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Amblyopie-Therapie auch im Schulalter noch sinnvoll

Montag, 25. September 2017

/dpa

Berlin – Neue Optionen für die Therapie der Schwachsichtigkeit bei Kindern erhoffen sich Augenärzte von Computerspielen, die speziell entwickelt wurden, um das Sehvermögen zu stärken. Darauf hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hingewiesen. Mehr als fünf Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter der Amblyopie genannten Sehstörung. Wird diese Schwachsichtigkeit zu spät erkannt oder ist die Therapie erfolglos, droht Betroffenen im Erwachsenenalter eine schwere Sehbehinderung, die sie beruflich wie gesellschaftlich stark beeinträchtigen kann. 

Lange galt das Einschulungsalter von sechs bis sieben Jahren als Grenze der Therapier­barkeit für Kinder mit Amblyopie. „Der Grund ist die Reifung des Sehsystems. Je ausgereifter die Gehirnteile sind, die Sehreize verarbeiten, desto geringer ist der Therapieerfolg“, erklärte Maria Fronius, Leiterin der Forschungsgruppe „Sehstörungen des Kindesalters“ am Universitätsklinikum Frankfurt am Main.

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Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigten jedoch, dass eine erfolgreiche Amblyo­pie-Therapie auch im Schulalter noch möglich sei. Zwar nehme die Plastizität des Sehsystems bis zum 16. Lebensjahr ab. „Doch die Erkenntnis, dass die Sehstörung auch in der späteren Kindheit behandelt werden kann, eröffnet neue Möglichkeiten“, so Fronius.

Bei der Standard-Therapie gegen Amblyopie erhält das Kind eine Brille gegen die Fehlsichtigkeit. Anschließend wird bei der so genannten Okklusionsmethode das sehstarke Auge mit einem Augenpflaster abgedeckt, um die Sehstärke des schwachen Auges zu trainieren. Computerspiele sollen jetzt das schwachsichtige Auge und auch die beidäugige Zusammenarbeit stimulieren.

„Dieser neue Therapieansatz verspricht nicht nur eine bessere Wirksamkeit. Auch die Therapietreue der Patienten könnte durch anregende Spiele deutlich verbessert werden“, erläuterte Thomas Kohnen, Präsident DOG. Anders als bei der Okklusions-Methode werde bei der Therapie am Bildschirm das schwächere Auge durch Erhöhung des Bildkontrastes stimuliert, während das starke Auge gleichzeitig mit einem reduzierten Bildkontrast umgehen müsse.

Fronius warnt aber vor zu hohen Erwartungen. „Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen und die gewonnenen Erkenntnisse müssen in weiteren Studien erprobt werden“, so die DOG-Expertin.

© hil/aerzteblatt.de

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