NewsPolitikPsychotherapie: Weiterhin zu lange Wartezeit auf Behandlung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Psychotherapie: Weiterhin zu lange Wartezeit auf Behandlung

Donnerstag, 28. September 2017

/pictworks, stock.adobe.com

Berlin – Psychisch kranke Menschen müssen nach Ansicht der Psychotherapeuten­kammer immer noch zu lange auf einen Therapieplatz warten. Durch eine Gesetzes­änderung im April 2017 habe sich zwar die Wartezeit auf eine erste Sprechstunde verbessert, an der Wartezeit auf den Beginn der Therapie habe sich jedoch nichts verbessert.

„Die Bundestherapeutenkammer hat schon immer darauf hingewiesen, dass nach der Sprechstunde nicht mehr Behandlungsplätze zur Verfügung stehen“, sagte Presse­sprecher Kay Funke-Kaiser. Im Gegenteil, für Sprechstunde und Akutbehandlung müssten jetzt Stundenkontingente freigehalten werden, die nicht mehr für die Richtlinien-Psychotherapie zur Verfügung stünden. Bisher seien nur im Jahr 2013 rund 1.300 psychotherapeutische Praxen mehr zugelassen worden – in ländlichen Regionen. Insgesamt suchen Funke-Kaiser zufolge aber immer mehr psychisch kranke Menschen professionelle Hilfe.

Anzeige

Durch die Änderung der Psychotherapeuten-Richtlinie zum 1. April 2017 sollte sich das Angebot, wie die Wartezeit auf ein erstes Gespräch mit einem Psychotherapeuten, für psychisch kranke Menschen verbessern. Psychotherapeuten müssen pro Woche mindestens zwei Stunden für Sprechstunden zur Verfügung stehen. Zudem müssen sie 200 Minuten in der Woche am Telefon erreichbar sein. In dringenden Fällen soll es so schneller zur Behandlung kommen.

Inanspruchnahme der Servicestellen gestiegen

Zudem gilt: Wer keinen Termin erhält, kann sich an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung wenden, die innerhalb von vier Wochen eine Sprechstunde vermitteln müssen. Die Zahl der vermittelten Psycho­therapie­sprechstunden habe im zweiten Quartal aus dem Stand 40 Prozent der insgesamt vermittelten Arzttermine ausgemacht, sagt Roland Stahl, Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das sei ein spürbarer Anstieg. Wer innerhalb der vier Wochen nicht vermittelt werden könne, könne auch ins Krankenhaus gehen. Das seien aber verschwindend wenige Patienten, fast alle könnten auf eine Sprechstunde vermittelt werden.

Schneller einen ersten Ansprechpartner zu bekommen sei für die Betroffenen eine große Hilfe, heißt es aus dem von Hermann Gröhe (CDU) geführten Bundesgesund­heits­ministerium. So könne geklärt werden, ob es sich um einen akuten Fall handle oder ob der Patient an eine andere Einrichtung verwiesen werden könne.

Bundes­kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte kurz vor der Wahl im Kanzlercheck der jungen ARD-Radioprogramme betont, dass es natürlich Therapien für Betroffene geben müsse. Wenn das Warten zu lange dauere, müsse sie sich noch mal mit dem Bundes­gesundheitsminister verständigen. Dann müsse das Angebot verbreitert werden. „Auf jeden Fall sollte nicht nur beim Knochenbruch eine Reha da sein, sondern eben auch eine Therapiemöglichkeit bei psychischen Erkrankungen, das ist ganz wichtig“, sagte die Kanzlerin. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Dezember 2020
Hannover – Fast 10.000 niedersächsische Arzt- und Psychotherapeutenpraxen haben für die Monate April bis Juni dieses Jahres Ausgleichszahlungen aus dem Coronarettungsschirm in Höhe von 61,5 Millionen
Mittel aus Rettungsschirm an Ärzte in Niedersachsen ausgezahlt
27. November 2020
Berlin – Die SARS-CoV-2-Pandemie hat Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, insbesondere wegen der sozialen Isolation, die im Sinne des Infektionsschutzes notwendig ist. Darauf hat Andreas Heinz,
Psychiater wollen Maßnahmen zum Schutz psychischer Gesundheit
26. November 2020
Berlin – Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) fordert ein Serviceranking, das das Vertrags- und Bewilligungsverhalten der Krankenkassen durch unabhängige Versichertenbefragungen auswertet. Dies
Psychotherapeuten fordern Serviceranking der Krankenkassen
23. November 2020
Berlin – Die psychotherapeutische Behandlung in einer Gruppe ist ein wichtiges Angebot für psychisch kranke Menschen, das zu wenig genutzt wird. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) will deshalb ein
Neue Regelungen zur Förderung der Gruppenpsychotherapie beschlossen
19. November 2020
Berlin – Psychisch schwer erkrankte Kinder und Jugendliche in Deutschland benötigen laut Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) eine intensivere ambulante Versorgung als bislang. Mindestens 100.000
Psychotherapeuten wollen spezielle Komplexversorgung auch für psychisch kranke Kinder
16. November 2020
Berlin – Die Behandlung im unmittelbaren Kontakt bleibe der Goldstandard in der Psychotherapie. Sei aber eine Videobehandlung notwendig, wie beispielsweise aufgrund der Coronapandemie, so müsse
Psychotherapeutentag stellt Forderungen zur Videobehandlung und digitalen Gesundheitsanwendungen auf
16. November 2020
Berlin – Qualitätssicherung (QS) im ambulanten Bereich müsse einen spürbaren Nutzen für die Versorgung der Patienten mit vertretbarem bürokratischen Aufwand für die psychotherapeutischen Praxen haben,
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER