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Medizin

WHO: Jährlich 25,5 Millionen unsichere Abtreibungen weltweit

Donnerstag, 28. September 2017

/homonstock, stock.adobe.com

Genf – Weltweit werden jedes Jahr 57 Millionen Schwangerschaftsabbrüche durch­geführt, fast die Hälfte davon unter unsicheren medizinischen Bedingungen. Dies geht aus einer Untersuchung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hervor, die anlässlich des „International Safe Abortion Day“ im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(17)31794-4) veröffentlicht wurde.

Aus medizinischer Sicht sind Schwangerschaftsabbrüche heute relativ unkompliziert. Bei den operativen Verfahren hat die Vakuumaspiration die frühere Curretage weitgehend abgelöst. Die Prozedur ist einfach und nach wenigen Minuten abgeschlossen. In der Frühschwangerschaft ist auch ein medikamentöser Abbruch durch Einahme von Mifepriston plus Misoprostol effektiv. Die Medikamente können oral eingenommen werden. Der Abort erfolgt in der eigenen Wohnung ohne ärztliche Kontrolle. Eine gynäkologische Nachuntersuchung wird jedoch dringend empfohlen, auch weil der medikamentöse Abbruch nicht immer gelingt.

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Eher die Regel, denn die Ausnahme

Trotz der günstigen medizinischen Voraussetzungen sind unsichere Schwangerschafts­abbrüche in vielen Ländern eher die Regel, denn die Ausnahme. Die WHO unter­scheidet zwei Kategorien: „weniger sicher“ und „am wenigsten sicher“. 

Als „weniger sicher“ gelten Abbrüche, wenn sie zwar von einem ausgebildeten Anbieter durchgeführt werden, dieser aber eine veraltete Methode (etwa die scharfe Curettage) verwendet. In die gleiche Kategorie fällt auch ein medikamentöser Abort mit Mifepriston plus Misoprostol, wenn er ohne ausreichende Informationen oder Unterstützung von einer ausgebildeten Person durchgeführt wird.

„Am wenigsten sicher“ sind Abtreibungen, wenn sie von untrainierten Personen mit gefährlichen Methoden durchgeführt werden. Dazu gehört das Einführen von Fremdkörpern oder die Verwendung von pflanzlichen Mitteln oder Giften.

Abtreibungen erfolgen oft heimlich

Wie häufig unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind, lässt sich nur schwer ermitteln, da sie in der Regel heimlich erfolgen und in den meisten Ländern von einer Straf­verfolgung bedroht sind. Es gibt jedoch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und auch behördliche Mitteilungen. Bela Ganatra von der WHO-Abteilung „Reproduc­tive Health and Research“ in Genf und Mitarbeiter stützen ihre Schätzungen auf ingesamt 150 empirische Datenquellen.

Sie ergeben folgendes Bild: Von den 55,7 Millionen Schwangerschaftsabbrüchen, die weltweit jedes Jahr (im Zeitraum zwischen 2010 und 2011) durchgeführt wurden, waren 17,1 Millionen (30,7 Prozent) „weniger sicher“ und 8,0 Millionen (14,4 Prozent) „am wenigsten sicher“. Von den 25,1 Millionen (45,1 Prozent) unsicheren Schwangerschaftsabbrüchen entfielen 24,3 Millionen (97 Prozent) auf Entwicklungsländer. Dort war mit einem Anteil von 49,5 Prozent fast jede zweite Abtreibung „unsicher“.

Die meisten unsicheren Abbrüche werden in Afrika und Lateinamerika durchgeführt, wobei in Afrika (mit der Ausnahme von Südafrika) die Kategorie „am wenigsten sicher“ überwiegt. In Lateinamerika kommt es häufiger zu „weniger sicheren“ Abtreibungen. Ähnlich ist die Situation in weiten Teilen Asiens mit der Ausnahme von Ostasien, wo unsichere Abtreibungen selten geworden sind. Dies gilt auch für Nordamerika sowie West- und Nordeuropa, wo die allermeisten Schwangerschaftsabbrüche von Ärzten durchgeführt werden.

Ganatra bestätigt auch den bekannten Zusammenhang zwischen gesetzlichen Regelungen und der medizinischen Qualität. In den 57 Ländern, in denen Abtreibungen legal sind, waren 87,4 Prozent der Abbrüche sicher. In den 62 Ländern, in denen Abtreibungen streng verboten sind, beträgt der Anteil nur 25,2 Prozent.

Die Verfügbarkeit eines sicheren Schwangerschaftsabbruchs führt nicht notwendiger­weise zu einem Anstieg der Aborte. Im Gegenteil: In Nordamerika, Nord- und West­europa ist weltweit gesehen die Häufigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen am niedrigsten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 29. September 2017, 16:43

Zur ungewollten Schwangerschaft...

gehören immer mindestens Zwei!

"Global, regional, and subregional classification of abortions by safety, 2010–14: estimates from a Bayesian hierarchical model" von Dr. Bela Ganatra MD et al.
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)31794-4/fulltext
ist überwiegend von "PhD's", englisch Doctor of Philosophy, neulateinisch philosophiae doctor, verfasst worden. Die abschließende Interpretation ["Interpretation - Increased efforts are needed, especially in developing countries, to ensure access to safe abortion. The paucity of empirical data is a limitation of these findings. Improved in-country data for health services and innovative research to address these gaps are needed to improve future estimates"] ist selbstlimitierend, unverbindlich, nichtssagend, perspektiv- und offensichtlich alternativlos. Außer der Anwendung von Misoprostol und der Forderung nach medizinisch korrektem Procedere ist dem Autorenteam nicht mal die völlige Verantwortungslosigkeit der beteiligten männlichen Partner eine Erwähnung wert.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
10 Jahre ärztlicher Mitarbeiter im "Lore-Agne-Haus", Zentrum für Familienplanung, Schwangerschaftskonflikte und Fragen der Sexualität in Essen (Trägerschaft: AWO-Bez. Verband Niederrhein)
LNS

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