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Ärzteschaft

Digitalisierung benötigt Strategie, Augenmaß und Ruhe

Freitag, 22. September 2017

/Wax, stock.adobe.com

Berlin – Um die Chancen der Digitalisierung für die Versorgung effizient nutzen zu können, bedarf es einer E-Health-Strategie. Zum einen müsse die Politik eine über­greifenden E-Health-Strategie verfolgen, das gelte aber genauso für das System der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), erklärte Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Rahmen der heutigen Vertreter­versammlung (VV).

Digitalisierung sei kein autonomes Ziel, sondern ein Instrument zur Unterstützung der Versorgung. „Wir müssen dafür sorgen, dass technische Anwendungen auf die Bedürf­nisse der Praxis und der ambulanten Versorgung ausgerichtet sind – und nicht umge­kehrt“, unterstrich Kriedel. Interoperabilität, Datenschutz sowie klare Zulassungs­systeme für Gesundheitsanwendungen seien für die sichere Vernetzung der vertrags­ärztlichen und sektorenübergreifenden Versorgung unverzichtbar.

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„Ohne Interoperabilität gibt es keine funktionierende Vernetzung. Wir brauchen verbindliche Standards, damit wir einen vernetzten Informationsfluss sowohl für die vertragsärztliche als auch die sektorenübergreifende Versorgung erreichen können“, betonte Kriedel. Wett­bewerb im Bereich der Gesundheits-IT sei gut – wenn er in diesem Rahmen stattfinde. Das sei das Entscheidende.

Selbstverständlich müssten die digitalen Anwendungen zudem sicher und für die Ärzte und Psychotherapeuten auch aufwandsarm und nutzbringend sein. „In den Bereichen, wo Wissenschaft und Industrie digitale Anwendungen entwickeln, müssen die Nutzer – also unsere Mitglieder – umfassend mit einbezogen werden. Ohne ärztliche Kompetenz laufen die Entwicklungen ins Leere“, mahnte der KBV-Vorstand.

Tempo unzufriedenstellend

Kriedel mahnte auch, die Tele­ma­tik­infra­struk­tur müsse sich in diesem Sinne weiter­entwickeln. Zwar stehe der Rollout der Komponenten für das Versichertenstammdaten­management (VSDM) kurz bevor. An der Einführung weiterer Anwendungen wie E-Medikationsplan und Notfalldatenmanagement werde gearbeitet. Aber: „Das geht aufseiten der Industrie nicht immer im gewünschten Tempo. Wir fordern in unserem Strategiepapier deshalb, dass es der KBV in solchen Fällen möglich sein muss, eigene Produkte anzubieten oder die Entwicklung von Anwendungen zu beauftragen. Selbst­verständlich müssen sie dann in die TI integriert sein“, so Kriedel.

Er riet den Ärzten angesichts der bestehenden Verunsicherung des geplanten Rollouts, sich nicht unter Druck setzen zu lassen sowie Verträge und Zusatzkosten genau zu prüfen. „Beim Kauf der Komponenten für das Versichertenstammdatenmanagement sollten alle einen kühlen Kopf bewahren“, so der KBV-Vorstand. Mitglieder hätten dafür mindestens bis zum 1. Juli 2018 Zeit, eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember 2018 sei bereits beantragt worden.

ePA ist Herzstück

Die elektronische Patientenakte (ePA) nannte Kriedel ein „Herzstück“ der Telematik­infrastruktur (TI). Auch dafür seien Standards notwendig. „Wie auch immer die Benut­zeroberfläche der einzelnen ePA-Anbieter aussieht – technisch darf es nur eine geben“, forderte Kriedel. Für die Praxen müsse es immer einen gleichartigen Zugriff geben; am besten im Praxisverwaltungssystem integriert. „Eine ePA: bundesweit auch einheitlich in puncto Sicherheit und Semantik – das ist die Conditio sine qua non“, mahnte der KBV-Vorstand, der auch für die Anwendung von Gesundheits-Apps in der vertrags­ärztlichen Versorgung klare Zulassungskriterien durch legitimierte Institutionen für notwendig hält.

Abschließend verwies Kriedel darauf, dass der aktuelle Bürokratieindex der KBV konkrete Vorschlägen zur Entbürokratisierung enthalten werde. „Und wir halten an der Forderung fest, ein verbindliches Abbauziel für Bürokratiekosten zu etablieren“, unter­strich er. Ein entsprechender Formulierungsvorschlag für das SGB V sei bereits an den Nationalen Normenkontrollrat übermittelt worden. „Ich denke, das sollte auch ein Thema für einen künftigen Koalitionsvertrag sein“, ergänzte Kriedel. © hil/sb/may/aerzteblatt.de

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