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Politik

Methodenbewertung zur Brachytherapie bei Prostatakarzinom wieder aufgenommen

Dienstag, 26. September 2017

Mikroaufnahme eines Prostatakarzinoms (Vergrößerung 80:1)
Mikroaufnahme eines Prostatakarzinoms (Vergrößerung 80:1) /dpa

Berlin – Der Gemeinsame Bundes­ausschuss (G-BA) hat entschieden, die Methoden­prüfung und -be­wertung für die Low-Dose-Rate-(LDR-)Brachytherapie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom wieder aufzunehmen. Der G-BA hatte diese Metho­denbewertung Ende 2013 ausgesetzt, weil die Prefere-Studie die notwendigen Erkenntnisse zu Therapien beim Prostatakarzinom liefern sollte. Die Studie war allerdings Ende 2016 gescheitert.

Die Aussetzung der Methodenbewertung sei damals insbesondere mit der Durchführung der Prefere-Studie begründet worden und mit der Maßgabe erfolgt, aussagekräftige wissenschaftliche Daten innerhalb des Aussetzungszeitraumes zu beschaffen, erklärte der G-BA auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts. Zum 31. Dezember 2016 sei die Rekrutierung von Patienten für die Prefere-Studie aber beendet und die Studie selbst eingestellt worden. In Übereinstimmung mit der G-BA-Verfahrensordnung hat das Plenum des Bundes­ausschusses daher beschlossen, die Beratungen zu dem Verfahren wieder aufzuneh­men.

IQWiG ist wieder am Zug

Der G-BA hat den Unterausschuss Methodenbewertung mit dem Bewertungs­verfahren beauftragt. Der Unterausschuss kann nun das Institut für Qualität und Wirtschaftlich­keit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragen, die Methode weiter zu unter­suchen. Bei der LDR-Brachytherapie bringt ein Arzt unter Ultraschallkontrolle kleinste Strahlungsquellen in die Prostata ein, sogennannte Seeds. Das Tumorgewerbe wird durch die von ihnen freigesetzte Strahlung zerstört.

In die ursprünglich bis 2030 geplante Prefere-Studie waren zum Start große Hoff­nungen gesetzt worden. Sie sollte klären, von welcher der vier Standardverfahren – Radikaloperation, perkutane Strahlentherapie, Brachytherapie oder aktive Über­wachung – Patienten mit einem Prostatakarzinom im frühen Stadium am meisten profitieren. Für die Studie waren 25 Millionen Euro eingeplant, 7.600 Patienten sollten teilnehmen – von Anfang 2013 bis Ende 2016 hatten sich aber nur 343 Patienten gemeldet.

Das Studienprojekt habe „die Erwartungen zur Durchführbarkeit, insbesondere der Rekrutierungsrate“ nicht erfüllt, hieß es zur Einstellung der Studie von der Deutschen Krebshilfe und dem GKV-Spitzenverband. In der öffentlichen Sitzung am vergangenen Donnerstag hatte G-BA-Chef Josef Hecken betont, es habe ihm „sehr weh getan, dass die Prefere-Studie so geendet“ sei.

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) bedauerten das Scheitern der Studie ebenfalls und plädierten dafür, den Ansatz der Prefere-Studie mit anderen wissenschaftlichen Methoden weiterzu­verfolgen. So könnten gegebenenfalls die aufgrund individueller ärztlicher Beratung und selbstbestimmter Patientenentscheidung gewählten Therapien unter angepassten Studienbedingungen hinsichtlich Erfolg, Belastungen und Lebensqualität dokumentiert und evaluiert werden, so die Überlegungen der Verbände.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Hierzulande erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) jährlich mehr als 60.000 Männer an einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse. Mehr als 12.000 sterben jedes Jahr an einem Prostatakarzinom. © hil/aerzteblatt.de

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