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Medizin

Rheuma: Bislang kein erhöhtes Krebsrisiko durch Biologika

Mittwoch, 20. September 2017

Stockholm – Die TNF-alpha-Inhibitoren und andere Biologika haben in den ersten zehn Jahren der Anwendung nicht zu einem Anstieg von Krebserkrankungen von Patienten mit rheumatoider Arthritis geführt. Dies geht aus einer prospektiven Kohortenstudie aus Schweden in JAMA Intern Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.4332) hervor. 

Die ständig wachsende Zahl von Biologika hat seit 1999 die Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis verbessert. Die Medikamente hemmen den Tumornekrose­faktor (TNF) alpha (Adalimumab, Etanercept, Certolizumab, Golimumab, Infliximab), blockieren die Rezeptoren CD20 (Rituximab), CD80/CD86 via CTLA-4 (Abatacept) oder die Bindungsstelle für Interleukin 6 (Tocilizumab). Als „Disease-modifying anti-rheumatic drug“ (DMARD) können die Wirkstoffe das Fortschreiten der entzündlichen Gelenkzerstörung bremsen. 

Die dauerhafte Blockade des Immunsystems ist jedoch nicht ohne Risiken. Neben einem erhöhten Infektionsrisiko wird auch ein Anstieg von Krebserkrankungen befürchtet. In verschiedenen Ländern wurden deshalb Patientenregister gegründet, die die Patienten nachbeobachten. In Schweden sind die Voraussetzungen besonders günstig, da alle Einwohner eine Registrierungsnummer haben, die registerübergreifend verwendet wird.

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Ein Team um Johan Askling vom Karolinska Institut Stockholm konnte die Daten des „Swedish Rheumatology Quality of Care Register“, das die Therapie von 90 bis 95 Prozent aller Rheumapatienten erfasst, mit dem „Swedish Patient Register“ abgleichen, aus dem ersichtlich wird, wer wegen einer Krebserkrankung in einem Krankenhaus behandelt wurde. In einer früheren Auswertung für den Zeitraum von 2001 bis 2010 hatte das Team noch ein erhöhtes Melanomrisiko von Patienten gefunden, die mit TNF-Inhibitoren behandelt wurden. Die Hazard Ratio von 1,5 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,0–2,2) war damals auf der Basis von 20 Melanomerkrankungen berechnet worden (BMJ 2013; 346: f1939).

Die jetzt veröffentlichte Analyse für den Zeitraum von 2006 bis 2016 kann diese Zahlen nicht bestätigen. TNF-Inhibitoren sind nicht mehr mit einem erhöhten Risiko von Melanomen (oder anderen Karzinomen) assoziiert. Dies galt sowohl für Patienten, die die TNF-Inhibitoren als erste DMARD erhalten hatten, als auch für Patienten, die vorher bereits mit anderen Biologika behandelt wurden. Ein Einsatz über mehr als vier Jahre erhöhte das Melanomrisiko nicht.

Auch Patienten, die mit neueren Biologika behandelt wurden, sind bisher nicht häufiger als andere Rheumapatienten an Krebs erkrankt. Die einzige Ausnahme war eine erhöhte Zahl von Spinaliomen unter der Behandlung mit Abatacept (Hazard Ratio 2,15; 1,31–3,52). Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Ergebnisse in zukünftigen Analysen bestätigen werden.

Trotz der Negativergebnisse gibt es gute Gründe, die Register fortzuführen. Es bleibt durchaus möglich, dass bei einer längeren Beobachtungszeit doch noch ein erhöhtes Risiko gefunden wird, schreibt Askling. © rme/aerzteblatt.de

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