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Medizin

Adipositas: Magenbypass senkt Körpergewicht langfristig und vermeidet Typ 2-Diabetes

Freitag, 22. September 2017

/dpa

Salt Lake City – Ein Roux-en-Y-Magenbypass kann langfristig den Body-Mass-Index senken. In einer prospektiven Beobachtungsstudie konnten die Teilnehmer auch nach 12 Jahren ihr reduziertes Körpergewicht halten. Bei vielen Patienten kam es laut einer Publikation im New England Journal of Medicine (2017; 377: 1143-1155) zur Remission ihres Typ 2-Diabetes. Neuerkrankungen wurden fast vollständig verhindert.

Nicht alle scheinen glücklich mit ihrem neuen Leben zu sein. Es gab mehrere Suizide. Der Roux-en-Y-Magenbypass verbindet einen verkleinerten Magen mit einem verkürzten Dünndarm, dem die Verdauungssäfte aus dem Duodenum erst nach einer Strecke von 100 bis 150 Zentimetern zugeführt werden. Nach der Operation kommt es zu einer raschen Verbesserung des Stoffwechsels, die nicht selten der erzwungenen Gewichtsabnahme vorausgeht: Die Operation kann einen Typ 2-Diabetes heilen.

Allerdings bleibt die Verkürzung der intestinalen Resorptionsstrecke nicht ohne Folgen: Die Patienten müssen zur Vermeidung von Mangelerscheinungen auf eine ausgewo­gene Ernährung achten und Defizite bei Vitaminen und Spurenelementen durch Supplemente ausgleichen. Eine aktuelle Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA doi:10.1001/jamasurg.2017.3158) zeigt, dass fast die Hälfte der Patienten nach zehn Jahren eine Anämie entwickelt hat. Mögliche Ursache: Mangel am Intrinsic factor.

Hinsichtlich der Entwicklung des Körpergewichts scheinen die Bedenken jedoch unbegründet zu sein. Die meisten Patienten könnten nach einer raschen Phase der Gewichtsabnahme ihr Gewicht halten, so auch die 418 Patienten, die sich ab 2000 an einer Klinik in Salt Lake City operieren ließen und die ein Team der University of Utah School of Medicine seither regelmäßig nachuntersucht.

Dabei hatten jeweils mehr als 90 Prozent der Teilnehmer die Einladungen ange­nommen, was die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse unterstreicht. Bei der ersten Nachuntersuchung nach zwei Jahren hatten die Teilnehmer, die vor der Operation im Mittel 133 kg gewogen hatten, im Durchschnitt 45,0 kg abgenommen. Nach sechs Jahren wogen sie im Durchschnitt 36,3 kg weniger als vor der Operation.

Wie Ted Adams und Mitarbeiter jetzt berichten, konnten sie ihr Gewicht in den folgenden sechs Jahren halten. Die Gewichtsreduktion liegt aktuell zwölf Jahre nach der Operation im Mittel bei 35,0 kg: 93 Prozent der Patienten haben wenigstens 10 Prozent, 70 Prozent wenigstens 20 Prozent und 40 Prozent wenigstens 30 Prozent an Gewicht verloren. Bei den Teilnehmern aus zwei Vergleichsgruppen, die nicht operiert worden waren, war es dagegen zu keiner spürbaren Änderung des Körpergewichts gekommen – außer bei denen, die sich später doch noch für eine Operation entschieden beziehungsweise einen Kostenträger gefunden hatten.

Auch die günstigen Auswirkungen auf den Stoffwechsel hatten Bestand. Von den Patienten, bei denen vor der Operation ein Typ 2-Diabetes diagnostiziert worden war, waren nach zwei Jahren 75 Prozent in Remission. Nach sechs Jahren waren noch 62 Prozent und nach zwölf Jahren noch 51 Prozent in Remission. Dass einige Patienten später doch wieder an einem Typ 2-Diabetes erkrankten, könnte an einer Vor­schädigung der Beta-Zellen gelegen gaben.

Die Zellen steigern zu Beginn der Erkrankung die Hormonproduktion, um die Insulinresistenz zu überwinden, später kommt es zu einer Erschöpfung. Von den Patienten, die vor der Operation keine Diabetesmedikamente einnahmen, sind noch immer 73 Prozent in Remission gegenüber 56 Prozent, die bereits orale Antidiabetika erhalten hatten und 16 Prozent, die Insulin benötigt hatten.

Noch besser war der Schutz vor einer Neuerkrankung am Typ 2-Diabetes: Die Inzidenz betrug bei den operierten Patienten nur 3 Prozent gegenüber 26 Prozent in den Kontrollgruppen. Auch bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck oder Fettstoffwechsel­störungen kam es häufiger zu einer Remission und seltener zu einer Neuerkrankung, auch wenn der Einfluss der Operation hier insgesamt geringer war als beim Blutzucker.

Die gute Entwicklung von Körpergewicht und Stoffwechsel bedeutet allerdings nicht, dass alle Patienten glücklich mit der Entwicklung waren. Insgesamt fünf Patienten haben sich seit der Operation das Leben genommen. Hinzu kamen noch einmal zwei Suizide bei Patienten aus den Kontrollgruppen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt doch zu einer Operation entschlossen hatten.

Ein erhöhtes Suizidrisiko ist laut Adams auch in anderen Studien aufgefallen. Die Ursache ist nicht ganz klar. Neben einer Unzufriedenheit könnten auch andere Faktoren, etwa eine verminderte Resorption von Antidiabetika eine Rolle spielen, vermutet Adams. © rme/aerzteblatt.de

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