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Qualitäts­indikatoren: Licht und Schatten

Freitag, 29. September 2017

/familie-eisenlohr.de, stockadobecom

Berlin – 22 Prozent der Qualitätsindikatoren, zu denen im Rahmen der externen stationären Qualitätssicherung Daten von den Krankenhäusern 2016 erfasst wurden, haben sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Konkret sind das 53 der 238 Indika­toren. Vier Prozent (neun der 238 Indikatoren) haben sich im selben Zeitraum ver­schlechtert. Das geht aus dem aktuellen Qualitätsreport hervor, den das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) erstellt hat. 165 der Indikatoren blieben im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Für die externe stationäre Qualitätssicherung stellen Krankenhäuser Daten zu bestimm­ten Qualitätsindikatoren aus 25 Leistungsbereichen zur Verfügung – von der Karotis-Revaskularisation über die ambulant erworbene Pneumonie bis zur Hüftendo­prothesenversorgung. 2016 haben 1.544 Krankenhäuser in diesem Zusammenhang rund 2,5 Millionen Datensätze an das IQTIG beziehungsweise an die in den Bundes­ländern agierenden Landesgeschäftsstellen übermittelt.

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Problem Hüfte

Die Zahl der Qualitätsindikatoren, zu denen die Daten erhoben wurden, ist in den letzten Jahren dabei kontinuierlich gesunken: von 416 im Jahr 2014 auf 238 im vergangenen Jahr. Im Bereich der ambulant erworbenen Pneumonie gehören zum Beispiel die Bestimmung der Atemfrequenz bei Aufnahme, die antimikrobielle Therapie innerhalb von acht Stunden nach Aufnahme oder das Verhältnis der beobachteten zur erwarteten Rate an Todesfällen zu den Qualitätsindikatoren.

„Wie in den vergangenen Jahren sind die Ergebnisse zu den meisten Qualitäts­indikatoren stabil“, kommentierte das unparteiische Mitglied im G-BA, Regina Klakow-Franck, die Ergebnisse im Vorwort des Qualitätsberichts. Auch wenn sich bei 53 der 238 Indikatoren eine signifikante Verbesserung gezeigt habe, gebe es nach wie vor einige Indikatoren mit besonderem Handlungsbedarf, die sich bereits über mehrere Jahre als verbesserungsresistent erwiesen hätten. „Besorgniserregend ist der Prozess­indikator zur ‚Präoperativen Verweildauer bei osteosynthetischer Versorgung einer hüftgelenknahen Femurfraktur‘“, so Klakow-Franck. „Hier liegt der Bundeswert mit 19,7 Prozent noch weit außerhalb des höchsten tolerierbaren Werts von 15 Prozent.“

Sprechen hilft

Das bedeute, dass nahezu jeder fünfte Patient länger als maximal zulässig auf seine Operation habe warten müssen. Als Gründe würden häufig Struktur- und Prozess­mängel genannt, zum Beispiel geringe OP-Kapazitäten oder Personalmangel am Wochenende. Zwar bemühten sich die Krankenhäuser, ihre Prozesse und Strukturen zu verbessern. Dennoch sei der Wert nach wie vor zu hoch.

Der Leiter des IQTIG, Christof Veit, betonte den Wert des Dialogs, der sich der Erhebung der Zahlen anschließen müsse. „Wir wollen die Patientenversorgung verbessern“, sagte Veit heute auf der 9. Qualitätssicherungskonferenz des G-BA in Berlin. Ein Bericht wie der Qualitätsreport könne jedoch nur dazu beitragen, wenn es in den Abteilungen einen Dialog über die Ergebnisse des Reports gebe. Statistische Verfahren allein könnten nicht zur Verbesserung der Qualität beitragen.

Der wichtigste Teil der Qualitätssicherung sei das Lernen, zum Beispiel im Rahmen von Qualitätszirkeln oder dem Strukturierten Dialog. Der Strukturierte Dialog wird vom IQTIG oder den Landesgeschäftsstellen eingeleitet, wenn Krankenhäuser aufgrund der von ihnen übermittelten Daten rechnerisch auffallen. Dabei wird der Strukturierte Dialog immer in dem Jahr durchgeführt, der auf das Erfassungsjahr folgt.

Für die 2015 übermittelten 3,2 Millionen Datensätze ergaben sich knapp 16.000 rechnerische Auffälligkeiten, heißt es im aktuellen Qualitätsreport. Davon wurden knapp 10.000 (62 Prozent) im Rahmen eines Strukturierten Dialogs überprüft. Maß­nahmen, die sich an den Strukturierten Dialog anschließen können, sind sogenannte kollegiale Gespräche und Krankenhausbegehungen, in denen die Ergebnisse bezie­hungsweise die Gründe für die Ergebnisse besprochen werden. Zu den Ergebnissen des Jahres 2015 wurden dem Report zufolge 282 kollegiale Gespräche geführt und 19 Krankenhäuser im Rahmen einer Begehung besucht.

Konsequenzen gefordert

Veit forderte, dass man nicht tolerieren dürfe, wenn manche Krankenhäuser trotz mehrfacher Strukturierter Dialoge keine Verbesserungen durchführten. Wenn man die Qualitätssicherung ernst nehme, müsse man aber in solchen Fällen „handlungsfähig“ werden. Wenn man bei diesen Krankenhäusern den Betrieb weiterlaufen lasse, handle man gegen die Interessen der Patienten. Dabei müsse man sich auch fragen, wie viel Evidenz man haben wolle, um den Krankenhäusern eine schlechte Qualität nachzu­weisen.

„Wenn wir sagen, die Evidenz muss sehr hoch sein, kann es sein, dass wir bestimmte Qualitätsprobleme nicht angehen“, sagte Veit. Man müsse in solchen Fällen aber handeln, um dem Patientenschutz gerecht zu werden. „Größtenteils“ seien die Krankenhäuser aber engagiert, die im Rahmen des Strukturierten Dialogs aufgezeigten Qualitätsdefizite nachhaltig zu beseitigen, heißt es im Qualitätsreport.

Im Jahr 2016 ist zusätzlich zur externen stationären Qualitätssicherung, die nur die Krankenhäuser betrifft, auch das erste sektorenübergreifende Qualitätssicherungs­verfahren in dem Bereich „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ hinzugekommen. In diesem Bereich wurden im Jahr 2016 Daten zu 28 Qualitäts­indikatoren erfasst. Sie wurden im aktuellen Qualitätsreport jedoch noch nicht ausgewertet. © fos/aerzteblatt.de

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