NewsMedizinHirndruckmessung: Erste nicht-invasive Technik vergleichbar mit üblichen Hirndrucksonden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Hirndruckmessung: Erste nicht-invasive Technik vergleichbar mit üblichen Hirndrucksonden

Donnerstag, 28. September 2017

Gehirn und Pulsmessgerät /shidlovski, stock.adobe.com
Bisher wird der Hirndruck invasiv mithilfe einer Messsonde im Schädelinneren gemessen. (Schmuckbild) /shidlovski, stock.adobe.com

Stuttgart/Erlangen – Mit einer neuen Technik ist es Ärzten vom Neurochirurgischen Klinikum Stuttgart und der Neurochirurgischen Universitätsklinik Erlangen gelungen, den Hirndruck nicht-invasiv mittels eines akustischen Signals zu messen. In einer Studie im Journal of Neurosurgery mit 14 Patienten erzielte das Forscherteam weitgehend vergleichbare Werte beim nicht-invasiv gemessenen Hirndruck und dem invasiven Goldstandard (2017; doi: 10.3171/2016.11.JNS152268). Nur bei rasch steigendem Hirndruck waren die Messwerte für klinische Entscheidungen noch nicht ausreichend präzise. 

Bisher wird der Hirndruck invasiv gemessen. Eine Messsonde wird über eine kleine Operation in das Schädelinnere eingeführt, um den Hirndruck entweder im Hirn­gewebe oder in den Hirnkammern zu messen. Mit Unterstützung der spezialisierten israelischen Medizintechnikfirma Headsense Medical Ltd. hat Oliver Ganslandt vom Katharinenhospital in Stuttgart in den letzten Jahren die neue Technik erprobt, die den Hirndruck nicht-invasiv misst. Das System besteht aus einem Sender und einem Empfänger, die ein bestimmtes Frequenzsignal für sechs Sekunden durch den Kopf des Patienten senden. Das akustische Signal wird dabei durch verschiedene Parameter und Gewebszustände verändert und soll somit bei Anwesenheit eines erhöhten Hirndrucks ein charakteristisches Frequenzspektrum messbar machen. Durch intelligente Auswertealgorithmen kann das Biosignal in Hirndruckwerte umgewandelt werden.

In der jetzt publizierten Studie wurde der Hirndruck mit dem neuen System gemessen und mit den üblichen Hirndrucksonden verglichen. Dabei zeigte sich in den ersten Ergebnissen, dass der nicht-invasiv gemessene Hirndruck bis zu einer bestimmten Größe dem invasiv gemessenen Hirndruck weitgehend entspricht. Die Sensitivität und Spezifität für die akustische Hirndruckmessung lag bei 0,7541 beziehungsweise 0,8887.

Es handele sich um die weltweit erste Veröffentlichung einer Technik, die es in Zukunft erlauben könnte, nicht-invasiv den Hirndruck bei Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzun­gen, Blutungen oder Hirntumoren zu erfassen, teilt das Klinikum Stuttgart mit. Die Erkenntnisse dienen als Basis und können nun zur Marktreife weiterentwickelt werden. © EB/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

RobertNET
am Sonntag, 15. April 2018, 23:45

Ist das wirklich so?

Im Herbst 2017 konnte bei mir in einer anderen Klinik, im Gegensatz zum zeitgleich laufenden ICP-Monitoring via implantierter ICP-Sonde, mit Headsense nur Chaos aufgezeichnet werden.
Nun gut, mindestens kommt es einem meiner Entspannungsverfahren mit Musik über Kopfhörer sehr nahe...

Nachrichten zum Thema

18. Juli 2018
München – Bayern investiert verstärkt in die Erforschung und Anwendung von Assistenzrobotern in der Pflege. In Garmisch-Partenkirchen soll das weltweit erste Tele-Assistenzzentrum zur Fernsteuerung
Bayern setzt auf Assistenzroboter in der Pflege
11. Juli 2018
La Jolla/Kalifornien – Ein kleiner mit einem Pflaster auf dem Brustkorb befestigter Rekorder, der über 2 Wochen die EKG-Signale aufzeichnet, hat in einer randomisierten Studie die Früherkennung des
Screening: „Wearable“ kann Diagnose von Vorhofflimmern erleichtern
10. Juli 2018
Köln – Die Caritas im Erzbistum Köln hält den Einsatz von Robotern in Pflegeheimen für denkbar. Tatsächlich gebe es im Raum Siegen bereits ein Altenheim, das einen solchen Roboter einsetzt, hieß es am
Caritas hält Pflegeroboter in Altenheimen für möglich
4. Juli 2018
Berlin – Die Bundesregierung will in der zweiten Jahreshälfte einen Referentenentwurf für ein Implantateregister-Gesetz vorlegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
Ge­sund­heits­mi­nis­terium kündigt Implantateregister-Gesetz an
3. Juli 2018
Berlin – Wegen fehlender Mittel für Investitionen gehen Krankenhäuser in Deutschland neue Wege bei der Anschaffung von IT-Systemen und Medizintechnik. Laut dem Beratungsunternehmen Roland Berger
Mehr als zwei Drittel der Kliniken haben Partnerschaft mit Medizintechnikunternehmen
26. Juni 2018
Boston – General Electric (GE) sucht mit einer Radikalkur den Weg aus der Krise. Wie der Konzern heute mitteilte, will er sich künftig nur noch auf die Felder Kraftwerke, Erneuerbare Energien und
General Electric gliedert Medizintechnik aus
20. Juni 2018
München – Auch Patienten mit einem Herzschrittmacher oder einem Defibrillator können Autos mit Elektroantrieb fahren. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am
NEWSLETTER