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Politik

Zahl der in MVZ arbeitenden Ärzte steigt weiter an

Mittwoch, 20. September 2017

/dpa

Berlin – Die Zahl der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sowie der in MVZ arbeitenden Ärzte nimmt weiter zu. „Wir sehen, dass strukturell die klassische Einzelpraxis seltener wird, während die Zahl der MVZ seit Jahren ansteigt“, sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes MVZ (BMVZ), Bernd Köppl, heute auf dem Praktikerkongress des Verbandes in Berlin. So sei der Anteil der Ärzte in Einzelpraxen von 55 Prozent im Jahr 2010 auf 50,8 Prozent im vergangenen Jahr gesunken, während der Anteil der Ärzte in MVZ im gleichen Zeitraum von 6,5 Prozent auf 11,2 Prozent angestiegen sei.

Auch die absolute Zahl der MVZ sei im vergangenen Jahr weiter angestiegen: auf 2.490. „Im Versorgungsstärkungsgesetz hat die Bundesregierung fachgruppengleiche MVZ ermöglicht“, so Köppl. Das habe zu einer verstärkten Gründungswelle vor allem durch Vertragsärzte geführt. Wurden 2014 noch 67 MVZ neu zugelassen und im folgenden Jahr 86, waren es im vergangenen Jahr 334. Insofern habe auch der Anteil der Krankenhaus-MVZ strukturell etwas abgenommen, erklärte Köppl. Aktuell seien 43 Prozent aller Medizinischen Versorgungszentren Vertragsarzt-MVZ, 38,8 Prozent seien Krankenhaus-MVZ und 18,2 Prozent lägen in der Trägerschaft von anderen Akteuren.

„Wir wollen nicht bessergestellt sein, aber auch nicht schlechter“

Die Politik befürworte die Einrichtung von MVZ, sagte Köppl. Und die MVZ seien auch gut für den von Union und SPD anvisierten Abbau der Sektorengrenzen in der nächsten Legislaturperiode gewappnet. In manchen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) gebe es hingegen nach wie vor Akteure, die MVZ kritisch sähen. Man könne MVZ zwar nicht mehr ignorieren, so Köppl, als gleichberechtigte Partner seien sie aber auch noch nicht überall akzeptiert. Dennoch sei der Umgang der KVen mit MVZ besser geworden, wie eine Umfrage des BMVZ unter seinen Mitgliedern gezeigt habe.

Peter Velling, der Köppl im Amt des Vorstandsvorsitzendes des BMVZ folgt, forderte, dass angestellte Ärzte als gleichberechtigt akzeptiert würden. „Wir wollen nicht bessergestellt sein als niedergelassene Ärzte“, betonte er, „aber auch nicht schlechter.“ So müssten alle Ärzte, die die gleiche Qualifikation haben, für die gleiche Leistung auch das gleiche Geld erhalten.

Angestellte Ärzte sind in den KVen unterrepräsentiert

Velling betonte, dass sich angestellte Ärzte stärker in den KVen engagieren müssten. „Bei der KV-Wahl in diesem Jahr haben angestellte Ärzte nicht die Rolle gespielt, die sie hätten spielen können“, sagte er. Denn nur sieben Prozent der Ärzte, die bei der KV-Wahl bundesweit in die Ver­tre­ter­ver­samm­lungen gewählt wurden, seien angestellte Ärzte gewesen. „Deshalb sind wir in den KVen leider relativ unterrepräsentiert“, so Velling. „Da müssen wir uns aber an die eigene Nase fassen. Es ist uns nicht gelungen, zu den wahlberechtigten angestellten Ärzten durchzudringen.“

Dafür hätten alle KVen inzwischen ihre Satzungen angepasst und den seit Juli 2015 verpflichtenden Fachausschuss „Angestellte Ärzte“ auch eingerichtet, berichtete Velling. Die Größe der bestehenden Ausschüsse reiche dabei von drei bis acht Ärzte.

Velling wies zudem darauf hin, dass die steigende Zahl angestellter Ärzte auch dazu führe, dass insgesamt mehr Ärzte gebraucht würden – weil angestellte Ärzte eine 60-Stunden-Woche nicht mehr als normal ansähen. Deshalb werde die Versorgungs­problematik größer werden, auch in den Städten.

Medi Geno: Ärztenetze sollen auch MVZ gründen können

Derweil forderte der Verband Medi Geno Deutschland den Gesetzgeber auf, Ärzte­netzen im Sozialgesetzbuch V einen Gründerstatus zu erteilen, damit sie MVZ gründen könnten. „Dadurch könnten unsere Netze eigenverantwortlich an der Versorgung teilnehmen und neue ambulante Kooperationen sowie Konzepte aufbauen, und die Praxissitze blieben in der Hand der Niedergelassenen“, erklärte der Vorstands­vorsitzen­de von Medi Geno Deutschland, Werner Baumgärtner. © fos/aerzteblatt.de

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