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Medizin

Autismus: Jungen mit einer älteren betroffenen Schwester haben das höchste Risiko

Mittwoch, 27. September 2017

Eine große Schwester mit einer autistischen Störung birgt das größte Autismus-Risiko für ihre jüngeren Brüder. /fieldwork, stock.adobe.com

Boston – Eine ältere Schwester mit autistischer Störung bedeutet für männlichen Nachwuchs das größte Risiko, ebenfalls betroffen zu sein. Zu diesem Schluss kommt eine Beobachtungsstudie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.2832).

Eltern, die bereits ein Kind mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASD) haben, fragen sich häufig, wie groß das Risiko bei einem zweiten Kind wäre. Bisher war bekannt, dass Geschwister ein Risiko von 6,1 bis 24,7 Prozent haben, ebenfalls betroffen zu sein. Zudem sind Jungen viermal häufiger betroffen als Mädchen – was die Studie bestätigen konnte. Neu ist, dass jetzt bekannt wurde, zu wie viel Prozent das Risiko auch vom Geschlecht des älteren Geschwisterpaars abhängt.

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Die Autoren um Nathan Palmer und Isaac Kohane von der Harvard Medical School in Boston haben Versicherungsdaten von mehr als 1,5 Millionen US-Familien ausgewer­tet, die zwei Kinder im Alter zwischen vier und 18 Jahren haben. Von mehr als 3,1 Millionen Kindern waren 39.000 mit ASD diagnostiziert – zwei Prozent Jungen und 0,5 Prozent Mädchen.

Ein Mädchen mit Autismus oder einer verwandten Störung aus dem Spektrum bedeutet für männlichen Nachwuchs ein Risiko von 17 Prozent, ebenfalls eine ASD zu ent­wickeln. Für weiblichen Nachwuchs liegt das Risiko bei 7,6 Prozent. Hingegen sank das Risiko für Jungen auf 13 Prozent, wenn es sich um einen älteren Bruder mit ASD handelt. Eltern, deren Sohn austistisch ist und die ein Mädchen erwarten, kann der Arzt das niedrigste Risiko von vier Prozent mitteilen.

Umweltfaktoren spielen eine untergeordnete Rolle

In einem zweiten Beitrag in Jama (Letters), erläutern Forscher von der Ichan School of Medicine Mount Sinai, New York und dem Karolinska Institut in Stockholm den Einfluss der Vererbarkeit von ASD. Dafür analysierten sie einen schwedischen Datensatz, der 14.516 Kinder mit Autismus beinhaltete. Genetische Faktoren spielen demnach eine vorrangige Rolle von 83 Prozent. Umweltfaktoren ordnen die Autoren einen geringeren Einfluss zu, der sich auf 17 Prozent beläuft. Im Kontext früherer Studien liegen diese Werte im Mittel: Die Schätzung von 83 Prozent liegt leicht unter 90 Prozent aus früheren Zwillingsstudien und weit über 38 Prozent, dem Ergebnis einer kalifornischen Zwillingsstudie. © gie/aerzteblatt.de

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