NewsÄrzteschaft„Das Verständnis für die Belange von Fachärzten in Klinik und Praxis ist nicht vorhan­den“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

„Das Verständnis für die Belange von Fachärzten in Klinik und Praxis ist nicht vorhan­den“

Freitag, 22. September 2017

Berlin – Am 24. September ist Bundestagswahl. Das Deutsche Ärzteblatt hat die gesundheits­politischen Sprecher der Parteien, Länderminister, Verbände und Ärzte aus der Patienten­versorgung befragt, wie es mit der Gesundheitspolitik in der kommenden Legislatur weitergehen sollte.

Fünf Fragen an Lars F. Lindemann, Haupt­geschäftsführer des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands

DÄ: Welches gesundheitspolitische Thema muss in der nächsten Legislaturperiode als erstes angegangen werden? Warum?
Lars Lindemann: Die Förderung der ambulanten wohn­ortnahen Versorgung der Patienten durch Haus- und Fachärzte.

DÄ: Welche Partei beziehungsweise welches Parteien­bündnis bietet aus Ihrer Sicht die besten Lösungen für die zukünftigen Probleme des Gesundheitssystems? Warum?
Lindemann: Parteibündnisse und Wahlprogramme stellen immer Maximalpositionen dar, welche zunächst im Rahmen von Koalitionsverhandlungen in Kompromissergeb­nissen enden und in der Umsetzung von vielen weiteren Faktoren wie dem Durch­setzungswillen der einzelnen Parteien in der Koalition abhängen. Klar ist jedoch, dass Parteien, die nicht anerkennen wollen, welchen hohen Stellenwert eine wohnortnahe ambulante und auch gerade fachärztliche Versorgung in der Grundversorgung für die Patientinnen und Patienten in Deutschland hat, wir nicht empfehlen, diese zu unterstützen. Wir raten den Patienten, die Wahlprogramme der Parteien danach abzuprüfen.

DÄ: Welche aktuellen Positionen der Parteien gefährden die Versorgungsqualität im deutschen Gesundheitssystem?
Lindemann: Von gefährden der Versorgungsqualität kann hier nicht die Rede sein. Dies überlassen wir anderen Verbänden im Gesundheitswesen. In den Parteiprogrammen sind durchaus deutliche Unterschiede zu erkennen. Insgesamt müssen wir feststellen, dass das Verständnis für die Belange von Fachärzten in Klinik und Praxis nicht vorhan­den ist. Fachärzte sind jeden Tag mit an vorderster Front der Versorgung von Patientin­nen und Patienten tätig. Dies heißt auch, dass man diese Gruppe nicht einfach ignorieren kann. Durch die permanente Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Parteien ist das deutsche Gesundheitssystem innovationsträge geworden.

DÄ: Wie müssten die Rahmenbedingungen ärztlicher/psychotherapeutischer Tätigkeit verbessert werden?
Lindemann: Der Kosten- und Zeitdruck in Klinik und Praxis ist mittlerweile zu hoch und hindert an guter Medizin und auch einer Ausbildung junger Ärzte. Hier hat die Politik in den letzten Jahren überdreht. Nach fest kommt locker.

DÄ: Was wollen Sie für Ihre Mitglieder in der kommenden Legislaturperiode erreichen?
Lindemann: Wir fordern klar und deutlich, die Budgetierung in der ambulanten Versorgung endlich zu beenden. Hierzu hat der SpiFa einen Vorschlag vorgelegt, wie ein erster Einstieg in die Endbudgetierung im Bereich der Grundversorgung erfolgen kann. Wir plädieren dafür, alle relevanten Betreuungs- und Koordinationsleistungen sowie die Leistungen, die mit der pauschalierten fachärztlichen Grundvergütung belegt sind, aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) herauszunehmen und in die extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) zu überführen. Dieser Transfer stützt die Versorgung durch Haus- und Fachärzte gleichermaßen und schafft Planungssicherheit für die Niederlassung. © mis/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. März 2019
Washington – US-Präsident Donald Trump hat Pläne für eine neue Gesundheitsreform in den USA angedeutet. „Die republikanische Partei wird bald als die Partei der Gesundheitsversorgung bekannt sein“,
Trump deutet neuen Anlauf in der Gesundheitsversorgung an
20. März 2019
Berlin – Das Bundeskabinett hat heute die Eckwerte des Haushalts 2020 beschlossen. Im Einzelplan 15 des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sind etwas mehr Mittel, als in der vorläufigen
Ge­sund­heits­mi­nis­terium kann für 2020 auf mehr Mittel hoffen
15. März 2019
Berlin – Menschen, die in allen Angelegenheiten betreut werden, sollen nicht länger pauschal von Wahlen ausgeschlossen werden. Nach monatelangem Ringen verabschiedete der Bundestag heute einen Antrag
Bundestag beschließt Antrag auf Einführung eines inklusiven Wahlrechts
5. März 2019
Berlin – Die Ärztekammer Berlin hat ein Umdenken in der Gesundheitspolitik gefordert: „In über 40 Jahren kleinteiliger Gesundheitsreformen haben die Fremdbestimmung der Gesundheitsberufe, die
Jonitz fordert Kurskorrektur in der Gesundheitspolitik
21. Februar 2019
Berlin – Eine paritätische Besetzung der Führungsgremien in der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen haben Frauen aus Politik, Krankenkassen sowie ärztlichen und psychotherapeutischen Verbänden
Frauen im Gesundheitswesen fordern Parität in Gremien der Selbstverwaltung
20. Februar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat gestern Abend den Startschuss für den „Global Health Hub Germany“ gegeben. Das neue Netzwerk soll Akteure aus der Politik, der
Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium fördert Netzwerk für Globale Gesundheit
14. Januar 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat zum 1. Februar 2019 einen neuen Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen berufen. Dem Gremium gehören sieben
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER