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Medizin

Wie Ontario die Zahl der postmortalen Organspender um über 50 Prozent steigerte

Dienstag, 26. September 2017

/dpa

Toronto – In der kanadischen Provinz Ontario ist Zahl der postmortalen Organspender in wenigen Jahren um 57 Prozent gestiegen. Eine Studie im Canadian Medical Asso­​ciation Journal (CMAJ 2017; 189: E1206-E1211) führt dies auf die Einführung des Herztod-Kriteriums für die Organentnahme zurück.

Der Hirntod war bis 2006 auch in Kanada das einzige Kriterium für eine postmortale Organspende. Die Organentnahme erfolgt dabei bei Menschen, deren Kreislauf nach einem dokumentierten Hirntod bis zur Organentnahme am Leben erhalten wurde. Das Hirntod-Kriterium erfüllte nicht nur ethische Voraussetzungen. Die lückenlose Perfu­sion bis zur Entnahme verbessert auch die Qualität der Organe. Inzwischen ist es möglich, Organe zu verwenden, die nach einem Herzstillstand und einer vorüber­gehenden Ischämie entnommen wurden.

Dies hat in einigen Ländern zur Einführung des Herztod-Kriteriums für die postmortale Organspende geführt. Sie stößt nicht nur aus ethischen Gründen auf Bedenken, beispielsweise in Deutschland, wo die Entnahme, die nach dem Herzstillstand rasch erfolgen muss, verboten ist. Es bestand auch die Sorge, dass die Einführung des Herztod-Kriteriums zu einem Rückgang der Organspenden nach Hirntod führen würde, da dessen Feststellung mit einem zusätzlichen Aufwand verbunden ist. 

Dieser Einwand war jedoch nicht berechtigt, wie die Erfahrungen aus Ontario zeigen. Dort ist seit 2006 eine Organentnahme nach Herztod möglich. Die Zahl der post­mortalen Organspender ist seither, wie Vivek Rao von der Universität Toronto und Mitarbeiter berichten von 578 in der Zeit vor der Reform auf 775 in den ersten Jahren danach auf mittlerweile 905 pro Jahr gestiegen. Der Anstieg ist nicht allein auf die Einführung des Herztods als Spendenkriterium zurückführen, berichtet Rao. Auch die Zahl der hirntoten Spender habe zugenommen.

Die herztoten Spender waren in der Regel jünger (41 versus 47 Jahre). Die Todes­ursache war überwiegend eine Anoxie, während die meisten hirntoten Spender an einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Schlaganfall gestorben waren. Die hirntoten Spender waren zu drei Viertel innerhalb von drei Tagen in der Klinik gestorben. Der Herztod war dagegen im Mittel nach sechs Tagen eingetreten.

Die „Organausbeute“ ist bei herztoten Spendern nach wie vor geringer. Im Durchschnitt konnten nur 2,58 Organe verteilt werden gegenüber 3,73 Organen hirntoter Spender. Rao nennt als Gründe die seltene Verwendung der Lungen und der Herzen. Bei den Lungen sei der Anteil in den letzten Jahren durch eine verbesserte ex-vivo Perfusion der Lungen gestiegen. Sie erwartet, dass die Entwicklung vergleichbarer Techniken auch die Verwendung von Herzen von herztoten Spendern erleichtern werde. © rme/aerzteblatt.de

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