NewsÄrzteschaftDiabetes: Vernunftappelle gescheitert – jetzt ist der Gesetzgeber gefragt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Diabetes: Vernunftappelle gescheitert – jetzt ist der Gesetzgeber gefragt

Dienstag, 19. September 2017

Berlin – Kurz vor der Bundestagswahl richtet sich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) mit einer Reihe Forderungen an die künftige Bundesregierung. Unter dem Titel „Politik und Diabetes: jetzt handeln!“ fordert die Fachgesellschaft erneut die Umset­zung des Nationalen Diabetesplans. Dazu gehören Maßnahmen zur Verhältnis­präven­tion wie beispielsweise die Einführung einer Zucker-Fett-Steuer sowie Rahmenbedin­gun­gen zur Sicherung der Versorgung und Forschung. Vorangetrieben werden müsse auch die Digitalisierung, die große Chancen für die fachliche Vernetzung und flächen­deckende Versorgung biete.

Aus Sicht der DDG sind bisherige Appelle an die Vernunft des Einzelnen gescheitert – jetzt ist der Gesetzgeber gefragt: „Die Politik muss es den Menschen erleichtern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu pflegen“, erklärt Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG. Ein Paradigmenwechsel der Präventionspolitik hin zu einer Verhältnis­prävention sei längst überfällig. Mithilfe eines Nationalen Diabetesplans können die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, so die DDG.

Eine zentrale Forderung der Fachgesellschaft, der Deutschen Diabetes-Hilfe und der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist die Mehrwertsteuer­befreiung für gesunde Lebensmittel mit einem niedrigen Gehalt an Zucker, Fetten und Salzen. „Das schafft Anreize für eine gesunde Ernährung, ohne den Bürger zu belasten“, sagt Gallwitz.

Anzeige

Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel

Eine verpflichtende Kennzeichnung aller Lebensmittel mit einem leicht verständlichen Ampelsystem sei ebenfalls erforderlich. Darüber hinaus empfiehlt die DDG ein Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet. Um sicher­zustellen, dass Prävention und Therapie ressortübergreifend und dauerhaft im Fokus der politischen Entscheidungsträger stehen, erwartet die DDG auch die Benennung eines Beauftragten der Bundesregierung für Diabetes, Adipositas und Prävention.

Zudem plädiert die Fachgesellschaft dafür, die Diabetologie im theoretischen und praktischen Teil des Medizinstudiums zu verankern. Ebenso wichtig sei die Förderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Das Positionspapier adressiert auch Ausbildung. Gemeinsam mit dem Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) spricht sich die DDG für eine bundeseinheitliche diabetologische Zusatz-Weiterbildung aus. Eine staatliche Anerkennung der Diabetes-Beratungs- und Schulungs­berufe durch die Politik sei zwingend, erklären die DDG und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). Das Berufsbild der Diabetesberater müsse sowohl gesellschaftlich als auch finanziell angemessen aufgewertet werden.

Zudem fordern wir die Bundespolitik auf, das Mitwirkungsrecht der Patientenvertreter in den verschiedenen Gremien zu stärken. Dirk Müller-Wieland, Präsident der DDG. 

Kritisch sieht die DDG die Tendenz, Gesundheitspolitik zunehmend durch patienten­ferne Organe und Institutionen zu regeln. Als medizinisch-wissenschaftliche Fach­gesellschaft erwartet die DDG daher, bei der Festlegung des medizinischen Standards nach dem Sozialgesetzbuch Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (SGB V) regelhaft eingebunden zu werden. „Zudem fordern wir die Bundespolitik auf, das Mitwirkungs­recht der Patientenvertreter in den verschiedenen Gremien zu stärken“, sagt Dirk Müller-Wieland, Präsident der DDG.  © gie/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #722455
´hajodba@gmx.de
am Mittwoch, 20. September 2017, 21:15

"Es wir nicht besser, wenn man "alte Statemens" wiiedehtolt"

"Wenn man sich als "Laie" auf das spiegelglatte Parkett
der Bühne unserer aktuellen "Polit-Comedy-Show" begibt,
sollte man keinesfalls mit "ollen Kamellen" auftragen"

Es sind erst wenige Monate her, dass die "Deutsche Diabetes Gesellschaft" auf ihrer Pressekonferenz verkündete:

"Bisherige Initiativen gegen Diabetes Typ 2
haben ihr Ziel verfehlt"

Und wenige Tage vor der "Bundestagswahl" geht man mit vermeintlich
"neuen Forderungen an die künftige Bundesregierung" an die Öffent-
lickeit. Doch sind diese "Forderungen" im Grunde nur ein "Abklatsch
dessen, was man selbst in der Vergangenheit propagiert" hatte. Doch
das war auch nicht gerade des "Gelbe vom Ei" gewesen.

Da ich nicht das "Gleiche wie die DDG" machen möchte, verweise ich
stattdessen auf meinen "Leserkommentar vom 25. Juni2017" zum Artikel
im "Deutschen Ärzteblatt" mit der Überschrift; "Bisherige Initiativen
gegen Diabetes Typ 2 ....."

H. Jürgen Barth, Rodalben




Es sind erst wenige Monate
LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2018
Berlin – Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer
Marktstudie: Anteil überzuckerter Getränke trotz Herstellerankündigungen unverändert hoch
21. September 2018
Paris – Für die Lebensmittelkennzeichnung auf der Vorderseite der Packung gibt es verschiedene Modelle. Forscher aus Frankreich haben vier davon verglichen. Am besten konnten Verbraucher die
Nutriscore sorgt für gesündere Kaufentscheidung als Ampelkennzeichnung
20. September 2018
Kopenhagen – Ein hoher Glutengehalt der Nahrung von Frauen während der Schwangerschaft war in einer prospektiven Kohortenstudie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko des Kindes an einem Typ-1-Diabetes
Glutenhaltige Kost in der Schwangerschaft könnte Typ-1-Diabetes beim Kind fördern
19. September 2018
Athen – Griechische Senioren, die sich an die klassische mediterrane Kost hielten, waren in einer Querschnittstudie in Geriatrics and Gerontology International (2018; doi: 10.1111/ggi.13521)
Mediterrane Diät kann den Schlaf verbessern
18. September 2018
Berlin – Gleich drei Verbände verkündeten heute in Berlin ihren Ausstieg aus der Plattform Ernährung und Bewegung (PEB). Zu groß war die Differenz der Interessen, die Verbände und Industrie im
Mehrere Verbände beenden Mitgliedschaft in der Plattform Ernährung und Bewegung
13. September 2018
Berlin – Ein neues Zentrum zum Thema „weltweite Gesundheitsversorgung“ hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin gegründet. „Mit ‚Charité Global Health‘ bauen wir unsere internationale Expertise
Neues Zentrum für globale Gesundheit in Berlin
12. September 2018
Chicago – Ein unbehandelter Gestationsdiabetes gefährdet die Gesundheit von Mutter und Kind nicht nur während der Schwangerschaft. Eine Langzeituntersuchung im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018;
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER