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Politik

Gesundheitskiosk: Beratung für mehr Gesundheitskompetenz

Freitag, 29. September 2017

/dpa

Hamburg – Der bundesweit erste „Gesundheitskiosk“ ist gestern für die Hamburger Stadtteile Billstedt und Horn eröffnet worden. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sollen künftig Bewohner und Patienten aus den sozial benachteiligten Vierteln über Gesundheitsfragen aufklären und ihnen den Zugang zum Gesundheitswesen erleich­tern, wie die Initiatoren, das Ärztenetz Billstedt-Horn und die AOK Rheinland/Hamburg, bei der Eröffnung des Gesundheitskiosks erklärten.

Dort stehen sieben medizinisch geschulte Mitarbeiter bereit, die in verschiedenen Sprachen Patienten vor und nach Arztbesuchen beraten, sie bei Bedarf an soziale Einrichtungen oder Vereine im Stadtteil vermitteln sowie Behandlungen koordinieren. Finanziert wird das Projekt aus dem Innovationsfonds der gesetzlichen Kranken­versiche­rung. Über drei Jahre fließen 6,3 Millionen Euro an die „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“.

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Idee von Ärzten vor Ort

Die Idee zum Gesundheitskiosk sei den Ärzten vor Ort gekommen, weil sie allmählich mit der Situation in ihren Praxen überfordert seien, erklärte der niedergelassene Orthopäde Gerd Fass, Vorstandsvorsitzender des Ärztenetzes Billstedt-Horn. Von den gut 100.000 Bewohnern der Stadtteile habe mehr als die Hälfte einen Migrations­hintergrund, die Deutschkenntnisse seien oft schlecht, die Arbeitslosigkeit hoch und chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Depressionen weit verbreitet.

Entsprechend hoch sei das Patientenaufkommen in den Arztpraxen, von denen es in Billstedt und Horn jedoch weit weniger gebe als in den besser situierten Stadtteilen. „Künftig können wir Patienten zur Beratung an den Gesundheitskiosk verweisen“, sagte Fass. Denn in den Praxen fehle die Zeit, sich so intensiv um die Patienten zu kümmern.

„Gesundheit darf kein Privileg sein“

„Chronische Erkrankungen wie Diabetes treten in Billstedt und Horn fast zehn Jahre früher auf als im Hamburger Durchschnitt“, erklärte Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg. In Billstedt und Horn litten auch mehr Kinder an Entwick­lungs­störungen. Der Gesundheitskiosk könne dabei helfen, die Gesundheitskompetenz der Bewohner zu fördern. „Wir brauchen eine barrierefreie Kommunikation und die Vernetzung mit Stadtteilinitiativen“, sagte Mohrmann. Gesundheit dürfe kein Privileg sein. Alle Menschen sollten die gleichen Gesundheitschancen haben, meinte der AOK-Vorstand.

Er betonte zugleich, dass das Engagement der AOK im Projekt langfristig angelegt sei. Er hoffe, dass sich noch mehr Krankenkassen beteiligten und man das Gesundheits­netzwerk weiter betreiben könne, wenn die Finanzierung aus dem Innovationsfonds ausgelaufen sei. Vorstellbar sei eine Finanzierung aus den Einsparungen, die die Kassen infolge des Projekts beispielsweise durch bessere Prävention, eine besser abgestimmte Behandlung und weniger Kranken­haus­auf­enthalte erzielen könnten.

Als Beispiel führte Mohrmann die vernetzte Versorgung durch „Gesundes Kinzigtal“ an, das ein örtliches Ärztenetz zusammen mit der Hamburger Management- und Beteiligungsgesellschaft Optimedis AG betreibt. Deren Vorstandsvorsitzender Helmut Hildebrandt ist auch Geschäftsführer der „Gesundheit für Billstedt/Horn UG“.

Politik erfreut über neue Wege

Rückhalt erfährt das Hamburger Projekt durch die Politik. Die Gesundheitssenatorin der Stadt, Cornelia Prüfer-Storck (SPD), sagte bei der Eröffnung, das Gesundheitsnetzwerk sei ihr eine „Herzensangelegenheit“. Das Konzept setze gleich an drei neuralgischen Punkten an: dem Zusammenhang zwischen Krankheit und sozialer Lage, der unglei­chen Verteilung von Ärzten und der Segmentierung des Gesundheitswesens in ambulant, stationär, Pflege und Reha.

„Der Patient steht meist nur im Wording im Mittelpunkt“, kritisierte die Senatorin. „Ich freue mich, dass man hier auf mehrfache Weise neue Wege geht.“ Prüfer-Storck begrüßte in diesem Zusammenhang, dass sich das Projekt in Billstedt und Horn nicht auf bestimmte Erkrankungen konzentriert, sondern bevölkerungsbezogen arbeitet und auf die Vernetzung mit sozialen Einrichtungen zielt. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #115441
docwok
am Samstag, 30. September 2017, 17:09

Konsequent

Erst den Ärzten die Zeit für das Gespräch mit den Patienten wegrationalisieren, dann die Patienten anderweitig betreuen.
LNS

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