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Medizin

Obeticholsäure: Tödliche Überdosierung bei Leberfunktions­störungen

Dienstag, 26. September 2017

Silver Spring – Bei der Therapie der primären biliären Cholangitis mit Obeticholsäure kann es zu tödlichen Überdosierungen kommen, wenn die Dosis bei Leberfunktions­störungen nicht angepasst wird. Die US-Arzneimittelbehörde FDA veröffentlicht nach zahlreichen Todesfällen eine Drug Safety Communication.

Der FDA Datenbank FAERS für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) sind seit der Zulassung des Präparates Ocaliva (Wirkstoff: Obeticholsäure) im Mai 2016 neunzehn Fälle gemeldet worden, in denen die Patienten während der Behandlung am Leberversagen gestorben sind. Da Obeticholsäure zur Behandlung der primären biliären Cholangitis zugelassen ist, die unbehandelt zum Leberversagen führt, ist eine kausale Zuordnung nicht so einfach möglich. 

Bei insgesamt acht der 19 Meldungen hatten die Ärzte jedoch Angaben zur Todesursache gemacht, und in sieben dieser acht Fälle waren die Patienten mit 5 mg Obeticholsäure pro Tag behandelt worden. Es handelt sich um die vorgesehene Dosis für Patienten mit normaler Leberfunktion. Bei eingeschränkter Leberfunktion sehen die Fachinformationen (selbstverständlich auch in Deutschland) eine Dosisanpassung auf 10 mg zweimal wöchentlich vor. Die FDA geht deshalb davon, dass die zu hohe Dosis am Tod der Patienten beteiligt gewesen war. 

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Die FDA-Recherchen ergaben elf weitere Fälle, in denen es zu schweren Leberschäden gekommen war. Darunter waren sechs Patienten, die bereits vor Beginn der Therapie eine Störung der Leberfunktion hatten, ohne dass eine Dosisanpassung erfolgt war. Drei Patienten starben am Leberversagen (sie gehören zu den oben erwähnten Patienten). Bei vier der sechs Patienten hatten die Ärzte Ocaliva abgesetzt, bei einem kam es daraufhin zu einer Verbesserung der Leberfunktion.

Fünf der elf Patienten hatten vor Beginn der Behandlung keine Störung der Leber­funktion. Sie waren mit 5 mg Obeticholsäure pro Tag behandelt worden. Nach dem Auftreten der Leberfunktionsstörung war Obeticholsäure bei allen fünf Patienten abgesetzt worden. Bei zwei kam es zu einer Verbesserung der Symptome, bei einem der beiden auch zu einer Verbesserung der Leberwerte.

Die FDA fordert die Ärzte auf, bei allen Patienten vor Beginn der Therapie die Leberfunktion zu prüfen. Bei Vorliegen einer mittelschweren bis schweren Leber­funktionsstörung (Child-Pugh B und C) sollte die Behandlung mit der reduzierten Anfangsdosis von 5 mg einmal wöchentlich begonnen werden (statt 5 mg pro Tag bei Patienten ohne eingeschränkte Leberfunktion). Wenn die Patienten die Behandlung tolerieren, könne die Dosis auf bis zu 10 mg zweimal wöchentlich erhöht werden. Während der Behandlung sollten die Leberwerte regelmäßig überprüft werden und die Patienten auf Symptome einer möglichen Leberschädigung hingewiesen werden. © rme/aerzteblatt.de

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