NewsMedizinAbsetzen von „Kardio-ASS“ kann Schlaganfall auslösen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Absetzen von „Kardio-ASS“ kann Schlaganfall auslösen

Dienstag, 26. September 2017

/Mara Zemgaliete - stock.adobe.com

Uppsala – Das Absetzen von niedrig-dosierter Acetylsalicylsäure, die als „Kardio-ASS“ vielen Patienten nach einem Herzinfarkt oder zum Schutz vor einem Schlaganfall verordnet wird, war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Circulation (2017; 136: 1183-1192) mit einem Anstieg der kardiovaskulären Ereignisse verbunden. 

Obwohl die Behandlung mit niedrig-dosierter ASS in klinischen Studien einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung eines erneuten Herzinfarkts oder Schlaganfalls leistet, ist sie bei vielen Patienten unbeliebt. Etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten setzen „Kardio-ASS“ in den ersten drei Jahren nach ihrem Herzinfarkt wieder ab, da sie sich sicher fühlen. Von den anderen nehmen viele die Mittel unregelmäßig ein.

Anzeige

Der Epidemiologe Johan Sundström von der Universität Uppsala hat die Folgen durch einen Abgleich von schwedischen Patientenregistern untersucht. Die erste Datenquelle war das Schwedische Arzneimittelregister. Ihm entnahm Sundström, ob die Patienten, denen die Ärzte „Kardio-ASS“ verschrieben hatten, die Rezepte auch eingelöst haben. Die zweite Quelle waren das schwedische Krankenhausregister und das Sterberegister. Dort konnte Sundström jene Patienten ermitteln, die nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten hatten oder daran gestorben waren.

Ergebnis: Unter den 601.527 Nutzern von „Kardio-ASS“ zur Primär- oder Sekundär­prävention war es innerhalb der ersten drei Jahre zu 62.690 kardiovaskulären Ereignissen gekommen. Dies zeigt noch einmal, wie stark diese Patienten gefährdet sind. Für die Patienten, die „Kardio-ASS“ in den ersten drei Jahren abgesetzt hatten, ermittelt Sundström ein um 37 Prozent erhöhtes Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis. Die adjustierte Hazard Ratio von 1,37 war mit einem engen 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,34-1,41 signifikant. Ein statistischer Zufall ist deshalb so gut wie ausgeschlossen. 

Nach weiteren Berechnungen von Sundström kommt auf 74 Patienten, die ihre „Kardio-ASS“ eigenmächtig abgesetzt haben, einer, der dadurch einen Schlaganfall oder Herzinfarkt (oder ein anderes kardiovaskuläres Ereignis) erlitten hat. Das Risiko stieg sofort nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ an und war dann über den gesamten Zeitraum erhöht. Sundström warnt vor einem „Rebound-Effekt“ nach dem Absetzen von „Kardio-ASS“ und rät den Patienten, die von den Ärzten erhaltenen Rezepte auch einzulösen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
Berlin – Wie andere Infektionen auch aktiviert SARS-CoV-2 das Blutgerinnungssystem und erhöht so das Risiko für thromboembolische Komplikationen. Doch die direkten Auswirkungen der durch SARS-CoV-2
Schlaganfall: Angst vor Ansteckung verhinderte frühzeitige Behandlung
23. Oktober 2020
Baltimore – Patienten, die wegen kardiometabolischer Erkrankungen bereits vor ihrer Infektion mit SARS-CoV-2 mit Acetylsalicylsäure in einer niedrigen Dosis („Low dose“-ASS) behandelt wurden, hatten
COVID-19: Patienten haben mit „Low dose“-ASS geringes Komplikations- und Sterberisiko
13. Oktober 2020
Berlin – Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft (DSG) hat erneut die große Bedeutung telemedizinischer Behandlungsangebote für Schlaganfallpatienten unterstrichen. Zugleich kritisierte die
Schlaganfall-Gesellschaft für bessere Finanzierung telemedizinischer Angebote
29. September 2020
Erlangen-Nürnberg/Würzburg – Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von 5 Jahren nach einem ersten Schlaganfall. Jeder fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von 5 Jahren. Dabei ist
Fast jeder zweite Patient stirbt in den ersten fünf Jahren nach einem Schlaganfall
3. September 2020
Würzburg – Ein sogenanntes Bindemolekül namens CD84 steuert nach einem Gefäßverschluss im Gehirn das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und bestimmten Entzündungszellen. Es bietet laut einem
Neuer Ansatz für Medikamententherapie nach Schlaganfall
27. August 2020
Berlin – Gemeinsam betrachtet sind direkte orale Antikoagulantien (DOAK) offenbar mit einem im Vergleich zu Phenprocoumon erhöhten Schlaganfallrisiko verbunden, verursachen dafür aber weniger
DOAK oder VKA bei Vorhofflimmern: Uneinheitliches Bild bei Schlaganfall- und Blutungsrisiko
19. August 2020
Regensburg – Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat eine Einheit zur Versorgung von Schlaganfallpatienten eingerichtet. Zusammen mit der Schlaganfallversorgung der Neurologischen Klinik am
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER