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Vermischtes

Auch Instagram kann süchtig machen

Dienstag, 19. September 2017

/berc, stock.adobe.com

Lübeck – Soziale Medien wie Facebook und Instagram bergen nach Ansicht von Experten erhebliche Suchtgefahren. Mädchen und junge Frauen seien besonders durch Plattformen wie Instagram gefährdet, auf denen vor allem Fotos geteilt werden, hieß es heute beim zehnten Deutschen Suchtkongress der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie (DG SPS).

„Viele Instagram-Nutzerinnen nehmen sich die Prominenten zum Vorbild, die dort Fotos von sich und ihrem Lebensstil veröffentlichen“, sagte Daria Kuss von der britischen Nottingham Trent University. Der Versuch, diese Vorbilder zu imitieren, und der Wunsch nach möglichst vielen positiven Kommentaren durch andere Nutzer könne zu erheblichen Minderwertigkeitsgefühlen führen, sagte sie. Kuss warnte davor, Verhaltenssüchte wie Spiel- oder Onlinesucht zu verharmlosen. „Studien zeigen, dass Verhaltenssüchte im Gehirn ähnliche Vorgänge und Strukturveränderungen auslösen, wie substanzgebundene Süchte“, erklärte sie.

Experten sehen Versorgungslücke

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht), Rainer Thomasius, sagte, etwa zehn Prozent der Patienten in kinder- und jugendpsychiatrischen Praxen seien internetsüchtig. Nach Angaben der DG-Sucht und des Deutschen Suchtkongresses der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie zählen Suchterkrankungen in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkran­kungen. Danach gelten 1,8 Millionen Menschen als alkoholabhängig, etwa 560.000 als onlineabhängig und mehr als 500.000 als glücksspielsüchtig.

Erheblichen Verbesserungsbedarf besteht nach Auffassung des Kongresspräsidenten Gallus Bischof noch bei der Betreuung der Angehörigen Suchtkranker. „Sie haben häufig einen schlechten Allgemeinzustand und neigen zu Depressionen, doch das Versorgungsangebot für diese Personengruppe ist in Deutschland unterfinanziert und lückenhaft“, sagte Gallus. Diese Versorgungslücke müsse dringend geschlossen werden.

Die Internet- und Glücksspielsucht ist eines der Hauptthemen des Kongresses, der noch bis morgen in Lübeck stattfindet. Weitere Schwerpunkte sind die Auswirkungen von Suchterkrankungen auf das soziale Umfeld und Hilfen für suchtmittelabhängige Kinder und Jugendliche. An dem Kongress nehmen rund 400 Experten aus dem In- und  Ausland teil. © dpa/aerzteblatt.de

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doc.nemo
am Mittwoch, 20. September 2017, 11:49

Ständige Ausweitung des Suchtbegriffs

Sie haben völlig recht, Herr Practicus, aber ich fürchte, der Trend wird anhalten. Ist eine Normvariante erst einmal offiziell „pathologisiert“ und vielleicht sogar mit einer ICD-Nummer geadelt, entstehen daraus umfangreiche sozial- und versorgungsrechtliche Ansprüche wie Krankschreibung, Behandlung, Krankengeld, Reha, Behinderung, Berentung etc. Außerdem tun sich zahlreiche neue Betätigungsfelder für allerlei Leistungserbringer auf. Sie sehen, irgendwie profitieren alle davon.
Practicus
am Dienstag, 19. September 2017, 23:11

Ständige Ausweitung des Suchtbegriffs

allmählich herrscht vollständige Beliebigkeit... was ist denn mit Nasebohren, Nägelkauen und Masturbieren... oder Friseurbesuche, Haarefärben, Börsenhandel, Bügeln, Putzen... es gibt schon mehr Aktivitäten, die als Süchte qualifiziert werden als "normale" Tätigkeiten!
Sex, Sport, Arbeit, Kaufen, Stehlen...alles "Sucht"
Die Bezeichnung solchen Verhaltens als "Süchte" beleidigt die Opfer von Substanzabhängigkeiten...

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