutstammzellen aus dem Knochen­mark von Mäusen und schleuste ein Gen ein, wodurch die Zellen für rund sieben bis neun Tage das Protein BCL-XL herstellen konnten. BCL-XL wiederum blockiert BIM und BMF und verhindert so den Zelltod. Dadurch wurde die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass sich die Zellen in das Knochenmark der Empfängertiere einnisteten und Blutzellen produzierten. Gleichzeitig wurde das Risiko krankhafter Veränderungen nicht gesteigert.

„Sollte die neue Methode auf menschliche Blutstammzellen übertragbar sein, könnten zukünftig Patienten, die unter Erkrankungen des blutbildenden Systems leiden, mit deutlich weniger Stammzellen behandelt werden. Das würde die Erfolgsaussichten einer Transplantation erhöhen und die Nebenwirkungen reduzieren“, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

25. Mai 2018
Kiel – In Schleswig-Holstein sind mit knapp 235.000 Menschen im Schnitt so viele Menschen wie in keinem anderen Bundesland bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert. Der Anteil
Schleswig-Holstein ist Spitzenreiter bei möglichen Knochenmarkspendern
22. Mai 2018
Stuttgart – Auf der Suche nach potenziellen Stammzellenspendern fährt von morgen an ein Sonderzug durch Deutschland. Er wird von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf die Reise geschickt.
Blutkrebs: Sonderzug sucht Stammzellenspender
7. Mai 2018
Bonn - Nachdem es unter der Behandlung mit Azithromycin in einer klinischen Studie zu einem Anstieg von Rezidiven und Todesfällen gekommen ist, warnt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) vor dem
Azithromycin: Warnung nach Rezidiven und Todesfällen in Studie zur hämatopoetischen Stammzelltherapie
25. April 2018
Luxemburg – Die EU-Kommission muss keinen Gesetzesvorschlag zur Zerstörung menschlicher Embryonen vorlegen. Das geht aus einem veröffentlichten Urteil des Gerichts der Europäischen Union (EuG) hervor
EU-Gericht: Kein Gesetzesvorschlag zur Zerstörung von Embryonen
20. April 2018
Los Angeles – Aus pluripotenten Stammzellen abgeleitete Gehirnzellen von stark adipösen Menschen beeinflussen den Hunger anders als von Normalgewichtigen. Sie dysregulieren häufiger Hormone, die für
Hypothalamus-Neuronen von adipösen Menschen reagieren stärker auf Appetithormone
18. April 2018
Basel – Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen
Züchtung von Knorpel aus Stammzellen gelungen
13. April 2018
Berlin/Santiago – Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS hat ihre internationale Arbeit auf Chile ausgeweitet. Die gemeinnützige Organisation, die sich dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben hat,

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige