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Ärzteschaft

Notfallversorgung eines der drängendsten Themen

Freitag, 22. September 2017

/peerawat444, stock.adobe.com

Berlin – Die Neuordnung des vertragsärztlichen Bereitschaftsdienstes und der Notfallversorgung ist eines der drängendsten Themen für die Versorgung und werde „ganz sicher bei den kommenden Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen“. Das hat der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Stephan Hofmeister, heute vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) betont.

„Ich verweise bei jeder Gelegenheit darauf, dass die bundesweite Lösung, die wir mit der 116117 und der Notfall-App entwickeln, nur das gemeinsame ,Frontend’ der Notfallversorgung ist, hinter dem sich die jeweiligen regionalen Lösungen verbergen“, sagte er. Hofmeister zeigte sich stolz darauf, dass es bereits erfolgreiche regionale Ansätze für die Verbesserung des Bereitschaftsdienstes gebe. Er betonte zudem, dass eine Reform der Notfallversorgung aus ärztlicher Sicht betrachtet werden müsse.

Schließlich würden die Patienten im Bedarfsfall von Ärzten vor Ort versorgt und nicht von Politikern, Krankenhausverwal­tun­gen oder Krankenkassen, so Hofmeister. Deshalb sei er froh, mit dem Marburger Bund zu kooperieren und das Thema Notfallversorgung aus ärztlicher Sicht anzugehen.

Den eingeschlagenen Weg bezeichnete Hofmeister als den besten, der sich biete. „Er bedeutet, dass wir als Vertragsärzte den Bereitschaftsdienst über den im Sicherstellungsauftrag gesetzten Rahmen hinaus erfüllen, einfach deshalb, weil wir sicher sind, dass die vertragsärztliche Versorgung ohne Bereitschaftsdienst aus unserer Hand in ihren Grundfesten gefährdet wäre“, so Hofmeister.

Politik hat verstanden

Er erklärte zugleich, die Politik habe mittlerweile verstanden. „Man hat verstanden, dass nicht ein Modell über das ganze Land gestülpt werden kann – Stichwort Portalpraxen an jeder Klinik –, man hat aber vor allem auch verstanden, dass wir Vertragsärzte uns bewegen und die Dinge selbst in die Hand nehmen“, sagte er.

Verwundert zeigte sich Hofmeister über Ideen zum Arztinformationssystem (AIS). „So, wie es sich die Kassen derzeit vorstellen, läuft alles darauf hinaus, dass der Vertrags­arzt zusätzliche Kosten, zusätzliche Arbeit und zusätzliche Haftung aufgebürdet bekommt“, sagte er. „Genau das ist es nicht, was wir uns unter einem sinnvollen AIS vorstellen.“ Hofmeister führte aus, wenn über ein solches System eine Informationsflut ausgelöst werde, die eher verwirre als nütze, sei das „deutlich kontraproduktiv“.  Das einfache Bereitstellen von PDF-Dateien sei „nicht Digitalisierung, sondern, wie meine Kinder sagen würden, ,voll analog’“.

Hofmeister wiederholte vor der VV die Position der KBV. „Das AIS soll praxistaugliche und damit wirklich sinnvolle Informationen zur frühen Nutzenbewertung transportieren und der Arzt muss selbstverständlich die Verordnungshoheit behalten“, sagte er. Aus „Informa­tion“ dürfe keine „kassengesteuerte Verordnungskontrolle“ werden. Außerdem müsse der Mehraufwand, der dem Arzt durch das AIS in technischer wie in kommunikativer Hinsicht entstehe, entsprechend honoriert werden. „Wir haben uns zu diesen Forderungen mit der ABDA kurzgeschlossen und wir wollen gemeinsam unsere Position in der genannten Richtung bekräftigen“, führte der KBV-Vize aus.

Die Honorarverhandlungen nannte Hofmeister „ein unsägliches Schauspiel“. „Herr Gassen hat das eben zu Recht skandalisiert. Von mir nur eine Ergänzung dazu: Ich halte es für besonders perfide, wenn der GKV-Spitzenverband die 63 Millionen Euro für die NäPas als Honorarsteigerung verkauft“, führte er aus. Das sei falsch. Es handele sich vielmehr um einen simplen Reparaturbeschluss, der gewährleisten solle, dass die ursprünglich vorgesehenen Gelder auch wirklich in der Versorgung ankämen.

In Bezug auf Kritik am Beschluss des Bewertungsausschusses zur Palliativversorgung, sagte Hofmeister, er könne diese „nur sehr bedingt nachvollziehen“, zumal diese in mehreren Punkten „offenbar auf falschen Informationen beruhte“. Ein Punkt daraus sei aber so wichtig, dass einmal etwas Grundsätzliches dazu gesagt werden müsse. „Auch in der hausärztlichen Medizin gibt es selbstverständlich Fortentwicklungen in der medizinischen Versorgung, die Weiterqualifikationen nötig machen. Exemplarisch und historisch sei hier die Sonografie genannt“, führte Hofmeister aus. „Neue“ Ärzte nutzten sie in der Weiterbildung, „alte“ mussten sie berufsbegleitend erlernen, wenn sie diese diagnostische Methode einsetzen wollten.

Allgemeinmedizin muss sich bewegen

Hofmeister nannte es ungeheuer wichtig, dass solche Entwicklungen für die haus­ärztliche Versorgung reklamiert und in die Weiter­bildungs­ordnung integriert würden. „,Wir haben schon immer alles gemacht’ wird nicht ausreichen, um den breit ausgebildeten und umfänglich zuständigen Facharzt für Allgemeinmedizin in der Versorgung behaupten zu können. Keine Krankenkasse, kein Politiker und auch kein Patientenvertreter lässt sich davon überzeugen“, sagte Hofmeister.

Genau dieser breit aufgestellte „Spezialist für Allgemeinmedizin“ sei aber der Anker der ambulanten Versorgung. Er sei weder ersetzbar durch nicht ärztliche Gesundheits­berufe, akademisch oder nicht, noch durch Fachärzte, die „nebenher“ hausärztlich tätig sind. Für ihn sei klar, dass der Hausarzt und Facharzt für Allgemeinmedizin der Arzt sei, der die Patienten umfassend diagnostiziere, therapiere und ganzheitlich betreue und dazu selbstverständlich auch die Weiterentwicklungen in der medizinischen Erkenntnis jederzeit in die Berufsausübung integriere. © may/aerzteblatt.de

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popert
am Samstag, 30. September 2017, 08:31

Einfachste Lösung: Ambulanzgebühr

Es ist auffällig, dass das Problem mit der übermässigen Inanspruchnahme der Ambulanzen nach Abschaffung der 10 EURO Gebühr zugenommen hat. Und es ist auffällig, dass das anscheinend weder Politikern noch dem SVR auffällt.
20 EURO pro Ambulanzbesuch, und das Problem ist beseitigt - und die Kliniken könnten ihre Überdiagnostik besser finanzieren.
Aber das ist wohl zu einfach, oder?
popert
am Samstag, 30. September 2017, 08:31

Einfachste Lösung: Ambulanzgebühr

Es ist auffällig, dass das Problem mit der übermässigen Inanspruchnahme der Ambulanzen nach Abschaffung der 10 EURO Gebühr zugenommen hat. Und es ist auffällig, dass das anscheinend weder Politikern noch dem SVR auffällt.
20 EURO pro Ambulanzbesuch, und das Problem ist beseitigt - und die Kliniken könnten ihre Überdiagnostik besser finanzieren.
Aber das ist wohl zu einfach, oder?

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