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Medizin

Studie: Häufigere Blutspenden schaden nicht

Sonntag, 24. September 2017

/kasto, stock.adobe.com

London – Ein Mindestabstand zwischen zwei Blutspenden von acht Wochen für Männer und zwölf Wochen für Frauen, der in Deutschland üblich ist, hat sich in einer rando­misierten klinischen Studie in England als sicher erwiesen, bei vielen Teilnehmern kam es allerdings zu einem latenten Eisenmangel, wie die Publikation im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31928-1) zeigt.

In England dürfen Männer nur alle zwölf Wochen und Frauen nur alle 16 Wochen Blut spenden. Die im Vergleich zu Deutschland oder den USA (wo Frauen und Männer alle acht Wochen spenden dürfen) relativ langen Abstände bedeuten, dass dem „NHS Blood and Transplant“ durch regelmäßige Spender ein Drittel weniger Vollblutspenden zur Verfügung stehen.

Die Universität Oxford wurde deshalb mit der Durchführung einer randomisierten Studie beauftragt, an der zwischen Juni 2012 und Juni 2014 an 25 Zentren mehr als 45.000 Blutspender teilnahmen. Die Männer wurden auf drei Gruppen randomisiert, in denen die Blutspenden im Abstand von zwölf, zehn und acht Wochen durchgeführt wurden. Bei den Frauen wurden die Intervalle 16, 14 und zwölf Wochen untersucht.

Die vom Team um Jane Armitage jetzt vorgestellten Endergebnisse zeigen, dass die Verkürzung der Intervalle tatsächlich zu einer erhöhten Zahl von Blutspenden führt. Die Männer spendeten bei einem Acht-Wochen-Intervall im Mittel 1,69 Einheiten mehr Blut (795 ml) als unter der derzeitigen Zwölf-Wochen-Regel. Bei den Frauen betrug der Gewinn 0,84 Einheiten (395 ml), wenn sie alle 12 statt alle 16 Wochen spenden durften.

Die Spender verkrafteten die Spenden in der Regel gut. Die Männer hatten bei einer Kontrolle nach zwei Jahren einen Hb-Wert von 14,3 g/dl (gegenüber 14,6 g/dl nach 12-Wochen-Intervallen). Nur 18,0 Prozent (versus 10,3 Prozent) der Männer lagen unter dem Grenzwert von 13,5 g/dl. Bei Frauen wurde ein mittlerer Hb-Wert 13,1 g/dl (gegenüber 13,2 g/dl nach 16-Wochen-Intervallen) gemessen. Insgesamt 19,4 Pro­zent(15,7 Prozent) der Frauen lagen unter dem Grenzwert von 12,5 g/dl.

Beim Ferritin-Wert zeigt sich aber, dass die häufigen Blutspenden doch an den Eisenreserven nagen. Bei Männern fiel der Wert bei den kurzen Intervallen auf 25,7 µg/l gegenüber 36,3 µg/l bei dem längsten Intervall. Bei den Frauen betrug der Unterschied 21,9 versus 26,0 µg/l.

Dieser Rückgang ist nicht weiter verwunderlich, da mit jeder Blutspende je nach Hämatokrit zwischen 200 und 250 mg Eisen verloren gehen. Da die durchschnittlichen Eisenspeicher bei Frauen nur 250 mg und beim Mann nur 1.000 mg betragen und die Aufnahme über den Darm begrenzt ist, gerät der eine oder andere regelmäßige Spender bald an seine Grenzen, wie Alan Mast von BloodCenter von Wisconsin in Milwaukee vorrechnet.

Tatsächlich wurde im kürzesten Intervall bei jedem viertel Spender wenigstens einmal ein Eisenmangel diagnostiziert und jeder dritte musste wenigstens einmal mit der Blutspende aussetzen, weil der Hb-Wert zu niedrig war. 

Die Befragung ergab, dass die häufigen Blutspender keine wesentlichen Einbußen in der Lebensqualität hatten und weder in den körperlichen noch in den kognitiven Funktionen eingeschränkt waren. Besonders die Männer gaben jedoch etwas häufiger typische Symptome einer Eisenmangelanämie wie Müdigkeit, Atemnot, Benommen­heit, Schwindel oder unruhige Beine an.

Mast schlägt deshalb vor, bei regelmäßigen Spendern hin und wieder den Ferritin-Wert zu bestimmen, um einen Eisenmangel bei den Spendern frühzeitig ausgleichen zu können. © rme/aerzteblatt.de

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