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Ärzteschaft

Konzept der Physician Assistants weiter umstritten

Montag, 18. September 2017

Potsdam – Gegen die Implementierung eines bundesweiten Kompetenzkataloges zur Ausbildung zum Physician Assistant (PA) wehrt sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg. „Ein Arzt darf Leistungen, die er aufgrund der erforderlichen, besonderen Fachkenntnisse nur höchstpersönlich erbringen kann, nicht delegieren“, heißt es in einer Resolution der KV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung.

Dazu gehörten Anamnese, Indikationsstellung, Untersuchung des Patienten einschließlich invasiver diagnostischer Leistungen, Stellen der Diagnose, Aufklärung und Beratung des Patienten, Entscheidung über die Therapie und Durchführung invasiver Therapien einschließlich der Kernleistungen operativer Eingriffe. Der neue Kompetenzkatalog, der die Aufgaben der Helfer umreiße, weiche die Grenze zwischen gerechtfertigter Delegation und nicht angemessener Substitution von ärztlichen Leistungen auf, so die Delegierten.

„Die übergroße Anzahl an Kompetenzen ist so formuliert, dass letztendlich die praktische, reale Umsetzung entscheiden wird, ob es sich um eine verbotene Substitution oder noch erlaubte Delegation handelt“, betonten die KV-Delegierten. Sie warnen vor der Gefahr, dass Patienten mit diesem Modell künftig eine fachlich minderwertige Gesundheitsversorgung erhalten, weil die ärztliche Kompetenz dafür nicht länger erforderlich wäre.

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Ärzte müssen aktiv steuern

Der diesjährige Deutsche Ärztetag in Freiburg hatte ein Delegationsmodell mit PAs zur Arztentlastung und -unterstützung befürwortet, das die Bundes­ärzte­kammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung erarbeitet hatten. Das Modell soll in allen Lan­des­ärz­te­kam­mern, in denen entsprechende Studiengänge existieren oder eingerichtet werden, als Grundlage für die Zusammenarbeit mit den Hochschulen dienen. „Es handelt sich dabei um ein Delegationsmodell, das dazu dient, den Arzt zu unterstützen und zu entlasten und in keinster Weise zu ersetzen“, betonte der Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Max Kaplan, auf dem Ärztetag.

Seit mehreren Jahren werden auch in Deutschland Ausbildungen zum PA angeboten. Zwar gebe es derzeit nur relativ wenig ausgebildete Arztassistenten. Ihre Zahl werde aber steigen. „Wir befinden uns in einem sehr schnell fahrenden Zug“, betonte der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Erik Bodendieck, in Freiburg. Der Hintergrund des vorgelegten Konzeptes sei es, die darin beschriebenen Qualifikationen für PAs in die Ausführungsgesetze der Bundesländer zu bringen, um einheitliche Ausbildungsbedingungen zu erhalten.

Auch Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, betonte, dass die Ärzteschaft dieses Thema aktiv angehen müsse, um Einfluss auf die Inhalte der Ausbildung sowie auf das Niveau der Ausbildung nehmen zu können.

Dem mag die KV in Brandenburg so nicht folgen: „Die Mitglieder der Vertreterver­sammlung sprechen sich vor allem im Interesse des Patientenschutzes für die uneingeschränkte Beibehaltung des geltenden ärztlichen Vorbehalts bei Diagnostik und Therapie aus und lehnen die Implementierung des geplanten Kompetenzkataloges für den Physician Assistant ab“, heißt es in der Resolution.

© hil/aerzteblatt.de

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