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Kombination breit wirksamer und trivalenter Antikörper könnten vor HIV-Infektion schützen

Freitag, 22. September 2017

/dpa

Bethesda/Boston – In den USA beginnen demnächst klinische Studien mit breit wirksamen Antikörpern, die vor einer Infektion mit dem HI-Virus schützen sollen. Vorbereitende tierexperimentelle Studien in Science Translational Medicine (2017; 9: eaao4235) zeigen, dass vermutlich mehrere Antikörper kombiniert werden müssen, um eine Infektion zu verhindern. In Science (2017; doi: 10.1126/science.aan8630) stellen Forscher einen synthetischen Antikörper vor, der gleich drei Antigene des HI-Virus erkennt.

Die sexuelle Übertragung von HIV erfolgt nicht mit einzelnen genetischen Viren. Das Immunsystem ist vielmehr mit einem „Schwarm“ unterschiedlicher HIV-Varianten konfrontiert, gegen die es keinen Immunschutz aufbauen kann. Aus diesem Grund sind auch die bisherigen Impfstoffe gescheitert.

Die International AIDS Vaccine Initiative setzt deshalb nicht mehr auf einen einzelnen Impfstoff, sondern auf Kombinationen. Derzeit wird auch weniger mit Impfstoffen zur aktiven Immunisierung experimentiert, bei denen das Immunsystem nach dem Kontakt mit einem Antigen die schützenden Antikörper herstellt. Der Schwerpunkt liegt viel­mehr auf einer passiven Immunisierung, bei der dem Körper die protektiven Antikörper durch Infusionen zugeführt werden.  

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Anlass für den Sinneswandel war die Entdeckung von breit wirksamen Antikörpern. Sie erkennen Bestandteile der Virushülle, die nicht verändert werden, da sonst die Ansteckungsfähigkeit verloren gehen würde.

In Vorbereitung einer klinischen Studie hat ein Team um Dan Barouch vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston die Antikörper PGT121 und PGDM1400 an Rhesus-Affen getestet. Beide gehören zu den breit wirksamen Antikörpern, die die überwie­gende Mehrzahl der bekannten HIV-Varianten erkennen. Als Monotherapie waren beide Impfstoffe jedoch nicht in der Lage, die Affen vor einer Infektion mit dem simian-humanen Immunschwächevirus (SHIV) zu schützen. Wurden beide Antikörper jedoch gemeinsam verabreicht, erkrankte keines der Tiere nach einer absichtlichen Infektion mit SHIV, das dem HI-Virus beim Menschen entspricht.

Diese Ergebnisse berechtigen zu der Hoffnung, dass eine der beiden geplanten klinischen Studien zum Einsatz von breit wirksamen Antikörpern erfolgreich sein wird. In der Studie sollen 60 Personen mit einem erhöhten Infektionsrisiko entweder mit dem Antikörper PGDM1400 oder mit einer Kombination der Antikörper PGDM1400 und PGT121 behandelt werden (NCT03205917). In der zweiten Studie ist nur der Einsatz des Antikörpers PGT121 geplant (NCT02960581). Nach den neuesten Ergebnissen von Barouch stellt sich die Frage, ob diese Studie noch sinnvoll ist.

Ein weiterer Fortschritt könnte die Entwicklung von trispezifischen Antikörpern sein, die Forschern der Firma Sanofi aus Paris gelungen ist. Normalerweise haben Antikörper nur zwei Bindungsstellen für Antigene. Durch ein chemisches Verfahren, das der Hersteller als „Knopf-in-Loch-Heterodimerisierung“ bezeichnet, konnten auf einem Arm des y-förmigen Antikörpers gleich zwei Bindungsstellen platziert werden.

In einem ersten Schritt wurden unterschiedliche trispezifische Antikörper im Labor auf ihre Fähigkeit untersucht, HI-Viren zu neutralisieren. Die besten Ergebnisse wurden mit einem Antikörper erzielt, der die Bindungsstellen der breit wirksamen Antikörper VRC01, PGDM1400 und 10E8v4 kombiniert.

Danach erhielten drei Gruppen aus jeweils acht Affen Infusionen mit den Antikörpern VRC01, PGDM1400 oder dem trispezifischen Antikörper. Fünf Tage später wurden alle Affen mit SHIV inokuliert. Fünf der acht Affen, die PGDM1400 erhielten, und sechs der acht Affen, die VRC01 erhielten, infizierten sich, während die trispezifischen Antikörper die Viren bei allen acht Tieren erfolgreich abwehrten. Im nächsten Schritt ist eine klinische Phase 1-Studie geplant, die zunächst die Sicherheit des Antikörpers bei gesunden Probanden untersuchen soll. Später könnten dann Studien an Personen mit einem erhöhten Infektionsrisiko folgen. © rme/aerzteblatt.de

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Hermione
am Montag, 25. September 2017, 10:42

Missverständliche Überschrift!

Die Antikörper sollen ganz offensichtlich VOR einer HIV-Infektion schützen. In der Überschrift klingt die Botschaft durch das fehlende "VOR" leider anders...

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