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Medizin

Zigarettenpreise beeinflussen Säuglings­sterblichkeit

Dienstag, 19. September 2017

/dpa

London – Je teurer die Zigaretten in einem Land sind, desto geringer ist die Säuglings­sterblichkeit. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.2536) zeigt, dass der Anstieg der Zigarettenpreise in der Europäischen Union in elf Jahren zu 9.200 weniger Todesfällen im Säuglingsalter geführt hat. Ohne eine Quersubventionierung der Preise durch die Hersteller wäre der Effekt vermutlich noch größer ausgefallen.

Hohe Zigarettenpreise haben sich als das wirksamste Mittel zur Einschränkung des Rauchens erwiesen. Dies gilt insbesondere für Jugendliche mit knappen finanziellen Ressourcen. Aber auch Schwangere und junge Mütter rauchen weniger, wenn sie das Geld für andere Dinge benötigen. Die intrauterine Exposition mit den von der Mutter beim Tabakrauchen inhalierten Schadstoffen sowie das Passivrauchen im ersten Lebensjahr gefährden die Gesundheit des Neugeborenen.

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Eine Folge des mütterlichen Rauchens ist ein Anstieg der Säuglingssterblichkeit. Eine mögliche Schutzwirkung durch eine höhere Besteuerung war bereits in zwei früheren Studien aus den USA und Kanada aufgefallen: In den USA war die Erhöhung der Tabaksteuer um 1 Dollar pro Packung mit 0,19 weniger Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten verbunden (Pediatrics 2015; doi: 10.1542/peds.2015-2901). In Kanada hatte ein Anstieg der Tabaksteuer um 10 Prozent einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit um 1,8 Prozent zur Folge (Canadian Public Policy 2011; 37: 257-276).

Jetzt haben Filippos Filippidis vom Imperial College London und Mitarbeiter die Auswirkungen der Steuergesetzgebung in der EU im Zeitraum 2004 bis 2014 unter die Lupe genommen. In dieser Zeit ist es in praktisch allen Mitgliedsländern zu Preis­steigerungen gekommen. So verteuerten sich die Preise pro Schachtel in Bulgarien, dem Land mit den billigsten Zigaretten, von 0,42 auf 2,09 Euro. Aber auch in Irland, dem Land mit den höchsten Preisen, kam es zu einem Anstieg von 6,32 auf 8,32 Euro.

EU-weit sank die Säuglingssterblichkeit von 4,4 Todesfällen pro 1.000 Geburten im Jahr 2004 auf 3,5 Todesfälle pro 1.000 Geburten im Jahr 2014. Dieser Rückgang wurde nicht allein durch die Tabaksteuer verursacht, doch nach den Berechnungen von Filippidis war ein Anstieg des Zigarettenpreises um 1 Euro noch im selben Jahr mit einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit um 0,23 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten verbunden (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,09 bis 0,37). Im darauf folgenden Jahr kam es noch einmal zu einem Rückgang um 0,16 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten (0,03-0,30).

Einen gegenteiligen Effekt hatte die Preisspanne zwischen den einzelnen Marken. Die meisten Hersteller bieten mehrere Marken an. Mit dem höheren Preis einer Marke werden häufig die Billigzigaretten für den Einstieg in die Sucht subventioniert. Damit wollen die Hersteller bei einem Anstieg der Tabaksteuern verhindern, dass junge Menschen nicht mit dem Rauchen beginnen, weil ihnen die Zigaretten zu teuer sind.

Dies hat Auswirkungen auf die Säuglingssterblichkeit. Eine Zunahme in der Preis­differenz zwischen mittel-preisigen und minimal-preisigen Zigaretten um 10 Prozent war laut Filippidis mit einem Anstieg der Säuglingssterblichkeit um 0,07 Todesfälle pro 1.000 Lebendgeburten (0,01-0,13) im folgenden Jahr verbunden.

Streng genommen kann die Studie nicht beweisen, dass der zeitlichen Assoziation zwischen Preisanstiegen und einem Rückgang der Säuglingssterblichkeit eine Kausalität zugrunde liegt. Angesichts der Konsistenz mit den früheren Untersuchungen erscheint dies allerdings sehr wahrscheinlich. Filippidis rät den Gesetzgebern, die Quersubventionierung der Zigarettenpreise zu verhindern und auf einen Anstieg im unteren Preissegment zu achten.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Dienstag, 7. November 2017, 22:17

Das Geschäft mit Milliarden!

Der völkerrechtliche Vertrag der WHO ermächtigt jeden Verein zum denunzieren von Rauchern. Beispiel gefällig: https://www.pro-rauchfrei.de/wir-informieren/wir-klagen-an Möchten Sie auch einmal öffentlich mit Ihren privaten Gewohnheiten an den Pranger gestellt werden? Sicherlich wird sich eine Möglichkeit finden! Allerdings braucht es einen Geldgeber.
Avatar #4642
Klemperer
am Mittwoch, 20. September 2017, 09:14

Sorry Herr, Schätzler

ich empfehle Ihnen, sich doch einmal mit den Anhaltspunkten von Hill für die Beurteilung von Kausalität bei Beobachtungsstudien zu befassen, die da lauten:
Stärke des statistischen Zusammenhangs
Konsistenz
Spezifität
Zeitlicher Zusammenhang
Dosis-Wirkungs-Beziehung
Plausibilität
Kohärenz
Experiment
Analogie
Hill AB: The Environment and Disease: Association or Causation? 1965

Bei kritischer Betrachtung, sollte deutlich werden, dass die Annahme von Kausalität in der vorliegenden Studie sehr gut begründet ist.

Prof. Dr. med. David Klemperer
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 19. September 2017, 23:28

Sorry, Leute,

da hätte man auch die Storch-Nistungs-Quote, den Anteil zu bezahlender Plastiktüten, die Milchflaschen-Mehrweg-Quote den Anteil an der Mülltrennung, die rückläufige Aschenbecher-Produktion, den realen NO2-Ausstoß bei Dieselfahrzeugen, den CO2-Ausstoß bei Benzinern und den Ressourcen-Verbrauch bei der Elektro-Automo-Produktion nehmen können und wäre vermutlich zum gleichen Ergebnis gekommen?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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