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Politik

Politiker und Ärzte werben um mehr Verständnis für Demenzkranke

Montag, 18. September 2017

/Gabriele Rohde, stock.adobe.com

Berlin – Politiker und Ärzte werben zur Woche der Demenz vom 18. bis 24. September um mehr Verständnis für Demenzkranke. „Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, brauchen die Unterstützung und das Verständnis der ganzen Gesellschaft“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin. Bundesfamilien­ministerin Katharina Barley (SPD) ergänzte: „Demenz ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Deshalb ist es besonders wichtig, aufzuklären, Vorurteile oder Ängste abzubauen und Begegnungen mit Betroffenen möglich zu machen.“

Die Themenwoche steht in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz. Die Vielfalt im Blick“. In Deutschlandweit leiden rund 1,6 Millionen Menschen an Demenz, jährlich erkranken 300.000 neu. Um das Bewusstsein der Mitmenschen vor Ort für die Bedürfnisse von Demenzkranken zu stärken und betroffene Familien zu unterstützen, hat die Bundesregierung 2012 die „Allianz für Menschen mit Demenz“ ins Leben gerufen. Mit der Demenzwoche will die Allianz Verständnis und Unterstützung für Betroffene und pflegende Angehörige fördern. Sie schließt den Welt-Alzheimertag am 21. September ein.

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Leitliniengerechte Behandlung fehlt häufig

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Arno Deister, rief dazu auf, Demenzerkrankungen mit ganzheitlichen Versorgungsansätzen zu begegnen. Zwar sei die Erkrankung derzeit nicht heilbar, aber es existierten zunehmend therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern, so Deister.

Insbesondere psychosoziale Interventionen müssten noch besser in das Versorgungs­system implementiert werden, ihre Wirksamkeit sei klar nachgewiesen. Politik und Selbstverwaltung müssten deshalb die Anwendung effektiver und hilfreicher Verfahren in der Versorgung stärken, betonte der DGPPN-Präsident. Im Augenblick würden nur etwa die Hälfte der Demenzerkrankungen als solche erkannt und weniger als die Hälfte der Patienten erfahre eine leitliniengerechte Behandlung, warnte Deister.

Problem Co-Erkrankung

Ein besonderes Problem ist, dass immer mehr Patienten auf somatischen Stationen als Co-Erkrankung auch unter kognitiven Einschränkungen bis hin zu einer Demenz leiden. „Noch sind viele Krankenhäuser nur unzureichend auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz vorbereitet“, hieß es dazu aus dem Bundesfamilienministerium.

„Vielfach werden Demenzerkrankungen erst während des Klinikaufenthaltes bemerkt“, erläuterte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Das Personal sei dann häufig völlig unvorbereitet. Für die Erkrankten selbst sei der Kranken­haus­auf­enthalt ebenfalls ein Schock: Demenzkranke, die abrupt aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen würden, seien oft orientierungslos und entwickelten Ängste. Sie versuchten, die Klinik zu verlassen und könnten bei Diagnose, Behandlung, Körperpflege nicht mitwirken.

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband (DEKV) appellierte deshalb an die Politik, die Krankenhäuser beim Ausbau demenzsensibler Strukturen und bei der Ausbildung des Personals zu unterstützen. Notwendig sei eine bundesweite Anschubfinanzierung in Höhe von 600 Millionen Euro für alle Krankenhäuser, die sich in der Versorgung demenzkranker Patienten verstärkt engagieren wollten, so der DEKV.

© hil/aerzteblatt.de

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