NewsÄrzteschaftÄrzte erarbeiten Leitfaden für Umgang mit Missbrauchsverdacht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte erarbeiten Leitfaden für Umgang mit Missbrauchsverdacht

Mittwoch, 20. September 2017

Bonn – Um bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen wie Vernachlässigung, Miss­handlung und sexuellem Missbrauch besser zu reagieren, stellen Bonner Mediziner für Ärzte, Pädagogen und Sozialarbeiter Handlungsempfehlungen zusammen. Ein Team am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn erarbeite diese deutsch­landweit erste Kinderschutz-Leitlinie, teilte die Hochschule in Bonn mit.

Etwa jeden zweiten Tag stirbt ein Kind unter 14 Jahren in Deutschland durch Gewalt, wie es hieß. Zudem seien im vergangenen Jahr mehr als 4.000 Kinder körperlich misshandelt worden. Die Dunkelziffer liege aber viel höher, weil die Opfer im eigenen Zuhause nur sehr begrenzt auf sich aufmerksam machen könnten.

Risiken vorhanden

„Der erste Verdacht auf Kindesmisshandlung ergibt sich häufig beim Arzt oder in der Klinik“, sagte Oberarzt Ingo Franke, der Mitbegründer der lokalen Kinderschutzgruppe am Bonner Uniklinikum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) ist. Doch es gebe das Risiko, dass ein Verdacht nicht eindeutig und rechtzeitig geklärt werde. „Den Preis dafür hat oft genug das Kind zu zahlen“, so der Mediziner.

Anzeige

Im Rahmen eines Symposiums am 27. September sollen nach den Angaben in der Universitäts-Kinderklinik erste vorläufige Handlungsempfehlungen vorgestellt werden – etwa das Vorgehen bei einem blauen Fleck. Denn jedes dritte misshandelte Kind habe einen blauen Fleck hinter den Ohren, am Hals oder im Nacken. Störungen im Sozialverhalten wie Distanzlosigkeit könnten ein Hinweis auf emotionale Vernach­lässigung sein. Laut der Handlungsempfehlung sollen betroffene Kinder beteiligt und angehört werden.

Die Bonner Leitlinien-Gruppe formulierte nach den Angaben auf der Grundlage von etwa 500 Kinderschutzfällen 33 Themenkomplexe. „Wir schreiben kein Gesetzbuch, sondern ein Handbuch“, so Franke. „Wir geben Handlungsempfehlungen – und das in verschiedenen Versionen für Ärzte, Jugendhilfe, Pädagogen und die Betroffenen.“ Erscheinungstermin der endgültigen Kinderschutz-Leitlinie sei voraussichtlich Ende 2018. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. September 2020
Stuttgart – Baden-Württemberg setzt auf Telemedizin und sogenannte Augmented Reality (AR), um den Kinderschutz im Land zu verbessern. „Eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Gewalt und der Klärung,
Baden-Württemberg: Telemedizin und AR-Technologien sollen Ärzten bei Erfassung von Kindesmisshandlungen helfen
8. September 2020
Lyon – Im Zuge der Coronapandemie sind nach Angaben der internationalen Polizeiorganisation Interpol Fälle des Kindesmissbrauchs weniger häufig gemeldet worden. Die Mitgliedsstaaten hätten angegeben,
Interpol: Kindesmissbrauch während Pandemie seltener gemeldet
1. September 2020
Düsseldorf/Köln – Kinderärzte haben sich für eine nächtliche Hotline in Düsseldorf für Eltern, die beim Umgang mit ihren Kindern überfordert sind, ausgesprochen. Hinter der Forderung stehen Josef
Kinderärzte wollen nächtliche Hilfe-Hotline für überforderte Eltern
1. September 2020
Oslo – Vertriebene und geflüchtete Kinder in Nahost zeigen nach einer Untersuchung der nichtstaatlichen Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) seit Beginn der SARS-CoV-2-Pandemie einen
Warnung vor Pandemiefolgen für Flüchtlingskinder
27. August 2020
Wiesbaden – Die Zahl der von Jugendämtern festgestellten Kindeswohlgefährdungen ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2018 stellten die Behörden bei rund 55.500
Zahl der Kindeswohlgefährdungen steigt auf neuen Höchststand
4. August 2020
Aachen – Eine systematische Prävention der Folgen zunehmender Sommerhitze für Kinder und Jugendliche fordert die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Die vom Deutschen
Allergologen: Kinder und Jugendliche benötigen Hitzeschutz
4. August 2020
Genf – Beim Schutz von Kindern vor Sklavenarbeit und anderer Ausbeutung hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) einen Meilenstein erreicht: Erstmals in der 101-jährigen Geschichte der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER