Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Forscher zuversichtlich im Kampf gegen multiresistente Keime

Dienstag, 26. September 2017

Saarbrücken – Wissenschaftler aus dem Saarland forschen an neuen Antibiotika, mit denen auch multiresistente Keime abgetötet und unwirksam gemacht werden können. „Wir sind nicht so weit, dass wir sagen können, wir haben ein Medikament entwickelt, das nächste Woche in der Apotheke erhältlich ist“, sagte der geschäftsführende Direktor das Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), Rolf Müller. Er sei aber zuversichtlich, dass dies in den nächsten Jahren gelingen könne.

Nicht nur im Reagenzglas könne man schon sehr gute Aktivitäten der Wirkstoffe beobachten, sondern auch bei Tierexperimenten eine Wirksamkeit gegen Infektionen erzielen. Keime wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) kommen dort vor, wo häufig Antibiotika eingesetzt werden – vor allem in Krankenhäusern.

Ein ewiger Kampf

Antibiotikaresistenzen gelten heute als eine der größten Herausforderungen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Wegen des zum Teil „unverantwortlichen und falschen Umgangs“, sowohl bei der Massentierhaltung als auch bei der leichtfertigen Abgabe an Menschen, seien viele Mikroorganismen unempfindlich gegen Antibiotika geworden, sagte der Professor für Pharmazeutische Biotechnologie. Offiziell geht man von 10.000 Todesfällen pro Jahr in Deutschland und 35.000 in Europa aus – wobei die Dunkelziffer weitaus höher sei.

„Wir stehen vor dem Risiko, dass wir die Waffe Antibiotika wieder verlieren“, sagte Müller. Unabhängig von der Entwicklung neuer Wirkstoffe sei es wichtig, den Antibiotikaeinsatz besser zu steuern, etwa durch schnellere Diagnostik und gezieltere Anwendung. Die Mikroorganismen mutieren und verändern sich sehr schnell und sind sehr anpassungsfähig. Das Thema multiresistente Keime werde vermutlich niemals inaktuell werden. „Das wird ein ewiger Kampf bleiben“, sagte Müller.

Für die pharmazeutische Industrie sei dieser Bereich wenig interessant, weil er wirt­schaftlich nicht genug abwerfe. „Man schätzt, dass die Entwicklung eines Antibioti­kums im Schnitt zwölf Jahre dauert und mehr als eine Milliarde Euro kostet“, sagte Müller, der auch zu einer Expertengruppe der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gehört. „Da erscheinen manchem die etwa sechs Millionen Euro Jahresbudget an unserem Institut vielleicht wie ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Geforscht werde sowohl an Substanzen, die die Mikroorganismen komplett vernichten, als auch an solchen, die ihre krankmachenden Mechanismen blockieren. „Denn wenn man sie abtötet, befeuert man ihre Resistenz“, sagte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes.

Antibiotikaresistenzen stehen auch auf dem Programm der Jahrestagung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), bei der ab heute bis Samstag rund 400 Wissen­schaftler an der Universität des Saarlandes diskutieren. Unter anderem geht es auch um Nanomedizin, die mithilfe kleinster Partikel Wirkstoffe im Körper ans Ziel bringen will. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

13.02.18
MRSA: Neue Antibiotikagruppe im Erdreich entdeckt
New York – Ein systematisches Genscreening von mehr als 2.000 Bodenproben aus allen Teilen der USA hat zur Entdeckung einer neuen Antibiotikaklasse geführt, die laut einem Bericht in Nature......
09.02.18
Antibiotika­resistente Keime auch in bayerischen Gewässern
Erlangen – Badegewässer sind auch in Bayern mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Bei einer Studie im Zusammenhang mit einem europäischen Forschungsprojekt zeichne sich eine mehrheitliche......
07.02.18
Antibiotika­resistente Keime in Gewässern: Gesundheitsamt beruhigt
Hannover – Nach dem Fund antibiotikaresistenter Keime in niedersächsischen Gewässern hat das Landesgesundheitsamt teilweise Entwarnung gegeben. Resistenzgene seien in der Natur vorhanden, das sei......
06.02.18
Antibiotika­resistente Keime in Gewässern gefunden – Experten besorgt
Hamburg/Hannover – Bei stichprobenartigen Untersuchungen von Gewässern sind antibiotikaresistente Keime gefunden worden. Gesundheitsexperten sind besorgt über die Ergebnisse. „Das ist wirklich......
05.02.18
Multinationale Unternehmen produzieren in Indien weiterhin nicht genehmigte Antibiotika
London – In Indien sollen Millionen nicht zugelassener Antibiotika verkauft werden. Auch multinationale Unternehmen sind daran beteiligt – trotz der Zusage, antimikrobielle Resistenz zu bekämpfen. Das......
02.02.18
Bundesrat setzt auf Festpreise für Antibiotika
Berlin – Der Bundesrat hat sich für Festpreise für Antibiotika ausgesprochen. In einer Entschließung plädiert die Länderkammer heute dafür, mit Festpreisen die wirtschaftlichen Anreize durch......
01.02.18
Antibiotika­resistenzen: WHO stellt erste Daten zu „weltweiter“ Surveillance vor
Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat erste Daten zu ihrem neuen Global Antimicrobial Resistance Surveillance System (GLASS) vorgestellt, das die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige