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Ärzteschaft

Fachgesellschaften fordern intensivere Betreuung von Kopfschmerzpatienten

Donnerstag, 28. September 2017

München – Eine intensivere Betreuung von Kopfschmerzpatienten – insbesondere solchen mit Migräne – fordern die Deutsche Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und die Deutsche Schmerzgesellschaft. Hintergrund sind die Ergebnisse einer Umfrage der DMKG unter Jugendlichen ab 14 Jahren und Erwachsenen zu Häufigkeit und Dauer von Kopfschmerzen.

Demnach litten 40,2 Prozent der 2.514 befragten Jugend­lichen und Erwachsenen in Deutschland in den vergangenen sechs Monaten unter Kopfschmerzen. Bei 3,8 Prozent der Männer und 10,9 Prozent der Frauen handelte es sich dabei um eine Migräne. „Wir wissen, dass Kopfschmerzen zu den häufigsten Beschwerden in der Bevölkerung zählen“, sagte die Präsidentin der DMKG, Stefanie Förderreuther vom Klinikum Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München. Allerdings gehe nur die Hälfte der Patienten mit den Beschwerden zu einem Arzt. „Kopfschmerzen sind leider noch immer eine Domäne der Selbstmedikation“, erklärte Förderreuther.

Das bestätigt auch die Befragung. Demnach vertrauen die meisten Menschen auf Hausmittel oder frei verkäufliche Schmerzmittel aus der Apotheke. Zehn Prozent der Menschen gaben an, sich bei Kopfschmerzen an einen Heilpraktiker zu wenden.

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Trotzdem sind für 35 Prozent der Interviewten Ärzte die häufigste Informationsquelle, gefolgt von Apothekern und dem Freundeskreis mit jeweils 20 Prozent. Erst dann folgte das Internet mit 14 Prozent. Insgesamt fühlen sich die Patienten gut von ihrem Arzt beraten. Die ärztlichen Informationen beurteilten 54 Prozent der Patienten als „gut“ oder sogar „sehr gut“.

Die Umfrage zeigt auch, dass Patienten, die einen Facharzt aufsuchten, häufiger eine Migräne-Prophylaxe erhielten als Patienten, die allein vom Hausarzt betreut wurden. Es nahm jedoch nur jeder fünfte Patient mit vier bis 14 Migränetagen im Monat auf ärztlichen Rat hin Medikamente ein. „Die Migräne-Prophylaxe bietet dem Patienten gute Chancen, die Zahl der Kopfschmerztage zu senken und sollte deshalb allen Patienten angeboten werden“, forderte DMKG-Vizepräsident Andreas Straube vom Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Neben der Arzneimitteltherapie sind laut den Fachgesellschaften auch nicht medika­mentöse Therapien bedeutsam. „Entspannungsverfahren wie die progressive Muskel­relaxation nach Jacobson, Ausdauersport und verschiedene Arten von Biofeedback sowie die kognitive Verhaltenstherapie können helfen, die Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen“, erläuterte Matthias Keidel, Chefarzt am Campus Bad Neustadt/Saale. Die drei Experten betonten, dass Hausärzte als erste Ansprechpartner der Patienten über die heutigen Behandlungsmöglichkeiten informiert sein sollten. © hil/aerzteblatt.de

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