Medizin
Asthmamedikamente reduzieren möglicherweise das Parkinson-Risiko
Montag, 25. September 2017
Leipzig/Berlin – Ein Anfang September in der Zeitschrift Science erschienener Beitrag sorgt im Augenblick für Diskussionen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig. Ein multidisziplinäres Forscherteam um Studienleiter Clemens Scherzer von der Harvard Medical School stellt darin die These auf, dass bestimmte Asthmamedikamente möglicherweise das Risiko vermindern, an Morbus Parkinson zu erkranken (2017; doi: 10.1126/science.aaf3934).
„Die Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Pathogenese der Parkinson-Krankheit und sollte unbedingt in klinischen Studien auf ihre Praxisrelevanz überprüft werden“, sagte Jens Volkmann, Direktor der neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg und zweiter Vorsitzender der Deutschen Parkinson-Gesellschaft auf der DGN-Tagung in Leipzig.
Reduktion der Alpha-Synuklein-Bildung
Laut der Studie reduzieren Beta2-Adrenozeptor-Agonisten wie Salbutamol die Transkription des Gens für Alpha-Synuklein. Ablagerungen von pathologischem Alpha-Synuklein gelten wiederum vielfach als ursächlich für die Parkinson-Krankheit. Die jetzt publizierte Studie sollte klären, ob es möglich ist, schon auf der Ebene des Alpha-Synuklein-Gens (SNCA) in die Produktion des krankheitsauslösenden Proteins einzugreifen.
Die Forscher fanden in Kulturen menschlicher Nervenzellen dass Agonisten des Beta2-Adrenozeptors die Transkription von SNCA signifikant erniedrigen, während der entgegengesetzt wirkende Betablocker Propanolol sie signifikant erhöht. Zudem fanden die Wissenschaftler bei Mäusen unter Beta2-Agonisten eine signifikante Reduktion der Alpha-Synuklein-Bildung in der Substantia nigra.
Mittels einer epidemiologischen Studie untersuchten die Forscher ihre Ergebnisse auch in Bezug auf Menschen: Anhand einer Datenbank, in der die Verschreibungen sämtlicher Arzneimittel an alle Einwohner Norwegens erfasst sind, suchten sie nach einem möglichen Zusammenhang. Sie fanden etwa 300.000 Patienten, die das Asthma-Medikament Salbutamol eingenommen hatten.
Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung war das Risiko dieser Menschen, an Parkinson zu erkranken, in den nachfolgenden elf Jahren um 33 Prozent niedriger. Mehr als 9.000 Menschen hatten Propanolol erhalten, und in dieser Gruppe war das Risiko, Parkinson zu entwickeln, mehr als verdoppelt.
„Die Studie ist hochinteressant, da sie einen neuen krankheitsmodifizierenden medikamentösen Behandlungsansatz der Parkinson-Krankheit vorstellt, der früher in den Krankheitsprozess eingreift als alle bisher verfügbaren Therapien“, sagte Volkmann. Er betonte jedoch, dass der Nutzen der Medikation noch in großen prospektiven Studien belegt werden müsse. © hil/aerzteblatt.de

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