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Honorarverhandlung: Orientierungswert steigt nur leicht, KBV enttäuscht

Dienstag, 19. September 2017

/zenstock, stock.adobe.com

Berlin – Der Orientierungswert für das kommende Jahr steigt um 1,18 Prozent. Das hat heute der Erweiterte Bewertungsausschuss mit Stimmen des GKV-Spitzenverbands gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entschieden. Diese zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. Die KBV will morgen in einer Pressekonferenz ausführlich Stellung beziehen.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, betonte bereits heute auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes, die Verhandlungen seien „nicht erfreulich gelaufen“. Man habe sich in den vergangenen Wochen nicht einigen können und auch zum Schluss hätten die Positionen noch weit auseinandergelegen.

Kassen wollten Nullrunde

„Die GKV hat eine Nullrunde vorgeschlagen, aus meiner Sicht ein völlig absurdes Vorgehen und wir haben auch in der heutigen Sitzung des Bewertungsausschusses keine Einigung finden können“, sagte Gassen. Er bezeichnete die Steigerung des Orientierungswerts als „unzulänglich“.

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„Wir hätten eine höhere Steigerung für sinnvoll und notwendig erachtet, sodass wir weiterhin Probleme mit Investitionsstau und einer Vergütungssituation haben, die unzufrieden stellend ist“, so der KBV-Chef mit Blick auf eine „insgesamt hervorra­genden Kassenlage der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen“. Die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten würden bei einer derartigen Entwicklungen des Orientierungswertes sukzessive von der Entwicklung der Löhne und Gehälter abgehängt, sodass man perspektivisch eine Versorgungsgefährdung sehe.

Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des
GKV-Spitzenverbands, sprach heute hingegen von einer „maßvollen Entscheidung“. Diese werde sowohl den Honorarinteressen der niedergelassenen Ärzte als auch denen der Beitragszahler gerecht.

Wie die Einschätzung über das Ende der Verhandlungen gehen auch die Deutungen der Zahlen darüber auseinander, wie hoch das Honorarplus bei den Vertragsärzten ausfällt. Der GKV-Spitzenverband sprach von einem Plus in der Vergütung für 2018 von rund einer Milliarde Euro.

Durch die Erhöhung des Orientierungswerts, des Preises der ärztlichen Leistung, steigt das Honorar den Kassen zufolge im kommenden Jahr um rund 410 Millionen Euro. Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung bringe aufgrund der Morbiditätsveränderung weitere 100 Millionen Euro. Für extrabudgetäre Leistungen, wie beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen, werde mit einem Plus in Höhe von 400 Millionen Euro gerechnet. Zudem gebe es für die Stärkung des nichtärztlichen Praxispersonals noch einmal 50 Millionen Euro.

KBV-Sprecher Roland Stahl bestätigte auf Nachfrage die rund 400 Millionen Euro, die die Erhöhung des Orientierungswertes mit sich bringt. Bis auf die die Stärkung des nichtärztlichen Praxispersonals hätten die Zahlen allerdings reinen Empfehlungs­charakter für die Verhandlungen, die nun regional zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen erfolgen müssten, sagte er. Diese Zahlen seien keinesfalls gesichert. Die Verhandlungen auf Regional­ebene sollen in den kommenden Wochen beginnen. © may/aerzteblatt.de

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