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Ärzteschaft

Hausärzte befassen sich mit Polypharmazie

Freitag, 22. September 2017

Düsseldorf – Die Polypharmazie stellt Allgemeinmediziner in der Versorgung immer wieder vor Probleme. Grund sei, dass Patienten unter anderem von Urologen, Kardiologen, Orthopäden und Rheumatologen versorgt würden. Darauf hat Stefan Wilm, Präsident des 51. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Allgemein­medizin und Familienmedizin (DEGAM) in Düsseldorf, aufmerksam gemacht.

Dennoch könnten Wilm zufolge Arzneimittel, die von Kollegen anhand von Leitlinien verordnet worden seien, nicht einfach abgesetzt werden. Trotzdem müsse etwas getan werden, so Wilm. Das sei „momentan ein großes Thema in der Allgemeinmedizin“. Wilm wies dabei auf die Folgen der Polypharmazie hin, die er als „immens“ bezeichnete. Diese reichten vom Sturz mit anschließender Hospitali­sierung bis hin zum Tod der Patienten. Daher werden der Kongress der Frage nachgehen, ob der Hausarzt Medikamente einfach absetzen dürfe, erklärte Wilm.

Forschungsprojekte kritisch betrachten

Der Kongresspräsident machte deutlich, dass sich die Hausärzte auf der Tagung auch mit Projekten befassten, die die Versorgung der Patienten verändert hätten. „Es geht darum kritisch draufzuschauen, was sie gebracht haben“, sagte Wilm und nannte als Beispiel die Software „ariba“. Durch diese sei die Beratung von Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes und Nikotinabusus in den Praxen deutlich strukturierter geworden – und zwar sowohl für Ärzte als auch für Betroffene.

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Außerdem werde zurzeit sehr viel rund um Disease-Management-Programme (DMP) geforscht. Diese Forschung und ihre Ergebnisse sollen ebenso kritisch in den Blick genommen werden wie ein wissenschaftliches Projekt zur medikamentösen Behandlung von Harnwegsinfekten, aus der die DEGAM-Leitlinie zu Brennen beim Wasserlassen hervorgegangen sei, und Antibiotika der dritten und vierten Generation, die nach Ansicht Wilms „völlig falsch“ verordnet werden.

Dass sich Hausarzt und Wissenschaft nicht ausschließen, sondern sogar sehr gut zusammenpassen, betonte die Präsidentin der DEGAM, Erika Baum. Sorgen macht sie sich um den Materplan Medizinstudium und die Einarbeitung in die Approbations­ordnung. Als Grund nannte sie die Bundestagswahl und eine mögliche Neubesetzung der Ministerien. Nach einem Jahr werde dann „Bewegung reinkommen“, meinte sie. Aber ein Jahr lang passiere „erst mal nichts.“

Aufmerksam machen will die DEGAM auch auf den internationalen Austausch und die internationale Vernetzung von Hausärzten. Daher begrüßte sie beim Kongress in Düsseldorf mit der Universität Maastricht erstmals eine internationale Gastuniversität. „Es gibt verschie­dene Möglichkeiten für junge Allgemeinmediziner, am internationalen Austausch teilzunehmen, vor allem über internationale Forschungsprojekte“, erläuterte Christian Rechtenbach, der für Internationales zuständige Sprecher der Jungen Allgemeinmedizin Deutschlands (JADE). Er wünsche sich, dass sich mehr Kollegen „Motivationsschübe holen und Erfahrungen aus dem Ausland mitbringen“. © ts/aerzteblatt.de

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